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: McCain tritt mit Sarah Palin an

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rüb. DENVER, 29. August. Der designierte Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Senator John McCain, tritt bei der Wahl am 4. November mit der Gouverneurin von Alaska an. Die 44 Jahre alte Politikerin soll seine Vizepräsidentin werden.

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          rüb. DENVER, 29. August. Der designierte Präsidentschaftskandidat der Republikaner, Senator John McCain, tritt bei der Wahl am 4. November mit der Gouverneurin von Alaska an. Die 44 Jahre alte Politikerin soll seine Vizepräsidentin werden. Das sagte McCain am Freitag in Dayton in Ohio. Unmittelbar nach seiner programmatischen Rede zum Abschluss des Nominierungsparteitages der Demokraten in Denver hat Barack Obama derweil seinen Wahlkampf mit Auftritten in besonders umkämpften Staaten fortgesetzt. Mit seinem Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, Joseph Biden, reiste er zu Wahlkampfauftritten nach Pennsylvania.

          Zum Beginn seiner programmatischen Rede vor 84 000 Menschen im Football-Stadion "Invesco Field" in Denver nahm Obama "mit tiefer Dankbarkeit und großer Demut" die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten an. John McCain hatte schon den ganzen Tag über Wahlwerbespots ausstrahlen lassen, in welchen er Obama zu dessen historischer Leistung gratulierte. "Morgen wird es wieder ernst. Aber an diesem historischen Tag gratuliere ich Ihnen, Herr Senator, einfach nur zu Ihrer guten Arbeit." Nach der kämpferischen Rede Obamas sah sich der Wahlkampfstab McCains in der Nacht zum Freitag aber doch zu einer Reaktion veranlasst. "Sie haben eine fundamental irreführende Rede gehört", hieß es in einer kurz nach Obamas Rede veröffentlichten Erklärung McCains: "Es hat sich nichts an der Tatsache geändert, dass Sie nicht bereit sind, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden."

          Obama konzentrierte sich in seiner Rede bewusst nicht auf den Umstand, dass die erste Rede eines schwarzen Präsidentschaftskandidaten einer großen Partei auf jenen Tag fiel, an welchem 45 Jahre zuvor Martin Luther King seine berühmte Rede vor dem Lincoln Memorial in Washington hielt. Stattdessen nutzte Obama seine Rede, die eine gute Dreiviertelstunde dauerte und von 30 Millionen Fernsehzuschauern verfolgt wurde, zu heftigen Angriffen auf Präsident George W. Bush und John McCain.

          Dazu stellte er ein mit Zahlen und Versprechen gespicktes Wahlprogramm vor. Als neuen Schlachtruf für die nun eingeläutete heiße Phase des Wahlkampfes für die Wahlen am 4. November erkor Obama in Anspielung auf die acht Jahre währende Amtszeit von Bush die Parole "Acht sind genug!" Bush sei in der Innen- und der Wirtschaftspolitik ebenso gescheitert wie in der Außen- und Sicherheitspolitik, sagte Obama. Dass sich McCain angesichts der verbreiteten Krisenstimmung in der Bevölkerung und wegen der niedrigen Zustimmungsrate zu Bushs Amtsführung als Kandidat des Wechsels präsentiere, sei ein Etikettenschwindel. "Senator McCain spricht gerne über Urteilsvermögen", sagte Obama: "Aber was sagt es über das Urteilsvermögen aus, wenn man in mehr als 90 Prozent der Fälle der Politik des Weißen Hauses unter George W. Bush zustimmt?" Eine "zehnprozentige Chance" auf einen Wandel sei ihm zu wenig.

          Er glaube nicht, dass sich John McCain für die schwierigen Lebensumstände vieler Amerikaner interessiere. "Ich glaube, er kapiert es einfach nicht", sagte Obama: "Wie sonst kann er sagen, dass jemand zur Mittelklasse gehört, wenn sein Jahreseinkommen fünf Millionen Dollar nicht übersteigt?" Der 47 Jahre alte Senator zeichnete ein düsteres Bild der Lage, in welcher sich die Vereinigten Staaten befinden: "Unser Land ist im Krieg, unsere Wirtschaft im Abschwung, und das amerikanische Versprechen ist abermals bedroht." Amerika sei jedoch "besser als diese letzten acht Jahre". Weil "wir dieses Land zu sehr lieben, dürfen die kommenden vier Jahre nicht aussehen wie die vergangenen acht", sagte Obama und fuhr fort: "Dieser Moment, diese Wahl, ist unsere Chance, um die amerikanische Verheißung im 21. Jahrhundert lebendig zu halten."

          Anders als McCain werde er Unternehmen keine Steuererleichterungen mehr gewähren, wenn diese Arbeitsplätze nach Übersee verlagerten, versprach Obama. Stattdessen werde er die Steuerlast von Unternehmern mindern, die "gute Arbeitsplätze hier in Amerika schaffen". Zudem werde er die Steuern "für 95 Prozent aller erwerbstätigen Familien" senken. Weiter versprach Obama, dass "wir innerhalb von zehn Jahren endgültig mit unserer Abhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten Schluss machen". Als Präsident werde er die Erdgasreserven des Landes ausbeuten helfen, die saubere Kohle-Technologie fördern und "Wege zur sicheren Nutzung der Atomenergie finden". Zudem würden im gleichen Zeitraum 150 Milliarden Dollar in erneuerbare Energiequellen investiert.

          Obama versprach, dass er als Oberbefehlshaber "niemals zögern" werde, "dieses Land zu verteidigen". Aber er werde den Streitkräften des Landes "nur mit einer klaren Mission" den Marschbefehl erteilen. "Ich werde den Krieg im Irak verantwortungsvoll beenden und den Kampf gegen Al Qaida und die Taliban in Afghanistan zu Ende bringen", versprach Obama. "Man kann ein Terrornetz, das in 80 Ländern aktiv ist, nicht besiegen, indem man den Irak besetzt", rief Obama. Im Atomstreit mit Iran werde er mit den europäischen Verbündeten auf "harte, direkte Diplomatie" setzen, um zu verhindern, dass Teheran an Atomwaffen komme.

          Zum musikalischen Programm des letzten Tages des Parteikongresses gehörten Auftritte von Musikern wie Sheryl Crow, Stevie Wonder, Michael McDonald und John Legend. Weitere Redner waren der frühere Vizepräsident Al Gore, der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, und Vizepräsidentschaftskandidat Joseph Biden, der eine Reihe von Bürgern vorstellte, die über ihre Lebenserfahrungen etwa mit schweren Krankheiten ohne Versicherungsschutz berichteten - auf einer Bühne, die einem griechischen Amphitheater nachempfunden war.

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