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Leserbrief : Letztlich eine elende Tierschinderei

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Zu "Verletzt der Eingriff unter Vollnarkose das Mitgeschöpf?" (F.A.Z., "Forschung und Lehre" vom 25. November): Tierschützer stören die Arbeit des Neurobiologen Andreas Kreiter, indem sie darauf hinweisen, dass die Experimente mit ...

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          Zu "Verletzt der Eingriff unter Vollnarkose das Mitgeschöpf?" (F.A.Z., "Forschung und Lehre" vom 25. November): Tierschützer stören die Arbeit des Neurobiologen Andreas Kreiter, indem sie darauf hinweisen, dass die Experimente mit Makaken, wie alle anderen Tierversuche auch, letztlich eine elende Tierschinderei sind. In Berlin, München und Zürich wurde inzwischen akzeptiert, dass die Belastung für die sensiblen Tiere in keinem Verhältnis zum wissenschaftlichen Output steht; entsprechende Versuche mit Affen wurden eingestellt. Jedes Mal gibt es dann einen Aufschrei der Forscher, die die Wissenschaft insgesamt in Gefahr sähen, wenn der Tierschutz gleich oder höher bewertet würde als die Freiheit des grenzenlosen Forschens. Jetzt ist also der Bremer Affenforscher Kreiter mit seiner Makakenkolonie dran. Nachdem die wissenschaftliche Zielsetzung seiner in der Grundlagenforschung angesiedelten Experimente die Senatskommission der Bremer Bürgerschaft offensichtlich nicht überzeugt hat, fällt ihm plötzlich die überragende Bedeutung seiner Affenstudien für die Medizin ein: Die Hirnfunktionen der Epilepsiekranken müssen doch erforscht werden; die Bewegungssignale der Parkinson-Patienten müssen untersucht werden; wer Kreiters Affenversuche aufhalte, halte den Fortschritt in der Medizin auf.

          Alles an den Haaren herbeigezogen. Argumente dieser Art werden seit Jahrzehnten verwendet, wenn es um die ethische Vertretbarkeit von Tierversuchen geht. Soll Andreas Kreiter doch bitte einmal vorweisen, was er bislang, seit er in Bremen in seinem Elfenbeinturm forscht, für die Epilepsiekranken erreicht hat. Nichts, absolut nichts. Natürlich wird er von seinen ebenfalls tierexperimentell forschenden Kollegen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von den Universitäten unterstützt, weil sie alle Angst vor einem Dammbruch haben, sollten sich die in der allgemeinen Bevölkerung zunehmend akzeptierten ethischen Grundvorstellungen über den Umgang mit Tieren auch in der experimentellen Forschung durchsetzen. Also, zu behaupten, die Tiere würden nicht leiden und sich mit Freude an den Kreiterschen Experimenten beteiligen, ist blanker Unsinn. Die Tiere leben in Gefangenschaft, sie werden schmerzhaften Eingriffen im Schädel unterzogen, sie sind jeden Tag stundenlang immobilisiert und sie werden durch Flüssigkeitsentzug gefügig gemacht.

          Herr Dr. Kreiter, bleiben Sie bei der Wahrheit, und stellen Sie sich darauf ein, dass sich Ihre angeblich hochmoderne Wissenschaft einem wohlverdienten Ende zuneigt.

          Dr. Bernhard Rambeck, Leiter der Pharmakologischen Abteilung der Gesellschaft für Epilepsieforschung e.V., Bethel-Bielefeld

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