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: Dialektik der Aufklärung

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BERLIN, 11. April. Die Universität Bayreuth versucht ihren Ruf zu retten. Sie hat sich entschlossen gezeigt, zumindest das Ergebnis des Kommissionsberichts zur "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" zu veröffentlichen.

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          BERLIN, 11. April. Die Universität Bayreuth versucht ihren Ruf zu retten. Sie hat sich entschlossen gezeigt, zumindest das Ergebnis des Kommissionsberichts zur "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" zu veröffentlichen. Dagegen wendet sich, über seine Anwälte, der frühere Verteidigungsministers zu Guttenberg (CSU). Die Anwälte werfen der Universität eine Vorverurteilung ihres Mandanten und eine Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte vor. Auf dieses Problem hat schon zu Beginn der Plagiatsaffäre der Münchner Arbeitsrechtler Volker Rieble hingewiesen. Er hatte den raschen Entzug des Doktortitels aufgrund eines Verwaltungsverfahrens für rechtlich einwandfrei erklärt und zugleich festgestellt, dass es nicht zulässig sei, "überschießende Schuldfeststellungen zu treffen und auf diese Weise ohne Sachgrund in Persönlichkeitsrechte des plagiierenden Doktoranden" einzugreifen.

          Die sogenannte Kommission zur "Selbstkontrolle in der Wissenschaft", die wissenschaftliches Fehlverhalten überprüft, hat das Recht, gegenüber Studenten, Promotionsstudenten, Hochschullehrern und Mitarbeitern zu handeln, solange sie immatrikuliert sind oder an Lehrstühlen arbeiten. Der vollständig externe ehemalige Doktorand Guttenberg ist aber nicht Mitglied der Universität und deshalb auch nicht ihrer korporativen Gewalt ausgesetzt. Bayreuth fehlt also, so meint zumindest Rieble, die rechtliche Grundlage für Beanstandungen gegenüber Nichtmitgliedern und Nicht-mehr-Mitgliedern wie Guttenberg. Es wäre mithin kaum verwunderlich, wenn Guttenbergs Anwälte in den kommenden Tagen eine einstweilige Verfügung gegen die Universität Bayreuth erwirkten, die deren Bestreben, die Ergebnisse des Berichts zu veröffentlichen, ein Ende setzte.

          Nach den Recherchen des Gemeinschaftsprojekts der Internetnutzer, "Guttenplag", finden sich auf mehr als 94 Prozent der Seiten in Guttenbergs Dissertation kopierte oder abgeschriebene Fragmente, fast 64 Prozent der Arbeit, also nahezu zwei Drittel des gesamten Textes, bestehen demnach aus Plagiaten. Angesichts dieses Befundes noch von einem Versehen zu sprechen - wie Guttenbergs Anwälte das tun - wirft nach wie vor Fragen auf. Die Universität Bayreuth wiederum versucht mit ihrem Vorpreschen sich des Vorwurfs zu erwehren, dass sie willfährig die Version übernehme, die ihr ehemaliger Doktorand über das Zustandekommen seiner Arbeit öffentlichkeitswirksam lancierte. Dieser Eindruck war in Teilen der Öffentlichkeit entstanden, weil der Entzug des Doktortitels unmittelbar auf Guttenbergs Bitte folgte, ihn zurückzunehmen. Insbesondere in der Wissenschaft sähen viele gerne offiziell festgestellt, dass der ehemalige Doktorand Guttenberg ein vorsätzlicher Täuscher, gar ein Wissenschaftsbetrüger sei. Der Druck der Wissenschaftsorganisationen auf Bayreuth ist deshalb groß. Viele Fakultäten, die unbedingt auf Drittmittel angewiesen sind, fürchten, durch die Plagiatsaffäre geradezu in Kollektivhaftung genommen zu werden.

          Die Universität Bayreuth will größtmögliche Transparenz bei der Aufklärung walten lassen. Sie hat auch das Recht, Guttenberg an seine beiden Erklärungen vom 18. Februar und 1. März dieses Jahres zu erinnern, dass es sein "aufrichtiges Anliegen" sei, an der Aufklärung mitzuwirken. Auch die Bundeskanzlerin hat das am Montag über Regierungssprecher Seibert getan. Dass es ein kluger Schachzug der Universität war, vor der offiziellen Fertigstellung des Berichts an die Öffentlichkeit zu gehen, wird freilich vielfach bezweifelt.

          Aufschlussreich bleibt, inwiefern die Kommission die Mitverantwortung von Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle bedenkt, der schließlich der Universität Bayreuth angehört. Die Dienstaufsicht im beamtenrechtlichen Sinne besitzt sie zwar nicht, aber sie könnte die offenkundigen Versäumnisse benennen. Wissenschaftsrechtler rechnen allerdings damit, dass es dazu kaum kommen dürfte. In den meisten Fällen werden die beteiligten Professoren aus naheliegenden Gründen geschont.

          Unklar ist auch noch, ob die Universität ihren internen Bericht für den Präsidenten an die Staatsanwaltschaft Hof, die wegen Verletzung des Urheberrechts in mehreren Fällen ermittelt, herausgeben darf. Auch dagegen könnten Guttenbergs Anwälte einschreiten. Wenn die Staatsanwaltschaft mit der Beschlagnahme drohen würde, könnte die Universität den Bericht an sie herausgeben und gleichzeitig Widerspruch dagegen anmelden. Doch das strafrechtliche Verfahren wird aller Voraussicht nach ohnehin ergebnislos verlaufen, weil von Seiten der plagiierten Autoren oder Zeitungen niemand gegen Guttenberg geklagt hat.

          "Angesichts massiver Vorwürfe bezüglich meiner Glaubwürdigkeit ist es mir auch ein aufrichtiges Anliegen, mich an der Klärung der Fragen hinsichtlich meiner Dissertation zu beteiligen." Karl-Theodor zu Guttenberg in seiner Rücktrittserklärung vom 1. März 2011

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