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: Mindestens 57 Tote bei Gefechten in Nadschaf

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rüb. WASHINGTON, 27. April. Bei schweren Gefechten im Nordosten der Stadt Nadschaf im Mittelirak sind in der Nacht zum Dienstag 57 irakische Aufständische getötet worden. Das sagte der Sprecher der Koalitionstruppen im Irak, der amerikanische Brigadegeneral Mark Kimmitt, in Bagdad.

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          rüb. WASHINGTON, 27. April. Bei schweren Gefechten im Nordosten der Stadt Nadschaf im Mittelirak sind in der Nacht zum Dienstag 57 irakische Aufständische getötet worden. Das sagte der Sprecher der Koalitionstruppen im Irak, der amerikanische Brigadegeneral Mark Kimmitt, in Bagdad. Über eigene Verluste oder Verwundete unter den amerikanischen Truppen berichtete Kimmitt zunächst nichts. Zu den Kämpfen sei es gekommen, als die in die Positionen der abziehenden Spanier einrückenden amerikanischen Soldaten beschossen worden seien. Daraufhin habe man die Stellungen der Aufständischen, bei denen es sich um Mitglieder der Mahdi-Miliz des radikal-islamischen Schiitenführers Muqtada al Sadr gehandelt habe, mit schweren Waffen und mit Luftunterstützung beschossen. Dabei sei auch eine Stellung mit Luftabwehrraketen zerstört worden, sagte Kimmitt. Der arabischsprachige Nachrichtensender Al Dschazira berichtete von vielen getöteten Zivilisten in Nadschaf. Der Chef der amerikanisch geführten Zivilverwaltung im Irak, Paul Bremer, hatte am Montag abend von einer "gefährlichen Situation" in Nadschaf gesprochen. Die Mahdi-Milizen, die seit Wochen Teile der Stadt kontrollieren, brächten Waffen und Munition in Moscheen, heilige Schreine und Schulen. Offenbar versuchen die amerikanischen Truppen, den Belagerungsring um die den Schiiten heilige Stadt Nadschaf enger zu ziehen. Al Sadr wird bezichtigt, hinter dem Mord an dem hohen schiitischen Geistlichen Abdul Madschid al Khoi im April 2003 zu stecken, und soll deshalb festgenommen und vor Gericht gestellt werden.

          In der von sunnitischen Aufständischen kontrollierten Stadt Falludscha westlich von Bagdad blieb es am Dienstag überwiegend ruhig. Bei den Gefechten am Vortag waren zwei amerikanische Marineinfanteristen getötet worden. Die für Dienstag geplante Aufnahme gemischter Patrouillen von irakischen Sicherheitskräften und amerikanischen Soldaten in der Hochburg des sunnitischen Widerstands wurde wegen der anhaltenden Spannungen verschoben.

          Am Sitz des UN-Sicherheitsrates in New York wollte der Sonderbeauftragte von UN-Generalsekretär Kofi Annan für den Irak, Lakhdar Brahimi, am Dienstag seinen Plan für die Übergabe der Regierungsverantwortung an die Iraker zum 30. Juni vorstellen. Nach Brahimis Plänen soll das Interimskabinett von einem Ministerpräsidenten, einem Staatspräsidenten und zwei Vizepräsidenten oder stellvertretenden Regierungschefs geführt werden. Brahimis Rückkehr in den Irak wird für Anfang Mai erwartet. Unterdessen bemüht sich das amerikanische Außenministerium um eine neue Resolution des UN-Sicherheitsrates zum Irak. Die Resolution soll dem Sicherheitsrat vorgelegt werden, nachdem Brahimi einen möglichst breiten Konsens unter den wesentlichen politischen und religiösen Führern im Irak über die Bildung einer irakischen Interimsregierung erreicht hat. (Fortsetzung Seite 2.)

          Unklar ist, ob es nach dem formalen Ende der amerikanischen Besatzung zum 30. Juni eine von den bisher im Irak stationierten Koalitionstruppen getrennte Friedensmacht der UN oder der Nato im Irak geben soll. Trotz der militärischen Lage wollen auch die Mitglieder des von der zivilen Übergangsverwaltung eingesetzten irakischen Übergangsrates an der Machtübergabe an die Iraker zum 30. Juni festhalten. "Es ist sehr wichtig, daß das irakische Volk die volle Souveränität erhält", sagte die Ministerin für öffentliche Arbeiten, Nesrin Berwari, in Bagdad.

          Unterdessen fand der vom Übergangsrat in Auftrag gegebene und beschlossene Entwurf für eine neue irakische Flagge im Irak und auch bei internationalen Fachleuten keine enthusiastische Aufnahme. Die Flagge besteht aus einem weißen Hintergrund, zwei hellblauen und einem gelben Streifen am unteren Ende und einem muslimischen Halbmond ebenfalls in blauer Farbe im Zentrum. Die beiden blauen Streifen sollen die Flüsse Euphrat und Tigris symbolisieren, der gelbe Streifen erweist der kurdischen "Nationalfarbe" Gelb Referenz. Die Flagge erinnere an die israelische Flagge, die ebenfalls an zentraler Stelle vor weißem Hintergrund den David-Stern zeige. Statt dessen fehlten die "arabischen" Farben schwarz und rot, auch das "muslimische" Grün werde vernachlässigt. In Spanien teilte Ministerpräsident Zapatero im Parlament mit, der spanische Truppenabzug werde bereits am 27. Mai abgeschlossen sein. Die Volkspartei des abgewählten Ministerpräsidenten Aznar legte ein Veto ein, um die für Dienstag abend geplante Abstimmung über den Rückzug der spanischen Truppen aus dem Irak zu verhindern. Sie habe keinen Sinn, weil der Abzug längst im Gang sei, sagte der ehemalige Innenminister Acebes. In London bekräftigte Premierminister Blair, seine Regierung plane nicht, weitere Truppen in den Irak zu verlegen. Nach derzeitigem Kenntnisstand sei die britische Truppenstärke ausreichend, sagte Blair nach einem Treffen mit Italiens Ministerpräsident Berlusconi.

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