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: Justizirrtum nach 30 Jahren mit DNA aufgeklärt

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LONDON, 20. September. Mit Hilfe von Verfahren des genetischen Fingerabdrucks haben Polizisten im südenglischen Hampshire einen der bittersten englischen Justizirrtümer und einen dreißig Jahre alten Mordfall aufgeklärt.

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          LONDON, 20. September. Mit Hilfe von Verfahren des genetischen Fingerabdrucks haben Polizisten im südenglischen Hampshire einen der bittersten englischen Justizirrtümer und einen dreißig Jahre alten Mordfall aufgeklärt. Wegen eines ersten Fehlurteils hatte der unschuldige Sean Hodgson 27 Jahre im Gefängnis verbracht. Der eigentliche Täter, der sich vor zwanzig Jahren das Leben nahm, wurde nun erst nach der Exhumierung seiner sterblichen Überreste ermittelt. Die Fahnder teilten das Ergebnis ihrer Nachforschungen mit "tiefem Bedauern" gegenüber dem fälschlicherweise verurteilten Hodgson mit.

          Das Opfer, die Kellnerin Theresa De Simone, war im Jahr 1979 unweit der Gaststätte, in der sie arbeitete, im Kofferraum ihres Wagens ermordet aufgefunden worden. Offenbar handelte es sich um einen Sexualmord; das Opfer war vor seiner Ermordung vergewaltigt worden. Jahrelang fahndete die Polizei vergebens nach dem Täter. Im Jahr 1982 wurden die Ermittler auf Sean Hodgson aufmerksam, nachdem dieser, wegen anderer Taten in Haft, im Gefängnis angegeben hatte, er habe die Kellnerin umgebracht.

          Hodgson wiederrief dieses Geständnis in späteren Vernehmungen und auch während der Hauptverhandlung, die dann folgte; ein Gutachter bescheinigte ihm im Verfahren, ein "pathologischer Lügner" zu sein. Die Jury befand ihn trotzdem des Mordes an Theresa De Simone für schuldig.

          Währenddessen gingen bei der Polizei auch andere Selbstbezichtigungen für die Mordtat ein. Ein weiteres Geständnis, das ein Jahr nach der Verurteilung Hodgsons protokolliert wurde, stammte von dem Streuner und Kleinkriminellen Richard Lace. Er beschrieb den Vernehmungsbeamten detailliert den Ablauf des Mordes, wurde aber, weil er offenkundig einige Details des Autos der Toten nicht mehr beschreiben konnte, mit seiner Aussage nicht ernst genommen.

          Andere vermeintliche Geständige - es gab insgesamt sieben - mussten sich einem Bluttest unterziehen, der mit Blutspuren am Tatort verglichen wurde. Bei Richard Lace unterblieb rätselhafterweise diese Überprüfung, die seinem Geständnis weitere Plausibilität verliehen hätte. Lace verbrachte die folgenden Jahre überwiegend in Haftanstalten und arbeitete als Fischer an der englischen Südküste. Im Jahr 1988 nahm er sich das Leben.

          Der unschuldig verurteilte Hodgson hatte hingegen mit einem ersten Berufungsverfahren keinen Erfolg. Erst die DNA-Testverfahren ließen eine Wiederaufnahme seines Falles aussichtsreich erscheinen. Die Auswertung noch vorhandener Beweisstücke (Kleiderreste mit Spermaspuren) ergab, dass Hodgson nicht der Täter sein konnte; er wurde im März dieses Jahres aus der Haft entlassen.

          Der mittlerweile 57 Jahre alte Mann hat es nach Berichten aus seiner Familie bislang nicht vermocht, in ein freies Leben zurückzufinden; er war nach der Haftentlassung offenbar zeitweilig obdachlos und ist jetzt in einer betreuten Wohnstätte in Nordengland in der Nähe von Verwandten untergebracht. Sein Anwalt teilte mit, er wolle jetzt, da der richtige Täter endlich ermittelt sei - DNA-Spuren der exhumierten sterblichen Überreste von Richard Lace stimmten mit den Tatortspuren eaxkt überein -, zumindest eine hohe Haftentschädigung für seinen Mandanten erstreiten. Johannes Leithäuser

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