https://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/oel-hausse-ohne-ende-1173536.html

: Öl-Hausse ohne Ende

  • Aktualisiert am
          1 Min.

          hi. FRANKFURT, 3. August. Der Preis für Rohöl erklimmt immer neue Rekordhöhen. Am Dienstag trug ihn ein weiterer Schub deutlich über die Marke von 44 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). Nordsee-Öl der Sorte Brent hat unterdessen die Marke von 40 Dollar deutlich überschritten und ist nahe an sein im Oktober 1990 verzeichnetes Rekordhoch von 40,95 Dollar herangekommen. Händler sprechen von beharrlicher Kaufbereitschaft kommerzieller Kreise. Die Haussespekulation spiele jedenfalls nicht die entscheidende Rolle, obgleich mancherorts nach längerer Zeit wieder von einer im Preis entstandenen Spekulations- oder Terrorprämie gesprochen wird. Tatsächlich scheint die Sorge darüber zu wachsen, daß das Angebot schon in wenigen Monaten nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten könnte.

          Daß dies keine Phantasien der Haussiers sind, gilt als bewiesen, nachdem der Präsident der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), Purnomo Yusgiantoro, am Montag bekannt hat, das Kartell könne derzeit nichts mehr unternehmen, um das Angebot zu erhöhen. Es bewege sich am Rande seiner Förderkapazität. Selbst Saudi-Arabien sei auf kurze Sicht nicht in der Lage, mehr zu fördern. Der Opec-Präsident hatte sich in den zurückliegenden Monaten bereits mehrfach in diesem Sinne geäußert, doch war seine jetzt verbreitete Erklärung nach dem Urteil von Analysten klarer als alle vorausgegangenen. Auch der libysche Ölminister äußerte sich in einem Gespräch mit dem Fachdienst Platts ähnlich. Die Opec sei sehr besorgt über den hohen Ölpreis, doch sie könne kurzfristig an dieser Situation nichts ändern. Im Gegensatz dazu ließen die Saudis wissen, sie könnten die Förderung sofort auf 10,5 Millionen Barrel täglich erhöhen. Gegenwärtig fördern sie nach Schätzungen aus Fachkreisen 9,2 bis 9,4 Millionen Barrel.

          Inzwischen ist unbestritten, daß der Ölmarkt seine Aufmerksamkeit mehr und mehr auf den nächsten Winter in den Ländern der nördlichen Halbkugel richtet. Dann wird der Ölbedarf seine jahreszeitliche Spitze erreichen, und es gilt als höchst zweifelhaft, ob in dieser kritischen Phase bei ungebrochen starker Nachfrage ausreichend Öl und Raffineriekapazitäten bereitstehen, um den Bedarf zu decken. Zwar herrsche jetzt noch kein akuter Mangel an Öl, doch der Markt nehme Knappheit im Winter nun bereits als gegeben an und versuche, sie in den Preisen zu berücksichtigen, heißt es in Fachkreisen.

          Topmeldungen

          Geht’s voran?

          Hohe Hauspreise : Wohnen müsste nicht so teuer sein

          Die Zinsen steigen, doch die Immobilienpreise bleiben hoch. Dieses Jahr zeigt: Nicht die Spekulation ist schuld, sondern übertriebene Regeln.
          Eine Kryptowährung gerät ins Wanken: Bitcoin-Tokens unter Wasser

          Nach dem Kursrutsch : Warum der Bitcoin weiter fallen wird

          Es wäre verwegen, vom Bitcoin bald einen Anstieg zu erwarten. Niveaus im mittleren vierstelligen Bereich sind alles andere als ausgeschlossen. Wer ganz am Anfang dabei war, den wird das wenig schmerzen.