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Onefootball : Die erfolgreichste WM-App kommt aus Berlin

  • -Aktualisiert am

Tooor: Fußballfans können dank Apps auf ihrem Smartphone auch Tore, die in anderen Stadien fallen, zeitnah bejubeln. Bild: AFP

Lange Zeit kämpfte das Start-up Onefootball ums Überleben. Nun informieren sich Millionen Fans über die Weltmeisterschaft in Brasilien mit seiner App.

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          Gerade Fußballfans wissen, dass man als Mannschaft ein Spiel dominieren und nach 90 Minuten dennoch mit leeren Händen dastehen kann. So auch Lucas von Cranach. Lange Zeit kämpfte sein Berliner Unternehmen Onefootball GmbH ums Überleben, erzählt er - obwohl dessen Fußball-App 15 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Nun ist deren Ableger „One Football Brasil“ mit mehreren Millionen Downloads zur erfolgreichsten App für Mobiltelefone zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien aufgestiegen.

          Die neuesten Gerüchte über Aufstellungen der Mannschaft, der aktuelle Stand von Verletzungen der Kicker sowie diverse Statistiken, Videos und Radioübertragungen und natürlich die Live-Ergebnisse aller Spiele kann man in der App finden. „Fußball pur eben“, sagt Lucas von Cranach, der selbst leidenschaftlich kickt und Fan des 1. FC Köln ist. Die internationale Welt der Sport-Apps wird eigentlich dominiert von amerikanischen Fernsehsendern wie ESPN oder dem Suchmaschinenunternehmen Yahoo. Allerdings ist Fußball neben American Football, Baseball und Basketball sowie vielen weiteren nur ein Sport unter vielen.

          „Wir verwenden etwa 1000 Quellen für die Nachrichten“

          Die App des Unternehmens scheint das Bedürfnis der Fans nach voller Konzentration auf den beliebtesten Sport der Welt und vor allem auf die favorisierte Mannschaft zu stillen. Schon für seine App „Onefootball“, die vormals „iLiga“ hieß, hatte von Cranach diese Lücke erkannt. „Wir sind davon überzeugt, dass jeder Fußballfan einen Lieblingsverein hat“, sagt er. „Dazu kommt natürlich noch die jeweilige Nationalmannschaft.“ Seit dem Jahr der Gründung im Jahr 2008 haben sich etwa 15 Millionen Fans die App heruntergeladen, die für die Betriebssysteme iOS, Android, Windows Phone und Windows 8 verfügbar ist. Noch im Juni hatten im Google Play Store fast 78.000 Nutzer die App bewertet, fast 55.000 davon mit fünf Sternen. Für die Apple-Version wurden von 33.000 Nutzern durchschnittlich vier Sterne vergeben.

          Die App kam also an. Dennoch lief nicht alles rund, vor allem nicht finanziell. Nicht ungewöhnlich für ein junges Unternehmen, in der digitalen Welt sowieso nicht. Das entscheidende Stichwort heißt in der Branche „Monetarisierung“, also wie man mit einer kostenlosen Dienstleistung, aber Millionen Nutzern, die das Produkt ja augenscheinlich gut finden, Geld verdienen kann. Auch Facebook machte zum Beispiel trotz Hunderten Millionen Mitgliedern jahrelang riesige Verluste. Geld verdient das Unternehmen mit der Fußball-App für den Lieblingsverein über Werbung. Geld für Marketing gebe Onefootball kaum aus. „Es läuft fast alles über Mundpropaganda“, sagt von Cranach. 50 Mitarbeiter hat Onefootball momentan. „Wir verwenden etwa 1000 Quellen für die Nachrichten“, sagt von Cranach. Entweder werden frei verfügbare Informationen aus den jeweiligen Ländern von Verbänden und Medien integriert, oder Onefootball kauft eine Lizenz. „Und das ist teuer“, sagt von Cranach, der ein Nachfahre des Malers Lucas Cranach der Ältere ist, einer der bedeutendsten deutschen Maler und Grafiker der Renaissance.

          Seit den Millioneninvestments der Wagniskapitalgeber Earlybird und Union Square Ventures im vergangenen Jahr sei die finanzielle Situation etwas komfortabler, sagt der Unternehmer. Ein App-Ableger zur WM in Brasilien auf den Markt zu werfen war zwar aus unternehmerischer Sicht logisch und vielversprechend, aber nicht ganz risikolos für die Entwickler aus Prenzlauer Berg. Im Gegensatz zur kostenlosen Bundesliga-App kann die WM-App aufgrund des Sponsoring durch den Volkswagen-Konzern auf weitere Werbung verzichten und ist somit solide finanziert.

          Allerdings dürfe man sich zu Beginn nicht zu sehr auf das Geldverdienen konzentrieren, sagt von Cranach. „Dann hat man schnell eine hohe Abwanderungsquote bei den Nutzern.“ Reichweite sei sehr wichtig, möchte man langfristig Erfolg haben. So will Onefootball erst noch viele weitere Millionen Nutzer gewinnen, bis sich das unternehmerische Engagement auch finanziell realisieren lasse. Dies sei jedoch ein harter Weg, wie von Cranach sagt. Aber als 1. FC Köln Fan wisse er, dass man geduldig und leidensfähig sein muss.

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