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Obamas neuer Außenminister : Kerry kennt alle

  • -Aktualisiert am

Letztes Mal zog Obama (links) Hillary Clinton vor, dieses Mal nominierte Obama John Kerry für den Posten als Außenminister Bild: REUTERS

Seine Zeit als ewiger Zweiter ist vorbei: John Kerry wird Obamas neuer Außenminister. Der Präsident zog den Vietnam-Veteran der umstrittenen Susan Rice vor - und weiß nun eine erfahrene Führungspersönlichkeit in seinem wichtigsten Amt.

          In diesem Rennen ist der ewige Zweite nun doch als Erster ins Ziel gekommen: John Kerry, 69 Jahre alter Senator aus Massachusetts, wird Hillary Clinton an der Spitze des State Department nachfolgen, obwohl für diesen Posten ursprünglich UN-Botschafterin Susan Rice vorgesehen war. Doch Präsident Barack Obama ging dem sich abzeichnenden Streit mit den Republikanern um John McCain und Lindsey Graham bei den Anhörungen im Senat aus dem Weg. McCain und Graham hatten Frau Rice wegen ihrer Rolle beim „Erklären“ des Terroranschlags auf das amerikanische Konsulat in Benghasi in Libyen vom 11. September 2012 als Ausdruck spontaner Empörung über ein anti-muslimisches Video gescholten. Die Bestätigung einer Nominierung von Susan Rice im Senat wäre nicht unmöglich gewesen. Aber sie hätte den Einsatz von politischem Kapital erfordert, das Obama für andere politische Auseinandersetzungen dringender braucht.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Vor vier Jahren hatte Kerry noch das Nachsehen, als Obama ihm seine Rivalin im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur, Hillary Clinton, vorzog. Vor diesem Hintergrund wirkte das überschwängliche Lob Obamas für seinen Kandidaten Kerry reichlich zuckrig. „Sein ganzes Leben hat ihn auf diese Aufgabe vorbereitet“, sagte Obama. Kerry habe „seit 30 Jahren bei allen wichtigen außenpolitischen Entscheidungen eine wichtige Rolle gespielt“ und sich dank seiner großen außenpolitischen Erfahrung den Respekt von politischen Führungspersönlichkeiten in aller Welt erworben. „Es gibt wenige Persönlichkeiten, die so viele Präsidenten und Regierungschefs kennen und unsere Politik so verinnerlicht haben wie John Kerry“, pries Obama seinen künftigen Außenminister. Als Vietnamkriegsveteran sei sich Kerry auch dessen bewusst, dass die militärische Macht der Vereinigten Staaten „weise eingesetzt werden muss“, fügte der Präsident an.

          Heftiger Kritiker von Kriegseinsätzen

          Anders als bei Susan Rice, die noch nie ein Wahlamt bekleidet hat, ist die Bestätigung von Kerrys Nominierung im Senat reine Formsache. Schließlich gehört der Sohn eines Diplomaten seit Januar 1985 selbst der kleineren Kongresskammer an. Zuvor hatte Kerry zwei Jahre lang in Boston als stellvertretender Gouverneur von Massachusetts unter Michael Dukakis gedient, der sich seinerseits 1988 um das Präsidentenamt bewarb. Dukakis scheiterte aber am Republikaner George H. W. Bush. Kerry sollte das gleiche Schicksal bei den Präsidentenwahlen von 2004 im Duell mit George W. Bush dem Jüngeren erleiden.

          Seit knapp vier Jahren ist Kerry, der sich im Vietnamkrieg manche Tapferkeitsmedaille verdient hatte, ehe er nach seiner Rückkehr aus Südasien zum heftigen Kritiker des Kriegseinsatzes wurde, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Mit Obama verbindet Kerry eine lange, aber persönlich distanzierte Partnerschaft: Es war Kerry, der beim Parteitag zu seiner offiziellen Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten von Boston im Sommer 2004 den damals noch kaum bekannten Senatskandidaten aus Illinois einlud, die programmatische Grundsatzrede zu halten. Mit seiner Rede von Boston katapultierte sich Obama ins nationale Rampenlicht.

          Engagement im Kampf gegen den Klimawandel

          Für Obama war Kerry mehrfach als Emissär in schwieriger Mission unterwegs. Im Herbst 2009 sprach Kerry viele Stunden mit Hamid Karzai und überredete den afghanischen Präsidenten, sich einer Stichwahl zu stellen, statt darauf zu beharren, schon im ersten Wahlgang genug Stimmen bekommen zu haben. Nach der amerikanischen Kommandoaktion zur Tötung Usama Bin Ladins in Pakistan im Mai 2011 reiste Kerry nach Islamabad, um die schwer belasteten Beziehungen zu dem Partner im Anti-Terror-Kampf zu reparieren. Im Senat sorgte Kerry dafür, dass eine Mehrheit für den atomaren Abrüstungsvertrag mit Russland zustande kam, außerdem engagierte er sich für den Kampf gegen den Klimawandel.

          Im syrischen Präsidenten Baschar al Assad wollte Kerry freilich noch im April 2010 einen potentiellen Reformer erkennen, obwohl der Diktator in Damaskus schon seit Wochen auf friedliche Demonstranten schießen lassen hatte. Gemeinsam mit McCain und Graham hatte Kerry aber zu den ersten Befürwortern einer aggressiveren Politik gegenüber dem libyschen Diktator Muammar Gaddafi und auch dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak gehört. Der Katholik Kerry ist in zweiter Ehe mit Teresa Heinz verheiratet, die als Erbin des Ketchup-Imperiums ihres tödlich verunglückten ersten Mannes John Heinz über ein Millionenvermögen verfügt.

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