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: Brite in China vor Hinrichtung

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Lt. LONDON, 28. Dezember. Mit Appellen in letzter Minute haben Verwandte und Repräsentanten der britischen Regierung in China versucht, die auf diesen Dienstag terminierte Hinrichtung eines Briten zu verhindern, der wegen Rauschgiftschmuggels zum Tode verurteilt worden war.

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          Lt. LONDON, 28. Dezember. Mit Appellen in letzter Minute haben Verwandte und Repräsentanten der britischen Regierung in China versucht, die auf diesen Dienstag terminierte Hinrichtung eines Briten zu verhindern, der wegen Rauschgiftschmuggels zum Tode verurteilt worden war. Zwei Cousins des 53 Jahre alten Londoners Akmal Shaikh reisten nach China und erlangten am Montag eine Besuchserlaubnis für das Gefängniskrankenhaus in Urumtschi, wo der Verurteilte festgehalten wird. Der britische Sender BBC meldete, die beiden Verwandten hätten Shaikh über die bevorstehende Hinrichtung informiert, über deren Zeitpunkt er bis dahin im Unklaren gewesen sei. Shaikh wäre nach Angaben einer britischen Gefangenenhilfsorganisation seit fünf Jahrzehnten der erste Verurteilte mit einem europäischen Pass, der von chinesischen Behörden hingerichtet würde.

          Der Brite wurde vor zwei Jahren festgenommen, als er, von Tadschikistan kommend, in das chinesische Urumtschi reiste. In seinem Gepäck wurden vier Kilogramm Heroin gefunden. Shaikh gab in der Gerichtsverhandlung an, das Rauschgift sei ohne sein Wissen in das Gepäck gelangt. Menschenrechtler, die Shaikhs Fall begutachteten, gaben an, er sei offenkundig in eine Falle gelockt worden. Die Verwandten des Verurteilten sprechen ihm überdies die volle Urteils- und Handlungsfähigkeit ab - Shaikh sei geistig krank und nur beschränkt zurechnungsfähig. In einer Petition an die chinesischen Behörden bat Shaiks Cousin Soohail um eine vollständige Untersuchung des Geisteszustands des Verurteilten, um festzustellen, ob seine Schuldfähigkeit möglicherweise beim Begehen der Tat eingeschränkt gewesen sei und deshalb die Todesstrafe als Strafmaß nicht länger in Betracht komme.

          Auch das britische Auswärtige Amt hat sich um eine Revision des Urteils bemüht. Ein Sprecher sagte, die britische Seite habe ihre Einwände an "höchstmöglicher Stelle" vorgetragen. Sowohl Premierminister Brown als auch Außenminister Miliband hätten in dieser Sache an die chinesische Staatsführung geschrieben. Die offizielle chinesische Entgegnung, die eine Sprecherin des Pekinger Außenministeriums abgab, lautete hingegen, die chinesischen Justizbehörden seien unabhängig in ihren Urteilen; der vorliegende Fall sei in Übereinstimmung mit chinesischem Recht behandelt worden. Rauschgiftschmuggel werde überall in der Welt als schweres Verbrechen geahndet. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft in London gab an, nach chinesischem Recht genüge schon der Besitz von 50 Gramm Heroin, um zum Tode verurteilt zu werden. Ein formeller Antrag auf Berufung und eine neuerliche Verhandlung des Falles waren in der Woche vor Weihnachten von den chinesischen Justizbehörden abgewiesen worden.

          Der Vorsitzende der Gefangenenhilfsgruppe "Reprieve", Stafford-Smith, sagte, er hoffe, dass Shaikh der Exekutionszeitpunkt nur deswegen bislang verschwiegen worden sei, weil die chinesischen Behörden doch noch einen Gnadenakt erwögen. Auch die Hinrichtungsmethode sei bislang geheim gehalten worden. Nach den Worten Stafford-Smiths sind sowohl die Exekution durch Kopfschuss als auch durch eine Giftinjektion möglich.

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