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: Ehrlichkeit unerwünscht

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TEL AVIV, 8. Juli. "Willkommen in Palästina" lautet das Motto der "Woche der Friedensarbeit und Freundschaft", zu der gut ein Dutzend palästinensische Gruppen eingeladen hatten. Mehr als 600 Europäer wollten kommen, doch gut die ...

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          TEL AVIV, 8. Juli. "Willkommen in Palästina" lautet das Motto der "Woche der Friedensarbeit und Freundschaft", zu der gut ein Dutzend palästinensische Gruppen eingeladen hatten. Mehr als 600 Europäer wollten kommen, doch gut die Hälfte von ihnen schaffte es nicht einmal in den Nahen Osten: Sie durften in Frankreich, in der Schweiz und in Deutschland nicht ihre Flugzeuge besteigen.

          Alle Wege in das von der palästinensischen Autonomiebehörde regierte Westjordanland führen über israelische Grenzübergänge. Doch die bevorstehende Ankunft der Palästinafreunde versetzte israelische Politiker und Polizisten in Ausnahmezustand: Krawallmacher könnten versuchen, den Ben-Gurion-Flughafen lahmzulegen oder sich dort selbst zu verbrennen, warnten Sicherheitsleute. Mehr als 700 Polizisten und Geheimdienstmitarbeiter standen seit Donnerstag am Flughafen bereit, um die Aktivisten abzufangen, die nach eigenen Angaben nur vorhatten, bei ihrer Ankunft die Wahrheit zu sagen. Anders als die meisten Palästina-Reisenden wollten sie gegenüber der Grenzpolizei nicht behaupten, dass sie einen Israel-Besuch planten. Sollten sie deshalb zu Hunderten abgewiesen werden, wollten sie die Welt das wissen lassen - nicht einmal Besuch von Freunden dürften die Menschen im Westjordanland empfangen. Auch am Freitag berichteten Passagiere, Grenzpolizisten hätten ihnen bei der Einreise das Versprechen abgenommen, nicht in die Palästinensergebiete zu fahren.

          Statt am Tel Aviver Flughafen kam es dann in Paris und Genf zu Protesten. Die israelische Polizei hatte 341 Passagieren die Einreise nach Israel verboten, weil sie dort Ruhe und Ordnung stören könnten. Sie forderten Fluggesellschaften auf, diese Fluggäste nicht mitzunehmen. Andernfalls müssten sie mit Verspätungen rechnen und die abgewiesenen Passagiere auf eigene Kosten sofort zurückfliegen. "Niemals zuvor sind wir aufgefordert worden, so viele Passagiere abzuweisen", sagt empört der Vertreter einer europäischen Fluggesellschaft in Tel Aviv. Air France, Alitalia, Swiss, Malev und die Lufthansa waren betroffen. Laut israelischen Presseberichten nahm die deutsche Fluggesellschaft etwa 50 Passagiere nicht nach Tel Aviv mit. "Lufthansa ist verpflichtet, den Einreisegesetzen und behördlichen Anordnungen der Zielstaaten Folge zu leisten", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Organisatoren der Besuchswoche, die in Israel in Anspielung auf die Gaza-Flotille auch "Flightille" (Flug-Flotte) genannt wird, warfen den Fluggesellschaften vor, sie seien "Handlanger" der israelischen Polizei.

          Der israelische Tourismusminister Stas Miseznikov fürchtet nun offenbar, dass die Polizeiaktion am Ende Touristen abschrecken könnte. Er ordnete an, friedliebende Reisende mit Blumen zu begrüßen. Bis Freitagabend schickte die Polizei etwa 25 Passagiere zurück und vernahm sechs israelische Aktivisten, die am Flughafen pro-palästinensische Slogans gerufen hatten.

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