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Leserbrief : Hirntote empfinden keine Schmerzen

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Zu "Ist die Organspende noch zu retten?" von Stephan Sahm (F.A.Z. vom 14. September): Ich erlaube mir zu behaupten, dass der Hirntod sicherer festzustellen ist und festgestellt wird als der Tod bei der üblichen und länger als ein Jahrhundert nicht angezweifelten Leichenschau.

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          Zu "Ist die Organspende noch zu retten?" von Stephan Sahm (F.A.Z. vom 14. September): Ich erlaube mir zu behaupten, dass der Hirntod sicherer festzustellen ist und festgestellt wird als der Tod bei der üblichen und länger als ein Jahrhundert nicht angezweifelten Leichenschau. Daran ändern auch die Außenseitermeinungen weniger Kritiker nichts, von denen einige gewiss keine medizinische Erfahrung und schon gar nicht die Qualifikation aufweisen können, die für die Feststellung des Hirntodes nach den Richtlinien der Deutschen Bundesärztekammer gefordert wird. Diese Richtlinien sind entwicklungsfähig und zukunftsoffen. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass sie ohne Verlust an Stringenz gegenüber früheren Festlegungen sogar vereinfacht werden konnten, auch wenn und gerade weil neue aussagefähige apparative Methoden hinzugekommen sind. Diese aber haben gezeigt, dass das Konzept ebenso tragfähig wie sicher ist - warum hätten sich ihm sonst immer mehr Länder dieser Erde angeschlossen?

          Transplantationsmedizin und Hirntodkonzept haben geschichtlich unterschiedliche Wurzeln, wobei dieses jener vorausgeht; ganz gewiss ist der Hirntod keine Erfindung der Transplantationsmedizin, um Sterbende zu instrumentalisieren. Wer behauptet, Hirntote empfänden Schmerzen, hat einfach keine Ahnung. Eine tiefere Narkose als der Hirntod ist nicht vorstellbar. Äußerungen wie diese sind lediglich geeignet, das Konzept zu diskreditieren und Unsicherheit zu schüren. Man weiß sogar aus der Anfangszeit der Hirntoddiagnostik, dass bei korrekter Handhabung - die durch eine Reihe strenger Regularien gesichert wird - keine Irrtümer möglich sind und Irreversibilität vorliegt. Es ist definitiv noch kein Hirntoter je wiederbelebt worden! Warum das von einigen wenigen Autoren angezweifelt wird, obwohl praktisch jeder betroffene Laie in der Lage ist, dieses Faktum einzusehen, und andererseits niemand ernsthaft fordert, Hirntote bis zum Erlöschen der Herz-Kreislauf-Tätigkeit zu beatmen (und damit anderen einen Beatmungsplatz zu versagen), mag psychologische Gründe haben, rational ist es nicht.

          Sahms Artikel ist tendenziös, sein Tenor schädlich. Ich werde jedenfalls in meinem Wirkungskreis weiterhin für sachliche Aufklärung stehen und einen Organspendeausweis stets bei mir tragen. Sahm fordere ich auf, sich in zehn Jahren abermals dem Thema zu stellen. Vielleicht hat er ja bis dahin seine Meinung geändert und wird erstaunt feststellen, dass es auch dann noch Organspenden gibt.

          Professor Dr. Christoph Lang, Neurologische Universitätsklinik, Erlangen

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