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: Industriefett im Futtermittel Aber woher kommt das Dioxin?

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rike. BERLIN, 4. Januar. Der Dioxinfund in Futtermitteln wird womöglich ein politisches Nachspiel haben. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will prüfen, ob ein Unternehmen, das Fette für die Industrie herstellt, auch solche für die Lebensmittelherstellung produzieren darf.

          rike. BERLIN, 4. Januar. Der Dioxinfund in Futtermitteln wird womöglich ein politisches Nachspiel haben. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will prüfen, ob ein Unternehmen, das Fette für die Industrie herstellt, auch solche für die Lebensmittelherstellung produzieren darf. Das sagte ein Sprecher von Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) am Dienstag in Berlin. Man müsse sich mit der Trennung von Warenströmen beschäftigten, fügte er hinzu. Nach der Entdeckung überhöhter Dioxinwerte in Futtermitteln und Eiern waren allein in Niedersachsen mehr als tausend Bauernhöfe gesperrt worden. Sie dürfen weder Eier noch Fleisch verkaufen. Auch in Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen wurden Höfe gesperrt; Futtermittelhersteller in mehreren Bundesländern sind ebenfalls betroffen.

          Bekannt ist bislang, dass der schleswig-holsteinische Futterfetthersteller Harles und Jentzsch Fettsäuren in seine Fette gemischt hat, die nicht für den Nahrungsmittelkreislauf, sondern für die Industrie bestimmt waren. Sie stammen aus einer Biodieselanlage in Niedersachsen. Bei der Produktion von Biodiesel entsteht allerdings kein Dioxin. "Die Kontrolldichte bei den Futtermittelherstellern reicht nicht aus", sagte der nordrhein-westfälische Agrarminister Johannes Remmel (Grüne) dieser Zeitung. Zudem müsse eine Eignungsprüfung für Betriebe eingeführt werden, die Tierfutter produzieren. "Die Kreisläufe von industriellen Fetten und solchen, die für die Lebensmittelproduktion gedacht sind, müssen getrennt werden." Außerdem forderte Remmel eine Haftungs- und Versicherungspflicht für die Hersteller von Futtermitteln. Es könne nicht sein, dass am Ende die Landwirte auf dem Schaden sitzenblieben. Der Bauernverband warnte davor, dass landwirtschaftliche Betriebe durch Vermarktungsverbote in ihrer Existenz bedroht würden. Die Verursacher müssten für den Schaden zahlen.

          Staatsanwaltschaft und Behörden ermittelt derzeit, wie das Dioxin ins Tierfutter gelangt ist, und werten weitere Proben von zahlreichen Höfen aus. Außerdem laufen Rückrufaktionen für belastete Produkte, die in den Handel gelangt sind. Dioxin ist ein langlebiges Gift, das unter anderem krebserregend sein soll. (Siehe Seite 2 und Wirtschaft, Seite 13.)

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