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Fliegen in Afrika : Aleksandr, der Bruchpilot

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Valeria hat sie alle gekannt, die ehemaligen Fliegerkameraden, die völlig überladen in Bunia in die Bäume krachten und sich dabei das Genick brachen, die über Kasaï mit leeren Tanks abstürzten, weil sie beim Sprit geknausert hatten, und die Crew, die in Kisangani starb, weil sie bei einem nächtlichen Gewitter auf einer Piste landen wollte, die nicht beleuchtet war. Er verurteilt sie nicht. "Ich war genau wie die: Ein bisschen mehr geht immer", erzählt Valeria. Der Grund für diese Risikobereitschaft ist einfach: Seine beiden Söhne daheim studieren noch, und die Rente als ehemaliger Offizier reicht nicht einmal aus, die Miete für die kleine Wohnung in Moskau zu zahlen. "Man kann es sich nicht immer aussuchen", sagt er verlegen. Valeria hatte Glück: Glück, zu überleben, und Glück, eine Stelle bei einer der ganz wenigen Fluggesellschaften in Kongo zu finden, die an regelmäßige Wartung und maximales Ladegewicht glauben, an Treibstoffreserve und Ruhezeiten für die Piloten. Deshalb ist die Firma, die namentlich nicht genannt werden will, auch so gut wie pleite.

„Der letzte Unfall, den ich diesen Geiern gemeldet habe“

Das Problem seien weder die 400 osteuropäischen Piloten in Kongo noch die rund 250 Flugzeuge sowjetischer Bauart, die den Himmel Zentralafrikas bevölkern. Das eigentliche Problem seien die kongolesische Flugaufsicht und die Betreiber der Fluggesellschaften, sagt ein amerikanischer Pilot, der wie so viele Befragte aus Angst vor Repressalien seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will. Seit 1994 fliegt der Amerikaner mit kleinen Cessnas durch Kongo. Dafür muss er seinen Pilotenschein alle sechs Monate von der Flugaufsichtsbehörde erneuern lassen. Vorgeschrieben ist unter anderem eine ärztliche Untersuchung. "Ich habe noch nie einen Arzt gesehen", erzählt er. "Die Behörde will Geld, das kriegt sie, und das war es."

Eines seiner Flugzeuge, eine einmotorige Cessna Caravan, war unlängst in Moçambique von der Piste abgekommen, wobei das Bugrad beschädigt wurde. Da die Maschine in Kongo registriert ist, hatte der Amerikaner den Unfall vorschriftsmäßig der kongolesischen Flugaufsichtsbehörde gemeldet, während das Flugzeug in Moçambique repariert wurde. Die Kongolesen verlangten daraufhin 15 000 Dollar als "Reisespesen" für ihre Inspektoren, um die Cessna im fernen Beira zu begutachten. Als der Amerikaner sich weigerte, stieg die Rechnung auf 30 000 Dollar. "Das war der letzte Unfall, den ich diesen Geiern gemeldet habe", sagt er. "Die staatlichen Kontrolleure erhalten kein Gehalt, fahren aber im Mercedes vor. Den Rest kannst du dir denken."

Die Armee kann nicht zahlen, liefert aber den Treibstoff

Besuch bei der zivilen Luftaufsichtsbehörde in Kinshasa: eine Sekretärin, die auf dem Schreibtisch schläft, ein leerer Aktenschrank, kein Telefon. Der Chef? "Der ist nicht da." Wann er wiederkomme? "Keine Ahnung." Wer sonst Auskunft geben könne? "Niemand." Ob sie eine Statistik über die Flugunfälle in Kongo habe? "Eine was?" Die Dame ruft nach dem Sicherheitsdienst.

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