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: Hightech-Metalle leichtsinnig zerstäubt

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Werden Handys, Solarzellen und hocheffiziente Elektromotoren zu Auslaufmodellen? Ist der technische Wandel durch Engpässe in der Rohstoffversorgung bedroht? Die meisten Menschen werden auf diese Fragen mit Verwunderung reagieren und sie verneinen.

          Werden Handys, Solarzellen und hocheffiziente Elektromotoren zu Auslaufmodellen? Ist der technische Wandel durch Engpässe in der Rohstoffversorgung bedroht? Die meisten Menschen werden auf diese Fragen mit Verwunderung reagieren und sie verneinen. Denn den wenigsten ist bewusst, wie stark viele moderne Techniken und Produkte von bestimmten Ressourcen abhängen. Damit sind nicht die Energierohstoffe Kohle, Erdöl und Erdgas gemeint, deren begrenzte Verfügbarkeit die industrielle Gesellschaft heutigen Zuschnitts ebenfalls bedroht. Vielmehr geht es um Metalle wie Gallium, Neodym, Indium oder Scandium, die die stoffliche Basis für viele Hightech-Produkte darstellen. Wie eine vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Studie nun herausstellt, droht eine Kluft zwischen Bedarf und Verfügbarkeit der Metalle. "Eine Reihe von Zukunftstechnologien ist auf bestimmte seltene Metalle so stark angewiesen, dass ihr massenhafter Ausbau durch Rohstoffengpässe bedroht ist", warnt Lorenz Erdmann vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, das gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung die Studie angefertigt hat.

          Metalle wie Gallium oder Neodym waren lange Zeit nur für wenige Spezialanwendungen interessant. Die moderne Materialforschung hat jedoch neue Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten dieser Hightech-Metalle und ihrer Verbindungen entdeckt. Gallium ist die Basis für Dünnschicht-Solarzellen, integrierte Schaltungen und weiße LEDs, Neodym-Magnete stecken in Elektromotoren von Hybridfahrzeugen. In der knapp 400 Seiten starken Studie analysieren die Physiker und Ingenieure, wie moderne Entwicklungen in Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Maschinenbau oder bei optischen Techniken sowie der Informations- und Kommunikationstechnik auf bestimmte Metalle angewiesen sind. Durch die steigende Nachfrage nach Brennstoffzellen, Mikroelektronik oder Hybridautos könnten sich in den kommenden zwanzig Jahren Engpässe ergeben, die für Deutschland besonders einschneidend seien, so die Autoren. Denn die Bundesrepublik ist einer der größten Rohstoffverbraucher weltweit und bei Metallen beinahe komplett importabhängig. Die weitere Entwicklung von Zukunftstechniken und der Export der Hightech-Produkte, der zum Wohlstand Deutschlands beiträgt, sind abhängig von der Verfügbarkeit entsprechender Rohstoffe.

          Der Studie zufolge wird der Galliumbedarf in zwanzig Jahren voraussichtlich das Sechsfache der heutigen Minenproduktion betragen. Bei Neodym rechnen die Forscher mit einer Nachfrage, die fast viermal so groß ist wie die jetzt abgebaute Menge. Besonders kritisch ist die Situation, wenn die Rohstoffe nur in einer kleinen Zahl von Ländern vorkommen, die zudem in politisch instabilen Regionen liegen. Ein Beispiel dafür ist das Metall Tantal, aus dem besonders kleine und leistungsfähige Kondensatoren für Autos, Computer oder Mobiltelefone gebaut werden. Tantalvorkommen gibt es nur in wenigen Ländern, vor allem in Brasilien und Australien. Aus der australischen Mine Wodgina kamen zuletzt dreißig Prozent des Weltbedarfs an Tantal. Doch im vergangenen Dezember stellte man den Abbau ein. Als Grund wurde unter anderem die konkurrierende Produktion in Zentralafrika, vor allem in der Demokratischen Republik Kongo, genannt. Die entsprechenden Vorkommen sind zwar nicht riesig, aber das auch als Coltan bekannte Tantalerz wird dort unter primitiven Bedingungen oder sogar illegal abgebaut und billig auf den Weltmarkt gebracht. Abgesehen davon, dass mit dem Erlös aus dem Coltanabbau der Bürgerkrieg in Zentralafrika finanziert wird, sieht Versorgungssicherheit anders aus.

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