https://www.faz.net/-1v1-6m0hy

Leserbrief : Die DFG ist kein Ort übler Machinationen

  • Aktualisiert am

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist die wichtigste Einrichtung zur Wissenschaftsförderung in Deutschland; es ist daher gut und wichtig, wenn sie in der wissenschaftlichen und in der außerwissenschaftlichen Öffentlichkeit ...

          Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist die wichtigste Einrichtung zur Wissenschaftsförderung in Deutschland; es ist daher gut und wichtig, wenn sie in der wissenschaftlichen und in der außerwissenschaftlichen Öffentlichkeit aufmerksam beobachtet wird, wie es Initiatoren einer Berliner Tagung tun, über die in der F.A.Z. vom 6. Juli berichtet wird.

          Doch was ist die DFG? Hauptakteure der DFG sind die Gutachterinnen und Gutachter, die Fachreferentinnen und -referenten sowie die Fachkollegiatinnen und -kollegiaten; die Veranstalter wissen anscheinend nur von den ersten beiden Gruppen und wittern üble Machinationen: Referenten könnten unkontrolliert den anonymen Gutachtern Projekte zuschustern, die dann in undurchsichtiger Weise beurteilt würden, während dem Antragsteller nichts bleibe, als ohnmächtig des Ergebnisses zu harren, ohne die Möglichkeit eines Widerspruches zu haben.

          Manches stimmt an der Beschreibung: Ja, die Gutachten sind anonym - das dient dem Schutz gerade der weniger mächtigen Gutachter vor eventuellen Sanktionen. Ja, es gibt keinen Widerspruchsweg, aber es besteht jederzeit die Möglichkeit, einen Antrag neu zu stellen und dabei auch die Monenda der früheren Gutachten aufzugreifen - denn diese werden den Antragstellerinnen und Antragstellern, gerade wenn ihre Anträge abgelehnt werden, anonymisiert mitgeteilt. Eine Übersicht über die geförderten Projekte gibt es, anders als von den Kritikern behauptet, in Gestalt von Gepris - die jedem zugängliche Onlineplattform der DFG.

          Doch vor allem ignorieren die genannten Kritiker die Existenz der Fachkollegien, einer der wichtigsten Einrichtungen, die die DFG während der letzten Jahre geschaffen hat. Die Fachkollegiaten prüfen, ob die Bestellung der Gutachter durch die Referenten sachgemäß war, wenn nicht - falls etwa Befangenheitsgründe vorliegen -, können sie die Gutachten zurückweisen; die Fachkollegiaten prüfen auch die Qualität der Gutachten und setzen sich zuweilen über deren Votum hinweg, mit Argumenten, die dem Antragsteller ebenfalls mitgeteilt werden. Diese Fachkollegiaten werden ihrerseits von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der deutschen Forschungseinrichtungen und Hochschulen alle vier Jahre gewählt, Vorschlagsrecht haben große Verbände, Universitäten und andere wissenschaftliche Einrichtungen.

          Die Kollegiaten konstituieren damit eine Art Parlament der Wissenschaft, keinen Geheimbund. Sie sind auch nicht anonym, sondern namentlich bekannt und kontrollieren die Gutachter, die Fachreferenten, aber auch sich gegenseitig.

          Gewiss gibt es kein Begutachtungssystem, das fehlerfrei funktioniert, gewiss muss fortwährend über Veränderungen in der DFG nachgedacht werden - so ist die Gewinnung kompetenter Gutachter angesichts der vielfältigen Belastungen heutiger Wissenschaftler immer schwieriger, so wäre eine weitere Internationalisierung wünschenswert, so dauert die Bearbeitung von Einzelanträgen bisweilen zu lange, schwierig bleibt die Frage, wie man radikal innovativen Ansätzen gerecht wird -, doch ist es ein entwicklungsfähiges System, das versucht, viele Interessen auszutarieren, und das international seinesgleichen sucht.

          Wenn es bessere Alternativen gibt, sollten sie unbedingt öffentlich, aber eben auch sachkundig diskutiert werden.

          Professor Dr. Hartmut Leppin, Frankfurt am Main

          Topmeldungen

          Mutmaßliche Angriffe im Golf : Tanker, Lügen – und Videofilme

          Es gibt viele Deutungen der jüngsten Vorfälle im Golf von Oman. Ironischerweise gewinnt in der gegenwärtigen Krise Amerikas Position gegenüber Iran an Glaubwürdigkeit – gerade durch den Faktor Trump.