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Opec-Generalsekretär Al Badri : Moderator zwischen den Ölmächten

Abdallah al Badri Bild: dpa

Der Libyer Abdallah al Badri jongliert als Opec-Generalsekretär zwischen den Förderern Saudi-Arabien und Iran. Seine Nähe zu Diktator Gaddafi hat ihm bislang nicht geschadet.

          Eigentlich sollte Abdallah al Badri seit fast zwei Jahren gar nicht mehr im Amt sein. Dass er weit über seine zweite Amtszeit hinaus noch immer Generalsekretär der Opec ist, verdankt er zwei Umständen: Die ewigen Rivalen Saudi-Arabien und Iran können sich nicht auf einen Nachfolger einigen. Zudem ist der Libyer Badri so gut, dass er kaum zu ersetzen ist. Zwar hat der Generalsekretär der Opec keine großen Befugnisse. Er hat lediglich vorzubereiten und nach außen zu vertreten, was die Minister aus den zwölf Mitgliedstaaten der Opec beschließen. Er ist also ohne Hausmacht. Und doch haben seine Wortmeldungen Gewicht.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Badri äußert sich eloquent, und er vertritt knallhart die Interessen der Opec, ohne indes ein Scharfmacher zu sein. Seine Linie war über alle Jahre, vor allem Ruhe auszustrahlen, Panik zu vermeiden. Vor dem Halbjahrestreffen am Donnerstag in Wien räumte er zwar ein, dass der sinkende Ölpreis auch ihn beunruhige. Jedoch sei nicht klar, in welche Richtung sich der Preis entwickle, wiegelte er ab. „Grundsätzlich hat sich nicht viel verändert“ auf den Märkten, fügte er hinzu.

          Badri setzt auf den langen Atem. Denn das Opec-Kartell besitzt drei Viertel aller Ölreserven, und spätestens von 2020 an wird die Weltwirtschaft wieder mehr als heute von der Produktion der Opec-Staaten abhängen. Bis 2040 würde es sogar zu einer Unterversorgung des Ölmarkts von 14 Millionen Barrel (159 Liter) am Tag geben, sollten die arabischen Ölproduzenten nicht ihre Förderung um dieses Volumen ausdehnen, sagt die Internationale Energieagentur (IEA) in London voraus.

          Seine Vorgänger waren meist nur kurz im Amt

          Hektik ist daher dem freundlich lächelnden Libyer Badri fremd. „Verfallen Sie nicht in Panik“, erklärte er Mitte November. „Das wird sich alles schon auflösen.“ Für die Politik der Kontinuität spricht, dass die Opec seit 2008 ihre Förderquoten – bis auf die Kürzung Ende 2008 und Anfang 2009 – nur geringfügig verändert hat. Badri selbst hat jedoch angeregt, nun die Fördermenge der Opec von 30 Millionen Barrel am Tag auf 29,5 Millionen Barrel zu senken.

          Die meisten seiner Vorgänger waren nur ein Jahr im Amt, er selbst einmal im Jahr 1994. Als die Amtszeit Ende 2007 auf zweimal drei Jahre verlängert worden war, wurde Badri zehn Minuten vor der entscheidenden Abstimmung als Kompromisskandidat vorgeschlagen. Da sich in den Folgejahren die Kandidaten Saudi-Arabiens, Irans und des Irak gegenseitig blockierten, blieb er im Amt, obwohl er eigentlich Ende 2012 hätte ausscheiden sollen. Es war daher die Amtszeit von Badri, in der der Ölpreis die Rekordmarke von lange über 100 Dollar je Barrel Rohöl erklomm. Gleichzeitig erholte sich dank seines Krisenmanagements der Ölpreis, der einst 2008 von über 140 Dollar auf unter 40 Dollar kollabiert war.

          Die Moderation von gegensätzlichen Interessen in der Ölpolitik hat Badri viel Lob eingebracht. In den vergangenen Jahren pendelte er viel zwischen Riad und Teheran. Auch am Donnerstag musste er zwischen Iran, das ein Ende des Preisverfalls will, und Saudi-Arabien, das immer noch Sonderrabatte gewährt, einen Ausgleich herbeiführen.

          Seine Kritiker werfen ihm jedoch vor, die Tragweite der amerikanischen Schiefergas-Revolution unterschätzt und Gegenmaßnahmen nicht rechtzeitig eingeleitet zu haben. Aber auch bei diesem Thema behielt er die Ruhe und drängte nicht auf eine außerordentliche Krisensitzung der Minister. Der aktuelle Ölpreis verdränge ja viele teure Produzenten vom Markt, bemerkte er kurz vor dem Wiener Treffen. Mindestens die Hälfe der Schieferölproduktion sei nun nicht mehr rentabel.

          Dem aus Libyen stammenden Generalsekretär, der 1940 in Ghamminis zur Welt kam, wurde nie zum Verhängnis, dass er ein Vertrauter des damaligen Machthabers Gaddafi war. Badri hatte nach seinem Studium in Florida 1965 seine Karriere beim Esso-Mutterkonzern Standard Oil begonnen. Erst von 1983 bis 1990, dann wieder von 2004 bis 2006 war er Vorsitzender der staatlichen National Oil Corporation. Dazwischen stand er den libyschen „Volkskomitees“, also Ministerien, für Erdöl und Energie vor. Vier Jahre war er stellvertretender Ministerpräsident. Nach Gaddafis Sturz hat er sich von den innenpolitischen Machtkämpfen in Libyen strikt fern gehalten. Seit Mitte 2014 hat nun aber die Rückkehr Libyens auf den internationalen Ölmarkt, zusammen mit der amerikanischen Energierevolution, den Ölpreis von 110 Dollar auf unter 75 Dollar sinken lassen.

          Noch im vergangenen Sommer sollte die nigerianische Ölministerin Diezani Alison-Madueke neue Generalsekretärin werden. Badri aber bleibt der am längsten amtierende Generalsekretär der Opec. Und so wird Alison-Madueke voraussichtlich für ein Jahr lang lediglich die neue Präsidentin der Opec.

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