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Tiefenhirnstimulation : Wenn Drähte die Depression dämpfen

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Übrprüfung der Positionierung der Elektroden eines Hirnschrittmachers, in diesem Fall für einen Parkinsonpatienten Bild: Forschungszentrum Jülich

Mit Elektroden ins Gehirn: Das Experimentieren an Psychiatriepatienten geht weiter - erfolgreich, wie auf dem AAAS-Kongress in Washington jetzt gezeigt werden sollte.

          Die Diskussion will nicht enden. Soll man in das Gehirn von schwer depressiven Menschen Elektroden verpflanzen und per Elektroschocks therapieren? Es spreche immer mehr dafür, dass Tiefenhirnstimulation tatsächlich ein Ausweg für therapieresistente Depression sein könnte, glauben die Hirnforscher um Helen Mayberg von den Universitäten Atlanta und Toronto. Auf der diesjährigen Tagung der American Association for the Advancement of Sciences (AAAS) in Washington präsentierte Mayberg die Langzeitergebnisse drei bis sechs Jahre nach Elektrodenimplantation bei zwanzig hochgradig depressiven Patienten. Allerdings dürften auch die Erfahrungen aus diesen Behandlungsversuchen kaum geeignet sein, die Kritiker in den eigenen Reihen verstummen zu lassen. Seit einigen Jahren nämlich werden von Psychiatern und Neurologen, die solche oft als "Hirnschrittmacher" bezeichneten Medizingeräte implantieren, vermehrt psychische Komplikationen bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen berichtet. Ausgerechnet auch Depressionen sind unter den möglichen Nebenwirkungen immer wieder zu finden.

          Bereits kurz nach Beginn der Tiefenhirnstimmulation will die Gruppe um Mayberg bei etwa zwei Drittel der Patienten einen "signifikant verbesserten Zustand" festgestellt haben. Heute, mehrere Jahre später, zeigen sich offensichtlich immer noch ähnliche Ansprechraten von etwa zwei Dritteln - was zumindest gegen einen Gewöhnung und Toleranzerhöhung in Bezug auf die Elektroimpulse spricht. "Zudem konnten wir eine Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands der Patienten und eine mittlerweile erfolgreichere Wiedereingliederung der Patienten in die Gesellschaft beobachten", sagt Mayberg. Mehr als die Hälfte der Patienten haben in Mybergs Studie nach der Implantation wieder ihre Arbeit aufgenommen.

          Positionierung reversibel

          Chirurgische Behandlungen von Erkrankungen des Gehirns waren bis vor wenigen Jahren auf Bewegungsstörungen wie das Zittern bei Parkinson begrenzt. Auf diesem Gebiet hatte sich die Tiefenhirnstimulation weltweit durchgesetzt. Mittlerweile stehen auf der Experimentierliste der Therapeuten freilich noch einige andere psychiatrischen Krankheiten: Neben Depression vor allem Epilepsie, Zwangsstörungen und Tourette Syndrom.

          Zur Tiefenhirnstimulation müssen jeweils eine Millimeter dicke Elektrode pro Hirnhälfte implantiert werden, betrieben durch einen kleine Batterie, die einem Herzschrittmacher ähnelt. Durch Läsionsstudien aus den fünfziger und sechziger Jahren wusste man schon früh, wo die Elektroden eingesetzt werden müssen, um ähnliche Effekte wie die zuvor erforschten Läsionen zu erzielen. Der Vorteil der Elektroden ist, dass die Implantation reversibel ist - sind die Drähte falsch platziert, ist das betroffene Hirnareal nicht für immer zerstört, sondern die Elektrode kann in einem neuen Versuch umgelegt werden.

          Bei der Behandlung von Depressionen platziert man die Elektrode in der vorderen Capsula interna oder dem Nucleus accumbens, beides Regionen die dem limbischen System und damit der Emotionsverarbeitung zugeordnet sind. Interessanterweise implantiert man die Elektroden in die gleichen Hirngebiete wie auch bei Zwangs- und Angsterkrankungen. Mayberg und verwandte Forscher erklären das dadurch, dass bei den genannten Erkrankungen gleiche Regelkreise gestört sind, nur auf unterschiedliche Weise.

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