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Im Gespräch: Thilo Sarrazin (SPD), Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank : "Mein SPD-Parteibuch will ich mit ins Grab nehmen"

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ANTWORT: Ich habe niemanden aufs Korn genommen. Ich bin ganz anders vorgegangen. Weil immer pauschalierend und irreführend von "den" Migranten die Rede ist, habe ich die Migranten nach Gruppen aufgeteilt und das verfügbare statistische Material aufbereitet. Bei fast allen zeigte sich, dass Integrationsprobleme auf dem Arbeitsmarkt oder hinsichtlich der Bildungsbeteiligung in der zweiten Generation statistisch kaum noch messbar sind. Das gilt für die Osteuropäer, für Russlanddeutsche, EU-Ausländer, Einwanderer aus Fernost. Nur bei den Migranten aus muslimischen Ländern - und das reicht von Marokko bis Pakistan - ist der Befund ein anderer. Und weil das in allen europäischen Ländern mit größerer Einwanderung zu beobachten ist, weist diese Besonderheit auf die Gruppe selbst und deren Verhalten zurück. Auf dieser Basis habe ich mich mit dem Thema des kulturellen Einflusses der Religion näher befasst. Angesichts der unterschiedlichen Herkunft der Muslime habe ich aber ganz klar gesagt, dass ethnische Gründe für dieses Anderssein nicht in Frage kommen.

FRAGE: Gab es Kritik, die Sie nachdenklich gemacht hat?

ANTWORT: Die Unterstellung, ich hätte irgendwo in diesem Buch behauptet, muslimische Migranten seien aus genetischen Gründen anders, die hat mich schon betroffen gemacht. Es ist eine böswillige Interpretation, die einer, der das Buch mit Verstand liest, dort nicht finden kann. Aber nachdem die Redaktion einer Wochenzeitung zwei Stunden lang vergeblich versucht hat, mich in diese Richtung zu lenken - eine sportliche Leistung von beiden Seiten -, habe ich mir gesagt, ich hätte vielleicht noch stärkere Trennlinien zwischen unterschiedlichen Argumentationssträngen ziehen sollen. Darin sehe ich aber höchstens einen lässlichen didaktischen Mangel.

FRAGE: Die einen sagen, Sie hätten nur Altbekanntes zusammengetragen, die anderen, Sie hätten ein Tabu gebrochen. Wer hat recht?

ANTWORT: Ich bin kein sehr guter Chemiker. Aber ich weiß: Es gibt völlig harmlose Stoffe, die explosiv werden, wenn man sie zusammenbringt. In meinem Buch habe ich zwei eigentlich triviale Befunde zusammengebracht: Das eine ist das klare statistische Herausarbeiten der in der Summe anderen Integrationserfolge muslimischer Migranten, verbunden mit der Vermutung, dies könne in der islamischen Kultur und Religion liegen. Der andere Punkt ist, dass gebildete Frauen in Deutschland seit Jahrzehnten weitaus weniger Kinder bekommen als weniger gebildete. In dieser scharfen Form ist das übrigens nur bei uns so. Ich habe darauf hingewiesen, dass das auf Dauer nicht ohne Folgen bleiben kann. Es ist ja völlig unstreitig, dass Intelligenz zu fünfzig bis achtzig Prozent erblich ist. Nur wenn man beide Elemente miteinander verbindet, wie ich das in meinem Buch getan habe, wirkt das auf einmal explosiv.

FRAGE: Migration verändert nicht nur die aufnehmende, sondern auch die einwandernde Bevölkerung. Bei Ihnen ist das eine Einbahnstraße. Deutschland wird fremd. Sehen Sie das nicht zu statisch?

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