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Lexikon : Kleines ABC der Geldmarktgeschäfte

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Bild: FAZ.NET

Der Geldmarkt ist in den vergangenen Monaten stärker als bisher ins Blickfeld gerückt. Doch nicht mit allen begriffen lässt sich ohne weiteres etwas anfangen.

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          Am Geldmarkt handeln Banken untereinander mit Liquidität, die in der Regel als Guthaben auf Konten bei der Zentralbank zur Verfügung gestellt wird. Der weitaus größte Teil der Umsätze entfällt auf Tagesgeld, genauer gesagt: sogenanntes Overnight-Geld (“o/n“). Dabei wird der vereinbarte Kreditbetrag noch am gleichen Tag über das Großbezahlungssystem „Target 2“ überwiesen. Dieser Kredit läuft bis zum nächsten Geschäftstag.

          tom/next

          Als tom/next wird ein Geschäft bezeichnet, das heute vereinbart, aber erst am folgenden Geschäftstag (tomorrow) ausgeführt wird; dieser Kredit muss am folgenden Geschäftstag zurückgezahlt werden. Im Wertpapierhandel werden Geschäfte am Kassa- oder Spotmarkt typischerweise am übernächsten Geschäftstag abgewickelt. Das entsprechende Geschäft heißt im Geldhandel spot/next und hat ebenfalls einen Tag Laufzeit.

          Forwards

          Im Geldhandel werden auch Interbankkredite mit längerer Laufzeit gewährt. Üblich sind ein- und mehrwöchige Laufzeiten, ferner auch ein- und mehrmonatige. Heute vereinbart, beginnt die Laufzeit am übernächsten Geschäftstag. Daneben gibt es Forwards, bei denen heute ein künftiges Kreditgeschäft fest vereinbart wird, zum Beispiel ein Kredit mit dreimonatiger Laufzeit, die am 22. Februar beginnt.

          Devisen-Swap-Geschäfte

          Bei freiem Kapitalverkehr können Banken zur Beschaffung von Liquidität auch im Ausland Kredite aufnehmen und dieses Geld in die heimische Währung tauschen. Um das Wechselkursrisiko auszuschalten, werden dabei meist Devisen-Swap-Geschäfte vereinbart. Dazu wird mit einem Währungskauf gleich ein Rückkauf zu einem festvereinbarten Wechselkurs vereinbart. Die Zinsdifferenz zwischen den beiden beteiligten Währungen bestimmt den Rückkaufkurs. Der Swap-Markt ist normalerweise sehr liquide, derzeit aber wegen des gegenseitigen Misstrauens der Banken ausgetrocknet.

          Repo-Geschäfte

          Interbankenkredite und Swap-Geschäfte sind normalerweise unbesichert; der Schuldner haftet mit seinem gesamten Vermögen - was es dem Kreditgeber bei einer Insolvenz des Kreditnehmers freilich schwermachen kann, an sein Geld zu kommen. Vor allem länger laufende Geldmarktgeschäfte werden deshalb zum Teil in besicherter Form durchgeführt: Bei diesen Repo-Geschäften muss der Kreditnehmer dem Gläubiger Wertpapiere als Pfand übereignen. Wegen der erhöhten Sicherheit ist der Zins für Repo-Geschäfte etwas niedriger als für unbesicherte Kredite.

          Zinssätze

          Neben den Zinssätzen, die sich aus dem laufenden Interbankhandel ergeben, spielen die Zinssätze Euribor und Eonia am Geldmarkt eine wichtige Rolle. Um den Euribor (“Euro Interbank Offered Rate“) zu ermitteln, befragt eine Agentur vormittags um 11 Uhr rund 60 europäische Großbanken, zu welchen Zinssätzen sie einen unbesicherten Kredit gewähren, und zwar einem Schuldner mit Bonität „AA-“. Um Extremwerte bereinigt, wird aus diesen Angaben für die jeweiligen Laufzeiten (ein bis zwölf Monate) ein Durchschnitt berechnet, der Euribor.

          Euribor

          Der Euribor gilt bei vielen Krediten an Unternehmen und Haushalte, bei denen eine variable Zinsanpassung vereinbart wurde, zudem im Zins-Swap-Geschäft unter Banken. Wenn Schuldner eine andere Bonität als „AA-“ haben, wird dies durch Zu- und Abschläge vom Euribor berücksichtigt. Auf den Euribor gibt es ferner einen sehr vielgehandelten Zins-Terminkontrakt. Dieser Euribor-Future ist das Gegenstück zu einem „Forward“, nur mit standardisiertem Laufzeitbeginn (am Verfallstag des Terminkontrakts) und Laufzeitdauer (drei Monate).

          Eonia

          Der Euribor ist ein „gesprochener“ Zins, er beruht auf den bloßen Angaben von Banken. Demgegenüber berechnet die Europäische Zentralbank (EZB) den Eonia (Euro Overnight Index Average) aus tatsächlich getätigten Overnight-Geschäften. Dazu melden rund 60 Banken abends alle ihre Overnight-Geschäfte nach Umsatz und jeweiligem Zins. Die EZB bereinigt die Angaben und ermittelt den Eonia. Er ist für viele Verträge maßgeblich, zum Teil auch dafür, welchen Zins eine Bank oder ein Fonds für Kundeneinlagen vergütet.

          Eonia-Swaps

          Am Geldmarkt spielen ferner Eonia-Swaps eine große Rolle. Bei diesen Geschäften mit Laufzeiten von einer Woche bis zu einem Jahr tauschen Banken Zinssätze aus: Bank A hat zum Beispiel einem Kunden einen Kredit über eine Million Euro für drei Monate gewährt, refinanziert sich aber über Tagesgeld.

          Um die Laufzeiten-Inkongruenz abzusichern, vereinbart sie mit Bank B einen Drei-Monats-Eonia-Swap: Dabei zahlt Bank A den Dreimonatsfestsatz an Bank B, die im Gegenzug den täglichen Eonia-Zins für drei Monate zahlt. Bank A hat sich dadurch gegen das Risiko einer Änderung des Marktzinses für Tagesgeld abgesichert. Es verbleibt noch das Liquiditätsrisiko, da Bank A nun noch Sorge tragen muss, täglich eine Million Euro geliehen zu bekommen.

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