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: Diakonie verliert weiteres Vorstandsmitglied

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bin. FRANKFURT, 15. November. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese beendet ihre Tätigkeit als Vorstand im Diakonischen Werk. Frau Griese habe um Auflösung ihres Vertrages zum Jahresende gebeten, teilte die Diakonie am Montag in Berlin mit.

          bin. FRANKFURT, 15. November. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese beendet ihre Tätigkeit als Vorstand im Diakonischen Werk. Frau Griese habe um Auflösung ihres Vertrages zum Jahresende gebeten, teilte die Diakonie am Montag in Berlin mit. Über ihren Nachfolger sei noch nicht entschieden. Die Diakonie lobte Frau Griese als "engagierte Führungskraft, die viel dazu beigetragen hat, die Diakonie in der sozialpolitischen Debatte zu stärken".

          Die Sozialpolitikerin hatte bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr ihr Bundestagsmandat verloren und wechselte daraufhin im November 2009 zur Diakonie als für den Bereich Sozialpolitik zuständiges Vorstandsmitglied. Im Juli gelangte Frau Griese als Nachrückerin abermals in den Bundestag und ist seitdem sowohl Diakonievorstand als auch Abgeordnete. Sie erkannte darin lange Zeit keinen Interessenkonflikt, das Aufsichtsgremium der Diakonie äußerte allerdings die Erwartung, Frau Griese solle sich zwischen Bundestagsmandat und ihrer Vorstandsaufgabe entscheiden.

          Durch den Rückzug hat die Diakonie binnen kurzem zwei ihrer vier Vorstandsmitglieder verloren. Im September war bereits der Präsident des Diakonischen Werks, Klaus-Dieter Kottnik, zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass sein persönlicher Referent bis 2008 Partner bei der Unternehmensberatung Dithmar und Partner war, an welche die Diakonie Aufträge vergab. Zu diesem Vorgang liegt inzwischen ein von der Kölner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Solidaris autorisierter Kurzbericht vor. Den ausführlichen Bericht will die Diakonie nicht veröffentlichen. Die Prüfer bemängeln, in der Zusammenarbeit von Diakonie und Dithmar und Partner sei es zu "wesentlichen Kostenüberschreitungen" gekommen. Für eine Evaluation, die zunächst mit 104 000 Euro veranschlagt worden war, seien später 275 000 Euro, inklusive Folgetätigkeiten sogar 614 000 Euro gezahlt worden. Christiane Dithmar, die Inhaberin der Beratung, bestreitet diese Summe allerdings.

          Eine ordnungsgemäße Erweiterung des Auftrags sei "nicht erkennbar und auch nicht herleitbar", obwohl es "von beiden Seiten" Nachverhandlungen hätte geben müssen, kritisieren die Prüfer. (Fortsetzung Seite 2, Kommentar Seite 10.) Bei den Folgetätigkeiten seien die bestehenden Beschaffungsrichtlinien nicht beachtet worden; auch lägen dazu keine dokumentierten Beschlüsse vor, so die Prüfer. Die Untersuchungen hätten aber keine Hinweise auf vorsätzliche Schädigungen ergeben. Eine "detaillierte rechtliche Bewertung" sei aber auch nicht Teil des Arbeitsauftrags gewesen. Zudem seien nur Beratungsaufträge untersucht worden, die an "Dithmar und Partner" vergeben worden seien. Der Vorsitzende des aufsichtführenden Diakonischen Rats, der württembergische Landesbischof Frank Otfried July, sagte dieser Zeitung, die Diakonie müsse auf der Grundlage des ausführlichen Prüfberichts eine "vertiefte Bewertung" vornehmen. July, der erst seit Sommer dieses Jahres Verantwortung für die Diakonie trägt, kündigte an, man werde im Rat auch gründlich darüber beraten müssen, wie die Vorgänge rechtlich zu bewerten sind und ob man auch die Vergabe von Aufträgen an andere Beraterfirmen überprüfen lässt. Er habe aber durch den Prüferbericht, durch den sich keine Hinweise auf "dolose Handlungen" ergeben hätten, allerdings keinen Grund, an allem zu zweifeln, was der Diakonievorstand tut.

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