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Leserbrief : Vorratsdatenspeicherungsverbot schützt Kriminelle

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Zum Artikel "Nach Anruf Selbstmord - Verbindungsdaten dürfen nicht gespeichert werden" (F.A.Z. vom 8. Juli): Ich kann der geschilderten Problematik aus leidiger Erfahrung hundertprozentig zustimmen: Wer jemals darauf angewiesen war, ...

          Zum Artikel "Nach Anruf Selbstmord - Verbindungsdaten dürfen nicht gespeichert werden" (F.A.Z. vom 8. Juli): Ich kann der geschilderten Problematik aus leidiger Erfahrung hundertprozentig zustimmen: Wer jemals darauf angewiesen war, auf die eigenen Verbindungsdaten zuzugreifen, der wird die Aussage in diesem Artikel bestätigen.

          Das Verbot der Vorratsdatenspeicherung schützt häufig Kriminelle. So gibt es juristisch zum Beispiel keine Möglichkeit, einen Drohanrufer zu ermitteln, der offensichtlich in Verbindung mit einer kriminellen Handlung steht. Dafür fehlt es an einer Rechtsgrundlage. Das ist ein Skandal. Selbst Auskünfte über ausschließlich eigene Daten (der Aufenthaltsort des eigenen Handys zu einem bestimmten Zeitpunkt) ohne Informationen über Gesprächsdaten oder Daten Dritter sind kaum zu bekommen. Mir ist es erst nach langwierigen Recherchen und Briefwechseln mit der Regulierungsbehörde und dem Netzbetreiber unter Einschaltung zweier Anwälte auf legalem Weg gelungen, an die gespeicherten Verkehrsdaten zu gelangen. Diese waren für mich juristisch von großer Bedeutung. Die hierfür notwendigen Schritte können Monate dauern. Und die Löschfristen der Daten laufen ebenfalls ganz klar den Interessen ehrlicher Bürger entgegen. Auskünfte über Telefon- oder Verkehrsdaten können oft eine wichtige Entlastungsfunktion haben. Auch deshalb sollte sich die Bundesjustizministerin gut überlegen, ob "Schutzlücken in der Kriminalbekämpfung" wirklich das sind, was wir brauchen.

          Gerhard Hotz, Neckargemünd

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