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Fliegen in Afrika : Aleksandr, der Bruchpilot

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Dabei wäre es interessant gewesen zu erfahren, warum beispielsweise die Rollbahn des Flughafens von Goma trotz der sprudelnden Einnahmen aus den Start- und Landegebühren immer noch nicht geräumt ist. Von ihrer ursprünglichen Länge von 3000 Metern sind der Landebahn nämlich nur noch 2000 Meter geblieben, nachdem sich vor acht Jahren beim Ausbruch des Vulkans Nyiragongo ein Lavastrom über das Flugfeld ergoss. Sechs Meter hoch ist die Steinwand. Trotzdem wird Goma von Düsenflugzeugen angeflogen. Die setzen auf den ersten fünf Metern der Piste auf und bremsen anschließend mit allem, was sie haben. Unter den Jetpiloten auf der Goma-Route gibt es deshalb zwei Kategorien: die, die mindestens einmal gegen die Wand gerutscht sind, und die, die noch jedes Mal rechtzeitig zum Stehen gekommen sind. Die Letzteren sind in der Minderheit. Ein russischer Pilot, der mit seiner viermotorigen Antonow zum ersten Mal in Goma landete und nichts von der Lavawand wusste, bezahlte sein Unwissen mit dem Leben. Das Wrack wurde schnell zur Seite geräumt. Goma ist nämlich der hektischste Flughafen Kongos: Über ihn kommen Koltan und Kasserit aus Walikale.

Mit einem leichten Hüpfer setzt Aleksandrs Let auf der Piste von Goma auf. Er ist spät dran. Die Kollision mit der Baumkrone hatte seine Sprechfunkantenne zerstört, also ist er zehn Minuten über Goma gekreist, um sicherzustellen, dass er beim Landeanflug keinem Passagierjet in die Quere kommt. Auf dem Parkplatz wartet bereits der Lastwagen, der das Kasserit zur Weiterverarbeitung über die nahe Grenze nach Ruanda bringen wird. "Nicht die schon wieder!", stöhnt der Ukrainer, als er den Rest des Empfangskomitees erspäht: eine Gruppe kongolesischer Soldaten, die im Schatten des Lastwagens lungert. Seit sich die Armee in der Gegend von Walikale mit dem Rebellen Laurent Nkunda, den Milizen der Interahamwe, den anderen Milizen der Maji-Maji und gelegentlich auch mit den eigenen Kameraden prügelt, sind die Frachtflieger als Munitions- und Truppentransporter heiß begehrt. Die Armee kann zwar nicht zahlen, liefert dafür aber den Treibstoff. Widerspruch ist zwecklos.

Mit grimmiger Mine verfolgt Aleksandr das Einladen von Munitionskisten, Panzerfäusten und Mörsergranaten. Was wiegt das Zeug? "Vergiss es!", zischt der Pilot. Er wird versuchen, den Einnahmeverlust durch mehr Ladung auf dem Rückweg wettzumachen. Wie viel Ladung mehr? "Na ja, so 800 Kilo, das müsste gehen." Dann wäre die Let mit mehr als zwei Tonnen beladen, 25 Prozent über dem Limit. Aleksandr nickt schicksalsergeben und schnippt die Zigarette weg. "Noch einen Monat, dann haue ich ab", sagt er. Warum? "Irgendwann, das weiß ich ganz genau, komme ich sonst aus Walikale nicht mehr zurück."

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