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Nach dem Chefwechsel : Opel ringt um neuen Sanierungsplan

  • -Aktualisiert am

Kaum Rettung in Sicht: Ob der Opel Corsa noch lange in Eisenach vom Band läuft, ist unklar Bild: dapd

Bei Opel wächst nach dem Chefwechsel die Unsicherheit. Neben Bochum gilt auch das Werk Eisenach als gefährdet. Den neuen Opel-Chef erwartet eine extrem schwierige Aufgabe.

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          Nur zwei Wochen ist es her, dass der Opel-Aufsichtsrat einen neuen Sanierungsplan bewilligt hat. Doch schon könnte das Papier wieder Makulatur werden. Nach dem überstürzten Rücktritt von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke am Donnerstag steht alles auf dem Prüfstand. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall führt bis auf weiteres der Vizechef des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors (GM), Stephen Girsky, der dem Opel-Aufsichtsrat vorsitzt. Erst in einigen Tagen soll das Kontrollgremium einen kommissarischen Nachfolger für den Posten des Vorstandschefs küren. Voraussichtlich wird dies der im Vorstand für die Strategie verantwortliche Sanierungsberater Thomas Sedran sein.

          Den neuen Opel-Chef erwartet eine extrem schwierige Aufgabe. Der Absatz des Unternehmens ist in den ersten fünf Monaten des Jahres in Europa um weitere 15 Prozent gesunken. Während der erfolgreiche VW-Konzern seine Verkäufe in der ersten Jahreshälfte um 9 Prozent steigerte, erreichte Opel mit 380.000 Neuwagenverkäufen gerade noch 6,7 Prozent Marktanteil. Das Rüsselsheimer Unternehmen leidet wie andere Massenhersteller auch stark unter der Absatzkrise in Europa, weil die Marke Opel in Übersee so gut wie nicht verkauft wird.

          Für das laufende Jahr droht Opel der sechste Milliardenverlust hintereinander. Da auch für die kommenden Jahre keine Erholung des Marktes erwartet wird, will GM nun die Kapazitäten bei Opel, die nur zu zwei Dritteln ausgelastet arbeiten, an die verringerte Nachfrage anpassen. Als beschlossene Sache gilt schon die Schließung des Werks in Bochum mit 3200 Beschäftigten Ende 2016.

          Eisenach auf der Kippe

          Darüber hinaus steht jetzt auch noch das Werk in Eisenach mit 1700 Beschäftigten auf der Kippe, wie aus Kreisen des Betriebsrats berichtet wird. An dem thüringischen Standort wird der Kleinwagen Corsa produziert. Normalerweise wird dieses Modell vor allem in Südeuropa verkauft. Doch gerade dort sind die Märkte wegen der steigenden Arbeitslosigkeit geschrumpft. Langfristig könnte deshalb das deutlich größere Opel-Werk im spanischen Saragossa die gesamte Corsa-Produktion auf sich vereinen. Kurzfristig wird in Eisenach allerdings von Anfang 2013 an der gerade erst neu entwickelte Kleinstwagen Opel Adam vom Band laufen.

          Während GM noch nach einem neuen Opel-Chef sucht, warnten Arbeitnehmervertreter vorsorglich vor weiteren Einschnitten. „Entscheidend für die Belegschaften wird sein, dass der dringend notwendige Wachstumskurs umgesetzt wird und keine Kahlschlagpolitik erfolgt“, erklärte der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel. Auch Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) pochte auf Einhaltung des beschlossenen Sanierungsplans. Der Abgang von Stracke sei zwar „eine Entscheidung allein von Opel“, sagte Machnig. Er erwarte aber, dass die Beschlüsse des Aufsichtsrats vom Juni weiterhin Bestand hätten und die Grundlage für die künftige Opel-Strategie bildeten.

          „Es geht um nicht weniger als die Zukunft von Opel insgesamt“, mahnte auch IG-Metall-Chef Berthold Huber. „Entschlossen und zielstrebig“ müsse GM nun an der Zukunft von Opel arbeiten und die notwendigen Schritte einleiten, forderte er. Für die Arbeitnehmerseite sei dabei nur ein Zukunftskonzept tragfähig, „das keine Schließung von Standorten vorsieht und die Belegschaften mit ihrer Kompetenz beteiligt“.

          Auch beim Opel-Partnerunternehmen PSA Peugeot Citroën spitzt sich die Lage zu. Mit Demonstrationen und Arbeitsniederlegungen haben die Mitarbeiter des angeschlagenen französischen Autoherstellers am Freitag auf die Ankündigung des Managements reagiert, in Frankreich 8000 Stellen streichen zu wollen. Der Konzern schloss erstmals auch Entlassungen nicht aus, sollten nicht genug Mitarbeiter freiwillig ausscheiden oder andere Funktionen übernehmen. Im Werk in Aulnay-sous-Bois bei Paris mit seinen mehr als 3000 Mitarbeitern, in dem 2014 die Produktion ganz eingestellt werden soll, standen die Bänder still.

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