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Leserbrief : Wann wird aus einem Embryo ein Mensch?

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Zu den Artikeln zum Thema Stammzellen zuletzt in der F.A.Z. vom 13. November: Die wieder und wieder von Theologen, Juristen und selbst von einigen Biomedizinern wiederholte Behauptung "Das menschliche Leben beginnt mit der befruchteten Eizelle" ist schlicht falsch.

          Zu den Artikeln zum Thema Stammzellen zuletzt in der F.A.Z. vom 13. November: Die wieder und wieder von Theologen, Juristen und selbst von einigen Biomedizinern wiederholte Behauptung "Das menschliche Leben beginnt mit der befruchteten Eizelle" ist schlicht falsch. Die unbefruchtete Eizelle, ja jedes Spermium, ist menschliches Leben. Der Unterschied zwischen "menschlichem Leben", wie es millionenfach in jeder Blutprobe enthalten ist, und "Leben eines Menschen" ist entscheidend, die Verwischung der beiden Begriffe unverzeihlich.

          Die befruchtete Eizelle ist kein Individuum (das Unteilbare), weil sie sich teilt und aus jeder der beiden Tochterzellen ein Mensch entstehen kann (eineiige Zwillinge; sie sind übrigens geklont). Auch im Vier- und Achtzellstadium kann aus jeder der vier oder acht Zellen ein Mensch entstehen. Diese frühen Stadien der Entwicklung sollte man der Klarheit halber als Pro-Embryo bezeichnen; er ist kein Individuum. Erst ab der Nidation (Einnistung) sollte man von einem Embryo, einem Individuum, sprechen.

          Pro-Embryonen sind also keine Individuen und haben daher keinen personalen Charakter. Sie ethisch, juristisch oder theologisch so zu bewerten wie einen Menschen, ist daher nicht logisch. Da sie aber zweifelsohne "menschliches Leben" sind, müssen sie entsprechend respektiert werden; das muss zur Ethik eines jeden Forschers gehören.

          Wann aber wird aus einem Embryo ein Mensch? Natura non saltat (Die Natur macht keinen Sprung): Niemand kennt also diesen Punkt, aber man kann sagen, solange der Pro-Embryo mit Sicherheit kein Individuum ist (etwa bis zum 16-Zell-Stadium), ist er kein Mensch. Bis zu dieser Entwicklungsphase sind auch moraltheologische Einwände gegen eine gut begründete Forschung nicht gerechtfertigt.

          Juristisch galt früher der Embryo frühestens ab Tag zehn bis vierzehn nach der Befruchtung als schützenswert (diverse Verfassungen). Schon vor 500 bis vor 2000 Jahren (Kaiser Justinian unter anderen) waren die meisten Theologen und Rechtsgelehrten der Auffassung, der Übergang vom fetus inanimata zum fetus animata erfolgt etwa in der zehnten Schwangerschaftswoche (entwickeltes Nervensystem). Juristisch ist die Tötung danach ohne Wenn und Aber Mord. Leider wird dies von einer inkompetenten Stammzellen-Diskussion verschleiert. Die heutige rechtliche Regelung der Schwangerschaftsabbrüche ist somit nicht kohärent mit der rechtlichen Regelung der Stammzellen-Forschung.

          Fragen oder Begründungen, die sich auf mögliche Erfolge der Stammzellen-Forschung beziehen, sind ethisch irrelevant ebenso wie soziale Indikationen für den Schwangerschaftsabbruch nach der zehnten Woche, erst recht nach der zwölften Woche.

          Karl T. Friedhoff, Hannover

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