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: Bundeswehr setzt Abwehrsystem Mantis in Afghanistan nicht ein

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löw. BERLIN, 6. September. Ein insgesamt rund 235 Millionen Euro teures System zum Schutz von Feldlagern vor Raketen- und Mörserbeschuss, das seit einem Jahr mit Hochdruck in der Bundeswehr eingeführt wurde, soll vorerst nicht in Afghanistan eingesetzt werden.

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          löw. BERLIN, 6. September. Ein insgesamt rund 235 Millionen Euro teures System zum Schutz von Feldlagern vor Raketen- und Mörserbeschuss, das seit einem Jahr mit Hochdruck in der Bundeswehr eingeführt wurde, soll vorerst nicht in Afghanistan eingesetzt werden. Das geht aus einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Frage des Abgeordneten Nouripour (Grüne) hervor. Grund ist einerseits, dass die Bedrohung des Feldlagers in Kundus durch solche Geschosse als deutlich verringert eingeschätzt wird, andererseits hat sich die bisher gelieferte Munition als unbrauchbar erwiesen. Eigentlich sollte das erste von zwei bestellten Systemen im vierten Quartal dieses Jahres geliefert werden.

          Das System namens Mantis vom deutschen Hersteller Rheinmetall besteht aus Sensoren, die aus der Nähe abgefeuerte Geschosse oder Raketen erkennt, und sechs Flugabwehrkanonen, welche die heranfliegenden Objekte mit sich zerlegenden Geschossen zerstören. Dass das im Prinzip funktioniert, wurde in einem "Firmenschießen" nachgewiesen. Doch ist die Rate von Geschossen, die sich nicht zerlegen, zu hoch. Dadurch könnten Schäden in der (zivilen) Umgebung entstehen. Nach Angaben der Firma, so das Ministerium in dem Schreiben, sei der Mangel fertigungsbedingt, so dass keine neue Entwicklung nötig sei.

          Die Bundeswehr hat es aber nach Einschätzung von Fachleuten auch aus politischen Gründen nicht so eilig mit der Einführung des Systems in den Einsatz. Für den Betrieb des Systems wäre zusätzliches Personal nötig, die Politik dringt hingegen auf ein "Abzugssignal" vor der nächsten Verlängerung des Afghanistan-Mandats. Die Lage erzeugt zudem derzeit keinen Handlungsdruck. Lag das Lager bei Kundus zwischen 2008 und Mitte 2010 immer wieder unter Raketenbeschuss, durch den glücklicherweise niemand zu Schaden kam, hat es seit August 2010 keinen Angriff mehr gegeben. Das ist auf die offensive Sicherung der Umgebung sowie auch den Einsatz der Panzerhaubitze, die Abschussstellen beschießen kann, zurückzuführen. Mantis passt mehr in ein defensives Konzept, das in der Zeit vor 2010 verfolgt worden war. Außerdem ist es nicht schnell in kleine Außenposten verlegbar - die Geschütze müssen einbetoniert werden. "Gleichwohl besteht die Fähigkeitslücke weiterhin, so dass die Beschaffung eines entsprechenden Systems notwendig ist", heißt es in dem Schreiben.

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