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: Auch kein Hort des Widerstands

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Bis in die achtziger Jahre hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) an die herausragenden Forschungsleistungen und Nobelpreise ihrer Vorgängerorganisation, der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG), erinnert, ohne deren Verstrickungen im Nationalsozialismus zu erwähnen.

          Bis in die achtziger Jahre hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) an die herausragenden Forschungsleistungen und Nobelpreise ihrer Vorgängerorganisation, der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG), erinnert, ohne deren Verstrickungen im Nationalsozialismus zu erwähnen. Todesanzeigen führender Forscher verschwiegen deren Kooperation mit dem nationalsozialistischen Regime. Lange wurde der Mythos der reinen Grundlagenforschung beschworen, obwohl viele Institute der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft längst eindeutig anwendungsorientierte Forschung im Interesse der Nationalsozialisten betrieben. Die Politik eines "kollektiven Verdrängens" wurde dadurch begünstigt, dass Akteure und Mitläufer im "Dritten Reich" nach 1945 nicht zur Rechenschaft gezogen wurden.

          Als die Bestimmungen des Berufsbeamtengesetzes vom April 1933 auch in der KWG Anwendung fanden, waren fast ein Drittel der aktiven wissenschaftlichen Mitarbeiter, aber auch Sekretärinnen und technisches Personal aus den Instituten vertrieben worden - diese leisteten dagegen so gut wie keinen Widerstand. Die vertriebenen Wissenschaftler kehrten in der Regel nicht in die Max-Planck-Gesellschaft zurück. Der damalige Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Arbeitsphysiologie, heute MPI für molekulare Physiologie, Atzler, drängte seinerzeit die gesamte Belegschaft, in die NSDAP einzutreten, um das Institut zu schützen. Er selbst war kein Parteimitglied. Von erheblicher Bedeutung für die Anpassungsbereitschaft war außerdem, dass die neuen Machthaber nach einer kurzen Phase der Verunsicherung den Weiterbestand der KWG grundsätzlich garantierten und an der organisatorischen Struktur des Forschungsverbundes nicht rüttelten. Max Planck etwa bestand während seiner Audienz bei Hitler am 16. Mai 1933 darauf, dass es "eine Selbstverstümmelung wäre, wenn man wertvolle Juden nötigen würde auszuwandern, weil wir ihre wissenschaftliche Arbeit nötig brauchen und diese sonst in erster Linie dem Ausland zugute kommt".

          Nachdem Max Planck als Präsident der KWG 1937 ausgeschieden war, widersetzte sich auch die Generalverwaltung kaum noch dem NS-Regime. In den meisten Kaiser-Wilhelm-Instituten waren die Übergänge zwischen ursprünglichen wissenschaftlichen Interessen und der Einbindung in Politik und Ziele des NS-Regimes fließend. Wie in vielen anderen Nachkriegsorganisationen auch, bildete das Jahr 1945 trotz der Neugründung namens Max-Planck-Gesellschaft keine wirkliche Zäsur. Eine Emanzipation der Max-Planck-Gesellschaft von ihrer Vorgängerorganisation vollzog sich in kleinen Schritten und unter erheblichen inneren Widerständen. Wenn die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) jetzt am 11. Januar des hundertsten Gründungsdatums der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gedenkt, ist sie mit einem erschreckenden Maß an Elitenkontinuität konfrontiert.

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