https://www.faz.net/-1v0-vcfp

Motortechnik : Die Zukunft gehört dem Magerbetrieb

  • -Aktualisiert am

Auch die Japaner setzen auf Direkteinspritzung. Toyota hat für die beiden Lexusmodelle GS 450h und LS 460 eine kombinierte Form der Gemischaufbereitung gewählt. Bei geringer und mittlerer Last ergänzt eine zusätzliche Saugrohreinspritzung den direkt zugeführten Kraftstoff, was zu einer besseren Gemischbildung und niedrigeren Abgasemissionen führen soll. Bei hoher Last übernimmt dann die Direkteinspritzung allein die Kraftstoffversorgung. Auch die Toyota-Lösung arbeitet grundsätzlich mit homogenem Gemisch, so dass sich das Einsparpotential in Grenzen hält.

Hohe Abdeckung des Lastbereichs

Nur die in einem größeren Betriebsbereich mager laufenden Einspritzsysteme lassen auch in der Praxis jene Verbrauchsvorteile (bis zu 15 Prozent) erwarten, die Hersteller wie Zulieferer propagieren. Die neue, strahlgeführte Einspritztechnik kann das. Erstmals hat Mercedes-Benz im Jahr 2006 diese auch zweite Generation genannte Direkteinspritzung (zunächst nur) beim viertürigen Coupé CLS 350 CGI eingeführt. Bei BMW wurden mittlerweile die Vier- und Sechszylindermotoren (mit Ausnahme des Biturbo) auf diese Technik umgestellt, was natürlich von Vorteil für den Flottenverbrauch ist. Gemeinsame Merkmale der von Bosch und Siemens/VDO nahezu gleichzeitig entwickelten Systeme sind der hohe Einspritzdruck (200 bar) und die annähernd in Brennraummitte eng neben der Zündkerze installierten Piezo-Injektoren.

Sie spritzen, dank der äußerst dynamischen Piezo-Technik schnell und präzise gesteuert, kegelförmig ab, was zu einer sicheren Kerzenbenetzung mit brennbarem Gemisch führt. Auch Mehrfacheinspritzung im Schichtladebetrieb ist möglich. Für gute Zerstäubung sorgt der hohe Einspritzdruck. Die strahlgeführte Gemischbildung garantiert ein stabiles Brennverfahren, das in einem breiten Lastbereich den sparsamen Magerbetrieb ermöglicht. Mercedes deckt damit fast 50 Prozent des Lastbereichs ab, BMW hat die Nutzung der Schichtladung noch höher getrieben.

Die Kosten sind das größte Hindernis

Der Verbrauchsvorteil im EU-Testzyklus beträgt je nach Fahrzeuggewichtsklasse zwischen zehn und 15 Prozent und lässt sich dank der Ausweitung des Schichtladebetriebs auch im Alltag nachvollziehen. Denn im unteren Lastbereich läuft der Motor mager, nur durch die Kraftstoffmenge geregelt, und verzichtet auf die schädliche Drosselung. Beim Mercedes CLS 350 CGI sinkt der Gesamtverbrauch im EU-Test von 10,1 auf 9,1 Liter je 100 Kilometer. BMW kommt im 530i auf hervorragende 7,5 Liter, unterbietet damit den Vorgänger um zwölf Prozent und liegt mit diesem Verbrauchswert (entsprechend 178 Gramm CO2) sogar unter dem vielgerühmten Lexus GS 450h (7,9 Liter; 186 g CO2), einem Vollhybrid reinsten Wassers.

Was also hindert die Automobilindustrie daran, die strahlgeführte Direkteinspritzung auf breiter Front einzusetzen? In erster Linie die hohen Kosten. Aufwendige Einspritzventile, hoher elektronischer Regelaufwand und der immer noch sehr teure Denox-Kat bremsen die massenhafte Verbreitung. Aber mit zunehmender Stückzahl werden auch die Komponentenkosten sinken, so dass die Zukunft sparsamen Direkteinspritzern mit Schichtladung gehört. Bei BMW und Mercedes kann man sie jetzt schon kaufen.

Topmeldungen

Wahl in Thüringen : Die AfD und die Abgehängten

Björn Höcke ist unter den thüringischen Wählern nicht gerade beliebt. Viele wollen ihre Stimme trotzdem der AfD geben. Ein Besuch in einer ihrer Hochburgen.