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Mattel produziert „Spiel des Jahres“ : Geister statt Plastikpuppen

Preisträger: Spiele-Autor Brian Yu (links) und der Geschäftsführer von Mattel Deutschland, Stephan Tahy Bild: dpa

Mattel Games ist seit 1959 durch die Erfindung der Barbiepuppe in der ganzen Welt bekannt. Mit dem Brettspiel „Geister, Geister, Schatzsuchmeister“ gewinnt das amerikanische Unternehmen in diesem Jahr den Preis „Spiel des Jahres“.

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          „Die bunten Karten, die Juwelen und dass es auch mal gruselig ist“: Das gefalle ihr am „Kinderspiel des Jahres“, sagte eine acht Jahre alte Grundschülerin bei der Preisverleihung am Montag in Hamburg. In der Begründung der Jury hieß es denn auch über das Spiel „Geister, Geister, Schatzsuchmeister“: „Brian Yu kreiert eine gespensterhafte Atmosphäre, die einen unweigerlich ins Spiel hineinzieht. Wird die Bedrohung zu übermächtig, stellt er das Miteinander in den Vordergrund, denn nur gemeinsam kann man das Böse abwenden.“

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Autor Yu hat das Spiel für das amerikanische Unternehmen Mattel Games entwickelt, das seit der Erfindung der Barbiepuppe 1959 in der ganzen Welt bekannt ist. Schon im Jahr 1989 gewann Mattel mit „Café International“ den Preis „Spiel des Jahres“. Jahrelang hatte das Spielwarenunternehmen keine Autorenspiele mehr entwickelt, sondern eher für den schnellen Verkauf gedachte Lizenz-Produktionen wie „Spongebob“, „Harry Potter“ und „Batman“. Auch Brian Yu hat schon viele solcher Spiele entwickelt.

          Doch in Amerika herrscht gerade eine Brettspiel-Welle, die man nur vergleichen kann mit dem Boom in Deutschland in den neunziger Jahren, als „Die Siedler von Catan“ erschien, erzählt Stefan Gohlisch, Mitglied der Jury. Deshalb entwickelt Mattel seit dem Herbst vergangenen Jahres wieder Autorenspiele. Sabine Koppelberg, Leiterin der Jury, sagte bei der Preisverleihung: „Kinder spielen für ihr Leben gern und lernen dabei fürs Leben.“ Spielen fördere Intelligenz, Kreativität und Sozialverhalten.

          Rund 150 Spielen wurden getestet

          Rund 150 neue Spiele für Kinder zwischen drei und acht Jahren haben sich Gohlisch und die sieben weiteren Jury-Mitglieder in diesem Jahr angeschaut und gemeinsam mit Kindern in Familien, Kindergärten und Schulen auf Originalität, Spielbarkeit, Verständlichkeit und Design geprüft. „Bei manchen sieht man gleich: Das ist Memory unter einem neuen Namen“, sagt Gohlisch. „Die anderen testen wir dann alle. Zunächst natürlich mit den eigenen Kindern.“ Zehn Spiele haben sie am Ende empfohlen, drei davon für das „Kinderspiel des Jahres“ nominiert.

          „Alle zehn sind herausragende Kinderspiele. Sie fesseln, sie regen an, sie fördern Kinder in ihrer Entwicklung ohne den pädagogischen Zeigefinger“, sagte Sabine Koppelberg bei der Preisverleihung. Neben dem kooperativen Schatzsuchspiel waren mit einem Wettrenn-Spiel („Fizz & Miez“ von Stadlbauer) sowie einem Taktik-Spiel („Richard Ritterschlag“ von Haba) drei sehr unterschiedliche Spiele nominiert. Am Gewinner gefällt dem Jury-Mitglied Stefan Gohlisch besonders, dass es um zusätzliche Regeln und Karten erweitert werden kann.

          Die machen das Spiel, das für Kinder ab sieben Jahre geeignet ist, so komplex, dass es auch für Erwachsene spannend ist. Auch wenn ihn der Barbie-Produzent als Preisträger ein wenig überrascht hat, sagt er: „Es ist ein schönes Spiel ohne Rosa und Plastik mit guten Autoren und Illustratoren.“Der Verein „Spiel des Jahres“ vergibt den gleichnamigen Preis seit 1979, dieses Jahr am 14. Juli in Berlin. Das beste Kinderspiel hat er dieses Jahr zum 14.Mal gekürt. Der Preis ist undotiert, erhöht aber den Umsatz der Spielemacher erfahrungsgemäß deutlich.

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