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: "Männer netzwerken besser untereinander als Frauen"

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Auf dem Podium steht einer, der sich aufregt. Karl-Heinz Minks, Leiter der Absolventenforschung beim HIS Hochschul-Informations-System, berichtet von einer jungen Frau, die in Deutschland Chemie studiert, sich promoviert und dabei ein Patent angemeldet hat.

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          Auf dem Podium steht einer, der sich aufregt. Karl-Heinz Minks, Leiter der Absolventenforschung beim HIS Hochschul-Informations-System, berichtet von einer jungen Frau, die in Deutschland Chemie studiert, sich promoviert und dabei ein Patent angemeldet hat. Trotz dieser Ausbildung wollte sie hierzulande niemand einstellen. "Wir sind doch nicht ganz bei Trost, daß wir solche Frauen im Regen stehen lassen", sagt Minks und blickt ein wenig wütend und zugleich ein wenig ohnmächtig in die Runde.

          Seine Zuhörerinnen spenden Applaus; sie teilen die Empörung, verwundert sind sie nicht. Als Teilnehmerinnen des Kongresses "Übergänge erfolgreich gestalten - Strategien für Frauen in Naturwissenschaft und Technik" in Mainz wissen sie, daß solche Fälle keine Ausnahme sind. In Workshops und Debatten wollen sie Konzepte entwickeln, um das zu ändern.

          Die Herbsttagung wird vom Ada-Lovelace-Projekt ausgerichtet, dessen Name an die Engländerin Ada Countess of Lovelace (1815 bis 1852) erinnert. Sie beschäftigte sich trotz der Frauendiskriminierung ihrer Zeit mit Mathematik und schrieb erste Programme für Rechenmaschinen. Jetzt dient sie als Vorbild für die jungen Frauen, die im Rahmen des Projektes seit 1997 in Rheinland-Pfalz Mädchen für naturwissenschaftliche Studiengänge und seit 2001 für technische Berufe begeistern wollen. Bei Schulbesuchen und Einladungen an die Universitäten vermitteln Studentinnen der verschiedenen Fächer wie Physik, Chemie und Informatik, sogenannte Mentorinnen, interessierten Schülerinnen Eindrücke aus dem Studium.

          Angelika Böer ist Mentorin an der Universität Mainz. Die 25 Jahre alte angehende Chemikerin arbeitet seit einigen Jahren für das Ada-Lovelace-Projekt und wird wie eine wissenschaftliche Aushilfskraft bezahlt. Im Schülerlabor der Uni hat sie verschiedene Klassenstufen mit altersgerechten Versuchen an ihr Fach herangeführt. Dort wird Eis aus Stickstoff gewonnen und untersucht, wie sauer Cola ist. Flummi-Bälle werden aus Silicon-Kautschuk hergestellt. "Je älter die Schülerinnen sind, desto studienüblicher werden die Versuche", sagt sie. Daneben gehören Betriebsbesichtigungen und Ferienveranstaltungen zum Ada-Lovelace-Angebot. Die Mentorinnen werden von geschulten Pädagoginnen des Projektes, sogenannten Trainerinnen, darin unterrichtet, wie man im Team arbeitet, sich präsentiert und frei spricht. Inhaltlich bereiten sie ihre Projekte selbst vor. So wie Katharina Franke: Die 22 Jahre alte Physik-Studentin bietet in diesem Herbst an einer Mainzer Realschule gemeinsam mit einer weiteren Mentorin eine Alternative zur Hausaufgabenbetreuung an. Eineinhalb Stunden in der Woche hält sie mit interessierten Schülerinnen Erlebnis-Matheunterricht. "Wir werden Volumina von Steinen oder Kaffeetassen ermitteln und geometrische Körper basteln und berechnen", sagt Franke.

          Die Angebote kommen an, davon ist Elisabeth Sander, wissenschaftliche Leiterin des Ada-Lovelace-Projektes, überzeugt. Soeben hat die Koblenzer Psychologie-Professorin den Teilnehmerinnen der Tagung anhand druckfrischer Statistiken und Analysen erklärt, daß in den vergangenen sieben Jahren an den rheinland-pfälzischen Hochschulen der Anteil der Erstsemesterinnen in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern deutlich gestiegen ist. Beispiel Chemie: Statt den 39,7 Prozent des Wintersemesters 1996/97 immatrikulierten sich im vergangenen Winter 56,5 Prozent junge Frauen. Im Bundesdurchschnitt sind konstant knapp die Hälfte der neuen Chemiestudenten Mädchen. Auch in der Physik oder im Maschinenbau schreiben sich neuerdings mehr Studentinnen ein. "Wir möchten nicht so vermessen sein, das nur auf Ada-Lovelace-Aktivitäten zurückzuführen, aber wir haben daran einen wichtigen Anteil", sagt Sander. Zudem sei das Interesse an Naturwissenschaft bei Mittelstuflerinnen, die an Ada-Lovelace-Angeboten teilgenommen hätten, innerhalb eines Jahres signifikant gestiegen, bei Schülerinnen ohne Kontakt zum Projekt dagegen nicht.

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