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Libor-Skandal : Was wusste Anshu Jain von den Zinsabsprachen?

Anshu Jain Bild: REUTERS

Bislang hatte der Libor-Skandal für den Deutsche-Bank-Ko-Vorstandschef Anshu Jain keine gravierenden Folgen. Nun hakt die Bankenaufsicht in der Deutschen Bank tiefer nach und fordert Gerichtsakten an.

          Der Skandal um manipulierte Zinsen in der Deutschen Bank könnte doch noch Folgen für den Ko-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain haben. Die Bankenaufsicht hatte zwar nach einer ersten Sonderprüfung im August diesen Jahres Kontrollmängel in der Deutschen Bank wie Verstöße gegen das Vier-Augen-Prinzip und eine zu geringe Dokumentation gerügt, weil sie damit Preisabsprachen zwischen wenigen Händlern ermöglicht haben soll. Die Aufsicht hat aber den seinerzeit verantwortlichen Investmentbanking-Vorstand Jain nicht verwarnt, weil sie keine Mitschuld des Vorstandes erkannt hat. Inzwischen jedoch hat die Bafin die Sonderprüfung in der Deutschen Bank ausgeweitet, wie schon im Oktober berichtet. Am Freitag sagte nun ein Eingeweihter: „Die Bafin hakt immer tiefer nach. Dabei geht es natürlich auch darum zu prüfen, ob und was der Vorstand gewusst hat.“

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bisher stellt die Deutsche Bank die Manipulation von Zinsen als eine Verfehlung weniger Mitarbeiter gegen auch hausinterne Regeln dar. Als am Mittwoch die EU-Kommission deshalb eine Rekordkartellbuße von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Geldhäuser verhängte und allein die Deutsche Bank 725 Millionen Euro zahlen musste, reagierte die Deutsche Bank nach schon bekanntem Muster: Sie sprach von Fehlverhalten „einzelner Mitarbeiter in der Vergangenheit“. Gleichzeitig gelobten Jain und sein Vorstandskollege Jürgen Fitschen Besserung: Mehr Kontrollen durch neue Mitarbeiter und eine bessere IT.

          Fitschen gegen Schäuble

          Am Freitag verteidigte zudem der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner Fitschen gegen Kritik von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Dieser hatte den Banken vorgeworfen, ihre Kreativität, Regeln zu umgehen, sei weiter groß. Dem hatte Fitschen deutlich widersprochen und sich nach Ansicht Schäubles „im Ton vergriffen. „Im Prozess zur Vergangenheitsbewältigung gibt es ständig Anlässe, über ein und denselben Vorgang erneut zu berichten“, sagte Achleitner. „Dadurch wird der Eindruck erweckt, Banker hätten noch immer nichts gelernt – haben sie aber.“

          Doch die Bankenaufsicht hat daran offenbar Zweifel. Zumindest lässt die Bafin auch nach der Rekordstrafe die Deutsche Bank und Jain wegen der manipulierten Zinsen nicht aus dem Schwitzkasten. In Finanzkreisen wird bestätigt, dass sie die Akten zu dem Arbeitsgerichtsprozess angefordert hat, in dem vier Händler der Deutschen Bank ihren Vorgesetzten Alan Cloete belastet haben. Der ehemalige Chef der Sparte Devisen- und Geldhandel ist enger Mitarbeiter Jains. Vor Gericht sagten seine früheren Mitarbeiter aus, Cloete habe, als er die Händler über die Kürzung von Boni informierte, auch die internen Untersuchung der Zinsmanipulationen für beendet erklärt – mit dem Hinweis, dass der damalige Investmentbank-Vorstand Jain vor seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden im Mai 2012 nicht beschädigt werden solle. Die Deutsche Bank bestreitet dies.

          Sonderprüfung der Bafin könnte noch mindestens bis Ostern dauern

          Eingeweihte gehen davon aus, dass die vertiefte Sonderprüfung der Bafin in der Deutschen Bank noch bis mindestens Ostern 2014 dauern wird. Falls die Bafin zum Ergebnis kommen sollte, ein Vorstand habe Preisabsprachen gebilligt, davon gewusst oder sie zumindest ermöglicht, müsse sie die Frage stellen, ob dieser Vorstand noch zuverlässig und fachlich geeignet sei, eine Bank zu führen. Die Bafin kann Maßnahmen gegen Bankvorstände verfügen, die von einem „missbilligenden Schreiben“ hin zur Abberufung reichen.

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