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Fliegen in Afrika : Aleksandr, der Bruchpilot

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Wie ein Stein vom Himmel

Der letzte große Absturz in Kinshasa war ein Paradebeispiel für den kriminellen Umgang mit den Sicherheitsbestimmungen. Vierzig Personen starben im Oktober vergangenen Jahres, als eine zweimotorige Antonow 26 kurz nach dem Start in einen Markt stürzte. Dabei zählte die Maschine der Gesellschaft "Africa One" zu den besten des Landes, weil sie noch relativ jung und gut gewartet war. Sie hatte allerdings vor dem fatalen Unfall ein Propellerblatt durch Steinschlag eingebüßt, das in Kinshasa ausgetauscht worden war. Die drei anderen Blätter zu wechseln hatte man vergessen. Prompt machte sich der aus dem Gleichgewicht geratene Propeller beim nächsten Start selbständig, was unter normalen Umständen zwar kritisch ist, aber längst nicht fatal enden muss. Schließlich kann die Antonow wie jedes andere Flugzeug mit nur einem Motor starten - vorausgesetzt, die Maschine ist nicht überladen. Das Flugzeug von "Africa One" hingegen hatte sieben Tonnen Fracht zu viel an Bord. Es fiel wie ein Stein vom Himmel.

Oder das Beispiel der Antonow 32, die 1996 mehr als 350 Menschen in den Tod riss, als sie ebenfalls in einen Markt in Kinshasa stürzte. Das Flugzeug war zu 30 Prozent überladen und gehörte einer Firma des früheren Rebellenführers Jean-Pierre Bemba. Als der Pilot sich weigerte, mit derart viel Gewicht zu starten, wurde er noch auf dem Rollfeld gefeuert und eine ahnungslose neue Crew verpflichtet. Die überlebenden Piloten wurden anschließend wegen Fliegen ohne Lizenz angeklagt und verurteilt. Die kriminelle Überladung aber wurde unterschlagen. "Hier gibt es schon deshalb keine dauerhafte Lösung, weil die wahren Gründe immer unter den Teppich gekehrt werden", sagt Basile Malamas.

Die russische Ausgabe von „Top Gun“

Das Überladen von Flugzeugen hat eine lange Tradition in Afrika. Den Anfang machten sowjetische Piloten, die in den siebziger und achtziger Jahren im kommunistischen Bruderland Angola eingesetzt waren. Sie erhielten so gut wie kein Gehalt, und die wenigen Rubel, die sie verdienten, wollte keiner haben. Also besserten die Besatzungen ihr Salär mit eigener Fracht auf. Hier eine Tonne Ladung mehr, dort ein bisschen weniger Kerosin, um mehr Fracht mitnehmen zu können. Die schier unverwüstlichen Antonows machten alles mit. Als mit dem Niedergang der Sowjetunion Kongo mit billigen Flugzeugen versorgt wurde, gingen die neuen Besitzer wie selbstverständlich davon aus, dem Beispiel der überladenen Antonows aus Angola folgen zu können. Die Crews hatten keine Wahl.

"Sehe ich aus wie ein Selbstmörder?", fragt Valeria. Valeria ist 50 Jahre alt, gebürtiger Russe und ehemaliger Major erster Klasse der ruhmreichen sowjetischen Luftwaffe. Er hat das legendäre Kampfflugzeug MiG-21 geflogen, dann die MiG-25, und zum Schluss war er Ausbilder auf dem von der Nato bis heute gefürchteten Luftüberlegenheitsjäger MiG-29. Man kann sagen, dass Valeria die russische Ausgabe von "Top Gun" war. Nur dass er besser aussieht als Tom Cruise.

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