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: Die Frauenquote und das Gemeinwohl

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Zu "Regierung will mit Vorständen über Frauenquote reden" (F.A.Z. vom 1. Februar): Kein vernünftiger Mensch wird abstreiten, dass Unternehmen in Deutschland es sich nicht mehr lange werden leisten können, bei der Besetzung ihrer ...

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          Zu "Regierung will mit Vorständen über Frauenquote reden" (F.A.Z. vom 1. Februar): Kein vernünftiger Mensch wird abstreiten, dass Unternehmen in Deutschland es sich nicht mehr lange werden leisten können, bei der Besetzung ihrer entscheidenden Positionen die Hälfte unserer Leistungsträger - Frauen - zu ignorieren. Es ist zu offensichtlich, dass dieser Verzicht die Wettbewerbsfähigkeit gefährdet.

          Was aber steckt hinter den Plänen, Unternehmseigentümer in ihrer Freiheit einzuschränken, die Unternehmensleiter und deren Aufseher frei zu wählen? Das Gemeinwohl hängt wohl kaum davon ab, ob es in Deutschland ein paar hundert Frauen mehr gelingt, zu Topverdienern aufzusteigen. Zumindest wäre es schlimm, wenn die Fürsorge unserer Politiker an diese auch vor dem Sprung an die Spitze nicht bedürftigen Managerinnen verschwendet würde. Also der Abstrahleffekt für Millionen von talentierten jungen Frauen, die sich ohne das Vorbild vieler weiblicher Dax-Vorstände gegen eine qualifizierte Berufsausbildung entscheiden würden?

          Absurd! Wir haben keinen Mangel an bildungs- und arbeitswilligen Frauen. Sehr wohl jedoch haben wir immer noch einen Mangel an Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dazu kann es angesichts der Geburtenrate und der daraus resultierenden demographischen Entwicklung keine zwei Meinungen geben. Womit wir bei einem von vielen Themen wären, bei denen unsere Politiker originär gefordert sind. Hierbei kann es durchaus, als Bestandteil eines breiteren Maßnahmenkatalogs, notwendig sein, Zwangsmaßnahmen zu ergreifen, von denen auch Unternehmen betroffen sind. Denn es besteht die Gefahr, dass ob der betriebswirtschaftlichen Sicht des Unternehmens das Interesse unserer Gesellschaft an genügend Zukunftssicherung zu wenig Beachtung findet.

          Eine solche Gefahr besteht nicht, wenn Unternehmenseigentümer diejenigen auswählen, denen sie ihr Unternehmen anvertrauen. Die Forderung, die Freiheit der Eigentümer an dieser Stelle in geradezu planwirtschaftlicher Weise einzuschränken, verstößt nicht nur ohne Not gegen einen Pfeiler unserer marktwirtschaftlichen Grundordnung, sie ist auch ein arroganter Versuch, durch wohlfeil klingende Forderungen von der eigenen Unfähigkeit, die zugewiesenen Aufgaben zu lösen, abzulenken.

          Man kann Fehler von Unternehmenseigentümern natürlich nicht ausschließen. Jedoch den Eigentümern zu unterstellen, sie würden bei der Auswahl des Topmanagements bewusst eine schlechtere Unternehmensentwicklung in Kauf nehmen, um Frauen außen vor zu lassen, ist lächerlich. Die finanziellen Interessen der Eigentümer sorgen für die notwendige Ernsthaftigkeit bei der Auswahl des Topmanagements.

          Christian Reisenberg, Heusenstamm

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