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: Friedliche Nachbarschaft oder ein neuer Krieg?

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JOHANNESBURG, 2. Januar. Im Süden Sudans gibt es neuerdings zwei Zeitrechnungen: eine, die bis zum 9. Januar reicht, und eine andere, die mit dem 9. Januar beginnt. Damit das auch jeder weiß, zählt im Stadtzentrum der südsudanesischen ...

          JOHANNESBURG, 2. Januar. Im Süden Sudans gibt es neuerdings zwei Zeitrechnungen: eine, die bis zum 9. Januar reicht, und eine andere, die mit dem 9. Januar beginnt. Damit das auch jeder weiß, zählt im Stadtzentrum der südsudanesischen Hauptstadt Juba eine überdimensionierte Uhr Tage und Stunden bis zum 9. Januar; dem Tag, an dem vier Millionen Wähler im Süden per Referendum für oder gegen eine Unabhängigkeit vom Norden Sudans abstimmen werden. Südsudan wird nach der Volksbefragung aller Wahrscheinlichkeit nach die jüngste Nation Afrikas werden. Nach mehr als 20 Jahren Krieg mit dem muslimischen Norden, bei dem zwei Millionen Menschen ihr Leben verloren haben, ist die Frage nach einem Verbleib des Südens beim Regime in Khartum bestenfalls eine rhetorische.

          Dabei war dieses Referendum, das im Friedensvertrag von 2005 festgeschrieben worden war, vermutlich nur als Druckmittel gemeint, um den Norden zu Konzessionen zu bewegen. Damals hieß der Anführer der Südsudanesen John Garang, und sein Traum war nicht ein unabhängiger Süden, sondern ein laizistisches und demokratisches Sudan. Garang, der kurz nach seiner Vereidigung zum stellvertretenden Präsidenten Sudans bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam, hatte zudem genug politisches Gewicht, um selbst im Norden als ernstzunehmender Präsidentschaftskandidat anzutreten. Seinem Nachfolger als Parteichef des "Sudan People's Liberation Movement" (SPLM), Salva Kiir, fehlt hingegen sowohl die Popularität eines Garang als auch dessen visionäre Kraft. Kiirs politisches Programm erschöpft sich in der Unabhängigkeit vom Norden und der Aussicht, Präsident des neuen Staates zu werden - eines Landes mit viel Öl, aber ohne Infrastruktur; einer Nation, die von ethnischen Rivalitäten zerrissen ist, über eine hochgerüstete Armee verfügt, aber kaum über qualifizierte Verwaltungsbeamte.

          Abgesehen von der künftigen Lebensfähigkeit des neuen Staates, stellt sich zunehmend die Frage, wie der Norden auf eine Sezession des Südens reagieren wird. Die Szenarien reichen von friedlicher Nachbarschaft bis hin zu einem neuen Krieg. Zwar hatte der sudanesische Präsident Omar al Baschir anlässlich der Wahlen in Sudan im April dieses Jahres ein ums andere Mal bekräftigt, er werde den Ausgang des Referendums im Süden in jedem Fall respektieren und er wünsche sich "gutnachbarliche Beziehungen". Gleichzeitig aber konnten sich Norden und Süden bis heute nicht auf einen endgültigen Verlauf der künftigen gemeinsamen Grenze einigen. Über 80 Prozent der 1200 Kilometer langen Grenze herrscht zwar Einvernehmen. Umstritten aber sind die Heglig-Ölfelder in der Region Abyei, die von beiden Seiten beansprucht werden. Es hat Luftangriffe der nordsudanesischen Armee auf Posten der südsudanesischen Armee in dieser Region gegeben, die von den Vereinten Nationen bestätigt wurden.

          In Abyei soll ebenfalls per Referendum über einen Verbleib beim Norden beziehungsweise eine Trennung abgestimmt werden. Wann dieses Referendum aber stattfinden soll, weiß keiner so genau. Aus Juba heißt es, man sei in der Grenzfrage in Abyei notfalls auch mit dem Urteil einer internationalen Schiedskommission einverstanden. Dabei hatten beide Seiten vor zwei Jahren schon einmal das Internationale Schiedsgericht in Den Haag angerufen. Khartum hatte dessen Urteil indes nie anerkannt.

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