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: Große Kursverluste nach Lehman-Konkurs

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nks./hpa. NEW YORK/FRANKFURT, 15. September. Die abermalige Verschärfung der Krise an der Wall Street hat weltweit große Kursverluste an den Börsen verursacht. Die 158 Jahre alte New Yorker Investmentbank Lehman Brothers musste am ...

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          nks./hpa. NEW YORK/FRANKFURT, 15. September. Die abermalige Verschärfung der Krise an der Wall Street hat weltweit große Kursverluste an den Börsen verursacht. Die 158 Jahre alte New Yorker Investmentbank Lehman Brothers musste am Montag Gläubigerschutz beantragen, nachdem am Wochenende Verhandlungen zwischen Spitzenmanagern von Wall-Street-Banken und der amerikanischen Regierung zur Rettung des Wertpapierhauses gescheitert waren.

          Zugleich übernahm das zweitgrößte amerikanische Kreditinstitut Bank of America die Investmentbank Merrill Lynch für einen Preis von 50 Milliarden Dollar. Merrill Lynch galt nach dem Zusammenbruch von Lehman als der nächste Problemfall an der Wall Street. Am deutschen Aktienmarkt gab der Leitindex Dax am Montag um 2,7 Prozent nach und war am Nachmittag sogar unter die Marke von 6000 Punkten (minus vier Prozent) gerutscht. In New York verlor der Dow Jones Index mehr als vier Prozent. Er brach in den letzten Handelsminuten noch einmal deutlich ein. In Asien waren die wichtigen Handelsplätze in Tokio und Seoul wegen eines Feiertags geschlossen, andere Börsen in Fernost verbuchten Verluste von teilweise mehr als vier Prozent.

          Von den einst fünf größten Investmenthäusern an der Wall Street bleiben damit nur noch Goldman Sachs und Morgan Stanley als unabhängige Institute übrig. Die anderen Marktteilnehmer Lehman Brothers, Bear Stearns und Merrill Lynch waren stark im Geschäft mit verbrieften, oft zweitklassigen Hypotheken engagiert. Diese mit Immobiliendarlehen hinterlegten komplexen Wertpapiere stehen angesichts steigender Zahlungsausfälle von Hypothekenschuldnern in den Vereinigten Staaten im Zentrum der aktuellen Finanz- und Kreditmarktkrise.

          Auch der weltgrößte Versicherer American International (AIG) ist durch das Debakel am Hypothekenmarkt ins Wanken geraten. Der Aktienkurs des Konzerns war in der vergangenen Woche eingebrochen, weil das Unternehmen in großem Stil komplexe Anleihen gegen Ausfallrisiken versichert hatte. Am Montag wollte AIG Rettungsmaßnahmen ankündigen, nachdem man sich zuvor vergeblich um eine Finanzhilfe der amerikanischen Notenbank bemüht hatte. Der Konzern will wertvolle Unternehmensteile verkaufen und weiteres Kapital aufnehmen. Der Zusammenbruch von Lehman hatte sich abgezeichnet, nachdem zuvor Verhandlungen mit der drittgrößten britischen Bank Barclays über eine Übernahme gescheitert waren. Der amerikanische Finanzminister Henry Paulson hatte es bei diesen Verhandlungen abgelehnt, abermals Steuergelder zu verwenden, um eine große Investmentbank zu retten. Im März hatte die amerikanische Notenbank Fed beim Notverkauf der Investmentbank Bear Stearns dem Übernehmer J. P. Morgan Chase noch einen Kredit von 29 Milliarden Dollar gewährt. Zudem hatte die Regierung bei der jüngsten Verstaatlichung der großen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac die Garantien für die Anleihen der Gesellschaften übernommen.

          Die amerikanische Notenbank und ein internationales Bankenkonsortium haben jedoch andere Maßnahmen zur Unterstützung der Märkte angekündigt. Die Fed weitete unter anderem die Sicherheiten aus, die sie von den Banken für Notfalldarlehen akzeptieren will. Zehn große Banken, darunter die Deutsche Bank, kündigten an, einen Kreditpool von 70 Milliarden Dollar zu bilden, um sich bei drohenden Liquiditätsengpässen gegenseitig helfen zu können. Dieser Fonds könne durch den Beitritt weiterer Institute noch anwachsen, hieß es.

          Die deutsche Finanzbranche ist nach Angaben des Bundesfinanzministeriums von der Lehman-Krise bisher nur am Rande betroffen. Die Engagements deutscher Kreditinstitute bei Lehman hielten sich in einem überschaubaren Rahmen und seien verkraftbar, teilte das Ministerium zusammen mit der Bundesbank und der Aufsichtsbehörde Bafin mit. Die Bafin verhängte jedoch gegen die deutsche Tochtergesellschaft Lehman Brothers Bankhaus AG ein Moratorium und erließ ein Zahlungs- und Veräußerungsverbot. Die Bank mit Sitz in Frankfurt darf Geschäfte damit nur noch in Absprache mit der Aufsicht machen. Marktteilnehmer werteten dies als sinnvollen Schritt zur Beruhigung der Lage. Die Bafin wies darauf hin, dass die Einlagen der Bank per Gesetz sowie durch die Mitgliedschaft im Einlagensicherungsfonds der Banken bis zu einer Höhe von etwa 309 Millionen Euro je Kunde gesichert seien. (Siehe Wirtschaft, Seiten 11, 13, 14, 15, Finanzmarkt, Seite 21, sowie Rhein-Main-Zeitung.)

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