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: Noch mehr Pferdefleisch in Tiefkühllasagne

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F.A.Z. Frankfurt, 14. Februar. Zwei Supermarktketten haben in Tiefkühllasagne undeklariertes Pferdefleisch nachgewiesen.

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          F.A.Z. Frankfurt, 14. Februar. Zwei Supermarktketten haben in Tiefkühllasagne undeklariertes Pferdefleisch nachgewiesen. Edeka erklärte am Donnerstag, in Stichproben seien in einem Produkt der Eigenmarke „Gut & Günstig“ geringe Pferdefleischanteile gefunden worden. Am Vorabend hatte bereits die Handelskette Real von entsprechenden Funden berichtet, wie in einer Teilauflage dieser Zeitung berichtet. Rewe nahm vorsorglich Produkte aus dem Handel. In Baden-Württemberg zog das Verbraucherministerium eine Lasagne des Tiefkühlherstellers Eismann aus dem Handel. Hier werde noch geprüft, ob sie Pferdefleisch enthalte. Britische Behörden wiesen erstmals nach, dass Fleisch in die Nahrungskette gelangt ist, in dem das entzündungshemmende Mittel Phenylbutazon enthalten war, das für Menschen schädlich ist.

          Ein Sprecher der Europäischen Kommission in Brüssel bestätigte, dass Vertreter der EU-Staaten an diesem Freitag über Gentests zur Ermittlung von Pferdefleisch in verarbeiteten Lebensmitteln entscheiden sollten. Außerdem sollten geschlachtete Tiere auch auf Rückstände von Phenylbutazon hin überprüft werden. 4000 Tests seien geplant. Nichts hindere die Staaten daran, weiterreichende Untersuchungen vorzunehmen.

          In Paris hat die französische Regierung nach einer Untersuchung das südfranzösische Unternehmen Spanghero als einen der Hauptverantwortlichen identifiziert. Das Unternehmen aus dem südfranzösischen Castelnaudary nahe Carcassonne habe Pferdefleisch erhalten, das als solches gekennzeichnet war, teilte der Verbraucherminister Benoît Hamon mit. Das Pferdefleisch kam aus niederländischen Lagerhäusern und stammte von rumänischen Schlachthöfen. Von Spanghero aus wurde es mit einer Rindfleisch-Kennzeichnung an den französischen Tiefkühlkosthersteller Comigel weitergeleitet, der in Luxemburg daraus Fertiggerichte wie Lasagne oder Moussaka herstellte.

          Hamon warf Spanghero Betrug vor, machte aber auch dem Management von Comigel Vorwürfe. Das Unternehmen hätte eine fehlerhafte Auszeichnung und das Pferdefleisch bei der Verarbeitung an Geruch und Farbe erkennen können. Spanghero stritt die Vorwürfe ab.

          Deutsche Verbraucher lassen sich unterdessen vom regulären Kauf von Pferdefleisch nicht abhalten. „Unsere Kunden kommen sogar aus Mainz angefahren“, berichtet Klaus Schneider, Pferdemetzger aus dem fränkischen Krombach, auf einem Frankfurter Markt. Der jüngste Skandal habe das Geschäft nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil: Schneider verzeichnete zuletzt sogar ein etwas lebhafteres Geschäft. „Viele Kunden haben sich wieder daran erinnert, dass ihnen früher Pferdefleisch ganz gut geschmeckt hat.“

          Pferdefleisch gilt, wenn es nicht durch Schadstoffe oder Medikamentenrückstände verunreinigt ist, als gesund und bekömmlich. Die Tiere haben sich im Gegensatz zur Mastviehhaltung viel bewegt, so dass die Muskulatur ähnlich wie Wildbret gut durchblutet und das Fleisch mager ist. In einigen europäischen Ländern, darunter Frankreich und Belgien, liegt der Verbrauch mit rund einem Kilogramm je Kopf und Jahr etwa zwanzigmal so hoch wie in Deutschland.

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