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: Milliardenverluste in der Altersvorsorge

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jpen. Frankfurt, 27. Dezember Durch mangelhafte Beratung und unzureichenden Verbraucherschutz verlieren Verbraucher, die privat für das Alter vorsorgen, ...

          jpen. Frankfurt, 27. Dezember Durch mangelhafte Beratung und unzureichenden Verbraucherschutz verlieren Verbraucher, die privat für das Alter vorsorgen, jährlich mindestens 50 Milliarden Euro. Diesen Schaden hat der Bamberger Finanzwissenschaftler Andreas Oehler in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie errechnet, die die Bundestagsfraktion der Grünen in Auftrag gegeben hat (F.A.Z. vom 27. Dezember). Die Summe setzt sich aus Einbußen für Verbraucher zusammen, die mit Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen, Riester-Renten oder mit Finanzprodukten des „grauen“ Kapitalmarktes sparen. Von der Versicherungswirtschaft werden die Zahlen als falsch zurückgewiesen.

          Der Wissenschaftler der Universität Bamberg hat Untersuchungen der Stiftung Warentest und der Verbraucherzentralen ausgewertet. Demnach gehen allein den Bürgern, die mit Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen vorsorgen, jährlich 16 Milliarden Euro verloren, weil sie die Verträge vor ihrem regulären Ablauf kündigen müssen. Für einen erheblichen Anteil der Kunden seien die finanziellen Belastungen nicht über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren planbar. „Dies wissen die anbietenden Unternehmen, Berater oder Vermittler grundsätzlich nur zu gut“, schreibt Oehler. Bei Kündigungsquoten von 55 bis 75 Prozent seien Verluste absehbar. Abschluss-, Vertriebskosten sowie Provisionen würden den Aufbau eines Sparanteils erheblich verzögern. Der Wissenschaftler kritisiert, dass die Verbraucher nicht deutlicher über die Beträge informiert werden, die ihnen verlorengehen können. Den Kunden selbst fehle oft die Expertise, um die Produkte richtig zu beurteilen.

          Teuer zu stehen kommen Verbraucher demnach auch staatlich geförderte Riester-Renten. Die Kosten durch „überteuerter Produkte, ungeeignete Produktwahl und entgangene Zulagen“ summierten sich auf eine Milliarde Euro im Jahr. Die höchsten Verluste erleiden der Studie zufolge Menschen, die mit Produkten des weniger regulierten „grauen“ Pflegemarktes ihre Rente aufbessern wollen. Unter anderem mit Beteiligungen an offenen Immobilienfonds und Termingeschäften auf Rohstoffe würden künftige Ruheständler jährlich 30 Milliarden Euro verlieren. Oft werde in diesem Segment das hohe Risiko „vor Vertragsabschluss gar nicht deutlich“, bemängelt Oehler.

          Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Nicole Maisch, wirft der Bundesregierung vor, „interessengeleitete Geschenke an die Finanzbranche“ zu verteilen. Alleine die 5000 Riester-Produkte überforderten selbst Finanzexperten. Die Oppositionspolitikerin fordert ein „einfaches, kostenschlankes, öffentlich organisiertes Basisprodukt für die private Vorsorge“.

          Die Versicherer weisen die Studie scharf zurück. „Die Studie ist in zentralen Punkten nicht haltbar“, sagte Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Die Analyse stütze sich auf eine nichtrepräsentative Auswahl von Beschwerdefällen und verwende eine zu hohe Stornoquote von Lebens- und Rentenversicherungsverträgen. Zudem berücksichtige der Forscher gesetzliche Änderungen, die Verbrauchern seit 2008 in den ersten fünf Jahren der Vertragslaufzeit vor hohen Verlusten schütze, nicht ausreichend. Das Verbraucherschutzministerium wollte die Ergebnisse der Studie am Donnerstag nicht kommentieren.

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