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Christina Hucklenbroich : Ein Herz für Tierärzte

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Der Montagmorgen beginnt mit einer jungen Stimme auf dem Anrufbeantworter. Eine Fünfzehnjährige aus einem der umliegenden Dörfer will ein Praktikum beim Tierarzt machen. "Wahrscheinlich will sie Tierärztin werden", sagt Sarah Nolte*.

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          Der Montagmorgen beginnt mit einer jungen Stimme auf dem Anrufbeantworter. Eine Fünfzehnjährige aus einem der umliegenden Dörfer will ein Praktikum beim Tierarzt machen. "Wahrscheinlich will sie Tierärztin werden", sagt Sarah Nolte*. "Vielleicht kann man es ihr noch ausreden."

          Die Neunundzwanzigjährige steht am Fenster des Behandlungsraums, zwischen dem Ultraschallgerät und einem Brett, an dem lederne Maulkörbe in unterschiedlichen Größen hängen. Mit fünfzehn war Sarah Nolte selbst einmal Praktikantin in dieser Praxis. Heute ist sie hier als Tierärztin angestellt. Dazwischen lagen Abitur und Veterinärmedizinstudium, das Staatsexamen und anschließend mehrere Jahre Arbeit in zwei der renommiertesten Tierkliniken in Deutschland. Ein Berufsweg, von dem in diesem Jahr wieder 5500 junge Leute träumten - so viele Abiturienten bewarben sich um einen Studienplatz in Veterinärmedizin. Nur eine von fünf Bewerbungen war erfolgreich; der Numerus clausus für das Wintersemester liegt bei 1,0 bis 1,6, je nach Bundesland.

          Nolte kennt den Andrang auf die Studienplätze. "Noch sickert wenig durch", sagt sie. "Nur untereinander sprechen Tierärzte offen darüber, dass sie von ihren Gehältern nicht mehr leben können." Man schweige aus Scham, sagt Nolte. "Scham darüber, dass man damals so naiv war." Damals: Für Sarah Nolte ist das die Zeit nach dem Abitur, das sie am städtischen Gymnasium ein paar Straßen weiter gemacht hat. "Wenn ich die Zeit um zehn Jahre zurückdrehen könnte", sagt sie heute, "dann würde ich Lehrerin oder Ärztin werden. Ich würde einfach einen richtigen Brotberuf lernen."

          Der Tierarztberuf ist das nicht mehr. Das sieht nicht nur Sarah Nolte so. Ruft man die Berufsverbände an, bestätigen deren Sprecher diese Sicht ohne Umschweife. "Wir betrachten es mittlerweile als große Tragik, dass begabte junge Leute Veterinärmedizin studieren und nach dem Examen erkennen müssen, dass sie von ihrem Gehalt nicht leben können", sagt Katharina Freytag, Juristin und Geschäftsführerin der Bundestierärztekammer in Berlin. Frank Menz, der Geschäftsführer der Tierärztekammer Hessen, spricht von einer "katastrophalen Gehaltssituation". "Wir hier bei der Kammer sehen das an den Pflichtbeiträgen zum Versorgungswerk, deren Höhe vom Gehalt abhängt. Die Lage ist drastisch."

          Vor zwei Jahren veröffentlichte Bettina Friedrich, eine Doktorandin der Tierärztlichen Hochschule Hannover, eine Studie, für die ein Großteil der 4300 angestellten Tierärzte in Deutschland Auskunft über ihre Gehälter und Arbeitsbedingungen gegeben hatte. Das geringste Monatsgehalt auf einer Vollzeitstelle beträgt demnach 580 Euro brutto bei Frauen, 900 Euro bei Männern. Im Durchschnitt liegt das Gehalt für in Vollzeit angestellte Tierärzte in den alten Bundesländern bei 2500 Euro, in den neuen bei 2000 Euro brutto - unabhängig von der Anzahl der Berufsjahre. Die Hälfte der Arbeitnehmer, die diese Angaben machten, war bereits promoviert. Die Studie dokumentiert außerdem einen harten Arbeitsalltag: Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit angestellter Tierärzte beträgt 48 Stunden, wobei Notdienste noch nicht berücksichtigt sind. Drei von vier Angestellten erhalten keine Vergütung für Notdienste. Männer verdienen im Schnitt 550 Euro mehr im Monat als Frauen. Besonders hart sind die Arbeitsbedingungen in Pferdekliniken, wo die Angestellten auf eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 55 Stunden kommen.

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