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: Im Einsatz für den BND

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Unbekannt ist Walther Rauff nicht. Das Amtsgericht Hannover stellte im Jahr 1961 einen Haftbefehl gegen ihn aus, da er des Mordes an 97 000 Juden beschuldigt wurde. Die chilenische Regierung verweigerte jedoch seine Auslieferung mit der Begründung, die Taten seien verjährt.

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          Unbekannt ist Walther Rauff nicht. Das Amtsgericht Hannover stellte im Jahr 1961 einen Haftbefehl gegen ihn aus, da er des Mordes an 97 000 Juden beschuldigt wurde. Die chilenische Regierung verweigerte jedoch seine Auslieferung mit der Begründung, die Taten seien verjährt. So konnte Rauff seinen Lebensabend relativ ungestört in Südamerika verbringen. Simon Wiesenthal und Beate und Serge Klarsfeld wollten ihn allerdings doch noch vor Gericht bringen. Und Medien berichteten immer mal wieder über Rauffs Verbrechen - meist im Zusammenhang mit Klaus Barbie alias Klaus Altmann, der als "Schlächter von Lyon" bekannt war. Barbie wurde schließlich 1983 von Bolivien nach Frankreich ausgeliefert und später verurteilt. Die Bemühungen um eine Auslieferung des Agenten kamen dadurch wieder in Schwung. Israelische Politiker, das Europäische Parlament und die Regierungschefs der Westmächte - Margaret Thatcher, François Mitterrand und Ronald Reagan - nahmen sich der Sache an. Die Regierung Kohl versuchte es mit einem Begehren um Abschiebung im Chile Pinochets. Der Tod Rauffs im Mai 1984 machte alle Bemühungen um eine Strafverfolgung eines Massenmörders zunichte.

          Seit langem war bekannt, dass Rauff für den Bundesnachrichtendienst gearbeitet hatte. Jetzt, nach der Freigabe der entsprechenden Akten, lässt sich seine Tätigkeit erstmals genauer nachzeichnen: Walther Rauff war von 1958 an in Chile im Einsatz.

          1906 war Rauff in Köthen geboren worden. 1924 trat er in die Reichsmarine ein und brachte es bis zum Kapitänleutnant und Schiffskommandanten. Ende 1937 nahm er seinen Abschied. Von Ehescheidung war die Rede und von Schulden, die sein neuer Arbeitgeber, die SS, übernahm. Reinhard Heydrich förderte ihn; der zwei Jahre ältere Chef des Sicherheitsdienstes (SD) war ebenfalls Marineoffizier gewesen und wegen einer "Frauengeschichte" ausgeschieden.

          Mit Heydrich unterhielt Rauff fortan eine freundschaftliche Beziehung, soll sogar eine Zeitlang dessen Adjutant gewesen sein. Im SD-Hauptamt, seit September 1939 Reichssicherheitshauptamt (RSHA), nahm Rauff an Besprechungen über die Besetzung Polens teil. Dort wurden Einsatzgruppen erstmals als Todesschwadrone eingesetzt. Nach einem Zwischenspiel bei der Kriegsmarine - 1940 war er als Korvettenkapitän Chef einer Minensuchflottille an der Kanalküste - kehrte Rauff als Leiter der für technische Aufgaben zuständigen Abteilung II D ins RSHA zurück. Später gehörte er zur Auslandsabteilung VIF.

          Die Abteilung II D war zuständig für das Transportwesen, so auch für den Umbau von Lastkraftwagen zu sogenannten Gaswagen. In deren Aufbau leitete man Auspuffgase ein, bis der Tod der dort eingepferchten Menschen eintrat. Dieses Verfahren war zuvor für die "Euthanasie" entwickelt worden. Seit Herbst 1941 sorgte Rauff dafür, dass entsprechende Fahrzeuge für die mobilen Einsatzgruppen im Ostkrieg hergestellt und ihnen auch zugeteilt wurden. Ihn erreichten die entsprechenden "Erfolgsmeldungen" von der Front. Morde wurden verübt zunächst im Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno, dann vor allem in der Sowjetunion, aber auch im Konzentrationslager Semlin in Jugoslawien. Die Anklage wegen des Mordes an 97 000 Personen fasste den Mord in drei der Gaswagen zusammen; insgesamt war eine Vielzahl der Fahrzeuge im Einsatz - die Zahl der Opfer also beträchtlich höher.

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