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: Vereinsamte Planeten Die Opfer von engen

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Als die Internationale Astronomische Union vor fünf Jahren in Prag eine neue Planetendefinition formulierte, beschränkte man sich nicht ohne Grund auf die Mitglieder unseres Sonnensystems. Auf eine andere Planetenklasse - die Exoplaneten, ...

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          Als die Internationale Astronomische Union vor fünf Jahren in Prag eine neue Planetendefinition formulierte, beschränkte man sich nicht ohne Grund auf die Mitglieder unseres Sonnensystems. Auf eine andere Planetenklasse - die Exoplaneten, die sich auf Bahnen um andere Sterne bewegen - ist diese Definition nur begrenzt übertragbar. Jetzt beschreiben zwei Forschergruppen in der Zeitschrift "Nature" (Bd. 473, S. 349) die Entdeckung einer weiteren Klasse von Objekten mit einer vergleichbaren Masse - "Planeten", die jegliche Bindung an einen Stern verloren haben könnten.

          Aufgestöbert wurden diese vorläufig als "einsame Planeten" apostrophierten Objekte durch ihre Wirkung als sogenannte Mikrogravitationslinsen. Wenn von der Erde aus gesehen ein genügend massereiches Objekt vor einem weiter entfernten Stern herzieht, wirkt sein Schwerefeld wie eine Linse. Es bündelt dessen Licht und sorgt damit für einen vorübergehenden Helligkeitsanstieg. Aus Größe und Dauer der Helligkeitsänderung lassen sich Angaben über die Masse des Vordergrundobjektes ableiten. Ein Stern von etwa Sonnenmasse würde rund 30 Tage lang heller erscheinen, ein planetenähnlicher Körper dagegen nur etwa ein bis zwei Tage lang.

          Anhand entsprechender Signale haben die an den Projekten "Microlensing Observations in Astrophysics" (MOA) und "Optical Gravitational Lensing Experiment" (Ogle) beteiligten Forschergruppen seit 2004 insgesamt zwölf mutmaßliche Exoplaneten gefunden - jeweils als zusätzliche kleinere und deutlich kürzere Aufhellung während einer größeren, vom jeweiligen Zentralstern verursachten Helligkeitsänderung. Wie sie nun berichten, fanden sie in zehn weiteren Fällen keine derartigen Hinweise auf benachbarte Sterne, obwohl die Daten darauf hindeuten, dass es sich bei den Mikrogravitationslinsen um Objekte mit Massen handelt, die ungefähr zwischen der Saturn- und der rund dreifachen Jupitermasse liegen.

          Aufgrund umfangreicher statistischer Betrachtungen und Simulationsrechnungen kommen die beteiligten Astronomen zu dem Schluss, dass die Gesamtzahl solcher einsamen Planeten innerhalb der Milchstraße etwa eineinhalb bis zweimal so groß sein dürfte wie die Zahl der sonnenähnlichen Sterne. Wären es deutlich weniger, könnten sie kaum so viele Ereignisse registriert haben.

          Natürlich müssen auch diese Objekte ihren Ursprung in den üblichen protoplanetaren Scheiben um heranwachsende Sterne haben. Es erscheint plausibel anzunehmen, dass sie in einer frühen Entwicklungsphase des ursprünglichen Planetensystems durch die Bahnstörungen eines zweiten, ähnlich massereichen Objektes aus dem System herauskatapultiert wurden, während der jeweilige Gegenspieler auf eine sternnahe Bahn gelangte. Ein solches Szenario böte darüber hinaus eine bislang kaum bedachte Erklärung für die große Zahl der als "Heiße Jupiter" bezeichneten Exoplaneten, die als massereiche Gasplaneten ihren Zentralstern innerhalb weniger Tage umrunden.

          Hermann-Michael Hahn

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