https://www.faz.net/-1v0-7xvtw

Pannen 2014: #bicep2 : Trübe Aussichten für Astrofreaks

Das Bicep2-Teleskop (im Vordergrund), im Hintergrund sieht man das South Pole Telescope (SPT) Bild: dpa, Harvard University

Hat sich der Kosmos nach dem Urknall tatsächlich inflationär ausgedehnt, wie viele Theoretiker glauben? Die vielversprechenden Beobachtungen einer  Astronomengruppe drohen, durch neue Messungen des Weltraum-Teleskops Planck zu platzen.

          1 Min.

          Es war eine Bombe, die im März dieses Jahres von einer Forschergruppe vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics verkündet wurde: Man habe mit dem kleinen Südpol-Teleskop Bicep2 in der kosmischen Hintergrundstrahlung Signale gemessen, die von der kurzen Zeit nach dem Urknall herrühren. Dabei handele es sich um Polarisationseffekte, die von urtümlichen Gravitationswellen stammen und dem Mikrowellenhintergrund aufgeprägt worden seien.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Damit schien endlich ein klarer Hinweis für die seit langem gehegte These gefunden, dass sich das Universum nach dem Urknall während einer extrem kurzen Phase explosionsartig ausgedehnt hatte, bevor es begann, gleichmäßig zu expandieren. Schon hörte man bereits die Sektkorken knallen. Denn wer den Beweis erbringt, dass sich das Universum in seiner Frühphase inflationär ausgedehnt hat, dem ist der Physik-Nobelpreis sicher.

          Hinweise verflüchtigen sich

          Doch die Hinweise verdichteten sich im Laufe des Jahres, dass die aufgefangenen Signale wohl nicht von Gravitationswellen im Zuge der Inflationsphase des Universums stammen, sondern schlicht von kosmischen Staubwolken. Das legten die im September präsentierten Messungen des europäischen Weltraumteleskops Planck, das wie das irdische Teleskop Bicep2 jene Strahlung vermisst, die aus einer Zeit stammt, als das Universum erst 380.000 Jahre alt war. Dabei hat man nun die Staubverteilung in der Milchstraße ermittelt und entdeckt, dass ziemlich viel Staub das Blickfeld von Bicep2 getrübt haben musste, was die amerikanischen Kollegen allerdings zunächst nicht bedacht hatten.

          Nun wollen die Forscher von Planck und Bicep2 im Januar gemeinsam neue Ergebnisse vorlegen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Ur-Gravitationswellen nicht ganz in Staub auflösen.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson während eines Wahlkampf-Termins in einer Chips-Fabrik im nordirischen County Armagh

          Wahl in Nordirland : Selbst die Grenze hat eine Stimme

          In Nordirland hilft nur noch Galgenhumor: Die britische Provinz fühlt sich von allen Seiten verkauft. Die bitterste Ironie ist die Zwickmühle, in die Boris Johnson die nordirischen Konservativen gebracht hat.
          Für Normalverdiener entfällt der Posten Solidaritätszuschlag künftig auf dem Steuerbescheid.

          Für 90 Prozent der Zahler : Der Soli wird zum Teil abgeschafft

          Ab 2021 entfällt der Solidaritätszuschlag – zumindest für diejenigen, die nicht mehr als 73.874 Euro brutto im Jahr verdienen. Doch auch wer mehr verdient, kann von der so genannten Milderungszone profitieren.