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Neues Auktionshaus : Zuwachs für die Schweiz

  • -Aktualisiert am

Mit der Versteigerung von Ankers„Schulmädchen“ für 4,6 Millionen Franken (Taxe 1,2 bis 1,5 Millionen) 2011 ist Beurret & Bailly ein Coup zum Einstieg gelungen Bild: Beurret & Bailly

Das Auktionshaus Beurret & Bailly in Basel ist mit einem Weltrekord für Albert Ankers „Schulmädchen“ gestartet - wer steckt hinter diesen Namen?

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          Am Nachmittag des 18. Juni 2011 staunten Schweizer Kunsthändler und Sammler nicht schlecht: Das erst vier Monate zuvor in Basel gegründete Auktionshaus Beurret & Bailly konnte einen Weltrekord vermelden. Und nicht ein drittrangiger Künstler stand im Rampenlicht, sondern Albert Anker, der marktbeherrschende Schweizer Maler des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Aufgerufen wurde das mittelformatige Ölgemälde „Schulmädchen bei den Hausaufgaben“, das Anker 1879 vollendet hatte. Eigentlich handelt es sich um ein typisches Sujet des aus Ins stammenden Künstlers, das in der Katalogabbildung an ähnliche Arbeiten, die regelmäßig in Versteigerungen auftauchen, erinnerte.

          Doch Nicolas Beurret, zusammen mit Emmanuel Bailly Gründer und Inhaber des neuen Schweizer Auktionshauses, berichtet noch heute geradezu elektrisiert davon, welche Wirkung das Original auf die Besucher der Vorbesichtigung hatte. Er machte eine besondere Wirkung aus, die sich erst in der Betrachtung des Bildes im Original entfaltete und ganz offenbar die Versteigerung beflügelte. Aus den geschätzten 1,2 bis 1,5 Millionen wurden binnen weniger Minuten 4,6 Millionen Franken, was ebenjenen Weltrekord für ein Gemälde Albert Ankers in einer Auktion bedeutete. Bessere Werbung gibt es für ein Auktionshaus kaum, denn der Höchstzuschlag für diesen Anker machte in der gleichermaßen diskreten wie geschwätzigen Branche schnell die Runde.

          Mit umfassender Berufserfahrung

          Dass die Marke bereits im November des vergangenen Jahres und dann noch einmal im Dezember von der Schweizer Konkurrenz neu gesetzt wurde, ist dabei nicht einmal eine schlechte Nachricht. Zuerst erzielte Sotheby’s 6,1 Millionen Franken für Ankers „Strickendes Mädchen, Kleinkind hütend“; dann legte Koller imposant nach und notierte 7,6 Millionen für „Die ältere Schwester“. Beurret & Bailly haben jedoch gleich in ihrer Jungfernauktion bewiesen, dass sie das Potential haben, den Schweizer Markt auch in seinem Spitzensegment mitzubestimmen.

          In der zweiten Auktion, die am 23. Juni folgte, lag die Messlatte hoch. Denn nichts ist schwieriger, als das selbst vorgegebene Höchstniveau zu halten oder gar zu überbieten. Die Auktionatoren Emmanuel Bailly und Nicolas Beurret sind keine Unbekannten im internationalen Kunstmarkt. Der kaufmännisch ausgebildete Beurret, Jahrgang 1959, wuchs in der Nähe von Basel auf und verdiente sich seine Sporen während zwei Jahrzehnten bei den englischen Auktionshäusern Sotheby’s und Phillips de Pury.

          Seine Schreibtische standen in Genf, London und Zürich, und er kolportiert durchaus zwiespältige Erinnerungen an seine aufregenden, aber auch einsamen Jahre als Akquisereisender auf der Suche nach herausragenden Kunstobjekten in ganz Europa. Schon in dieser Zeit lernte er seinen heutigen Geschäftspartner kennen. Emmanuel Bailly, 1971 in Nancy geboren, profitiert von einer dualen akademischen Ausbildung, ist sowohl Jurist als auch Kunsthistoriker und hat durch seine langjährige Arbeit in Paris, dort für Calmels-Chambre-Cohen, und in Bern besonders intensive Beziehungen zu den Märkten in Frankreich und der frankophonen Schweiz.

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