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Nobelpreisträger zur Hausen : Warum haben Inder so selten Darmkrebs?

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Sind europäisch-asiatische Rinder mit Viren infiziert, die für uns gefährlich werden können? Bild: dpa

Könnte es am Rindfleisch liegen? Der Heidelberger Virologe und Nobelpreisträger Harald zur Hausen über seine Jagd nach Krankheitserregern und erste Hinweise auf neue Tumorviren.

          FRAGE: Wer viel rotes Fleisch isst, hat ein erhöhtes Risiko an bestimmten Krebsarten zu erkranken - das wird seit einiger Zeit diskutiert. Wie sind sie aber auf die Idee gekommen, dass dafür Viren verantwortlich sein könnten?

          ANTWORT: Wir beschäftigen uns jetzt seit einer Weile sehr intensiv mit dieser Frage. Beim Menschen finden wir eine Reihe von Virusinfektionen, die, soweit man das bis jetzt sagen kann, keinen Krebs verursachen. Wenn diese Viren aber in eine andere Spezies übertragen werden, in denen sie sich nicht vermehren können, dann werden sie karzinogen. Das ist ein charakteristisches Kennzeichen - nicht aller, aber der meisten Tumorviren, die wir bis jetzt kennen. Das war der Ausgangspunkt der Idee, dass bei Tieren auch solche Virusinfektionen vorliegen könnten, die bei ihnen selbst nicht kanzerogen sind, die aber, wenn sie auf den Menschen übertragen werden, unter Umständen Krebs auslösen können.

          Harald zur Hausen in seinem Labor am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

          FRAGE: Sie haben in der Vergangenheit besonders auf die Risiken von Rindfleisch hingewiesen . . .

          ANTWORT: Darauf sind wir durch die geographische Epidemiologie verschiedener Krebsarten, besonders von Dickdarmkrebs, gekommen. Diese Krankheit ist in Ländern, in denen viel Rindfleisch gegessen wird, stark verbreitet. Indien hat dagegen die niedrigste Darmkrebsrate weltweit - hier wird kaum Rindfleisch verzehrt. Es gibt hier allerdings drei Regionen, in denen der Dickdarmkrebs etwas stärker vertreten ist: Kerala im Südwesten - eine Provinz, in der viele Muslime und Christen leben - da kriegen Sie auch im Restaurant Rindfleisch. Und zwei Regionen im Nordwesten und Nordosten, wo relativ viele Chinesen leben, die viel getrocknetes Rindfleisch essen. Interessant sind in diesem Kontext auch Japan und Korea: Vor dem Zweiten Weltkrieg war Dickdarmkrebs hier sehr selten. Nach dem Krieg wurden große Mengen Rind aus dem Ausland eingeführt, seitdem ist es dort sehr beliebt. In Japan wurde Sashimi früher nur aus Fisch hergestellt, heute werden auch oft rohe Rindfleischscheiben angeboten. In Korea ist dagegen Yukhoe populär geworden, ein grobes Tartar mit Eidotter und Gemüse. Inzwischen gehören die beiden Länder zu den Hochrisikogebieten für Dickdarmkrebs.

          FRAGE: Also ist nicht jede Art von rotem Fleisch gleich riskant?

          ANTWORT: Das lässt sich sehr schön am Beispiel der Mongolei erkennen: Hier wird viel rohes rotes Fleisch verzehrt, das stammt aber von „Yaks“, Hammeln, Ziegen, Pferden und Kamelen. Das Risiko, in der Mongolei an Dickdarmkrebs zu erkranken, ist ähnlich niedrig wie in Indien. Auch in Afrika, wo in erster Linie Zebu-Rinder gehalten werden, ist dieser Krebs selten. Wir kamen daher zu der Arbeitshypothese, dass hier ein spezifischer Faktor im Fleisch des europäisch-asiatischen Rinds vorliegt.

          FRAGE: Könnte es sich bei diesem Faktor nicht auch um die krebsauslösenden Stoffe handeln, die beim Braten entstehen?

          ANTWORT: Beim roten Fleisch wurde immer damit argumentiert, dass die Kanzerogene, die beim Grillen und Braten entstehen, für das erhöhte Krebsrisiko verantwortlich sind. Das ist zwar korrekt, die entstehen wirklich, das ist nachgewiesen. Wenn Sie aber Geflügel oder Fisch grillen, finden Sie darin die gleichen chemischen Kanzerogene, zum Teil sogar in etwas höheren Konzentrationen. Hühnerfleisch erhöht das Krebsrisiko jedoch nicht, Fisch scheint sogar einen gewissen schützenden Effekt zu haben. Insofern sagt das eigentlich schon aus, dass die Kanzerogene allein offensichtlich nicht ausreichend sind, um Krebs auszulösen.

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