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Leserbrief : Hayek oder: Was ist soziale Gerechtigkeit?

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Zum "Standpunkt" von Manfred E. Streit "Soziale Gerechtigkeit - ein ordnungspolitisches Ärgernis" (F.A.Z.-Wirtschaftsteil vom 28. Mai): Die eingehende theoretische Darlegung über das Thema im Band 2 "Die Illusion der ,sozialen Gerechtigkeit'" ...

          Zum "Standpunkt" von Manfred E. Streit "Soziale Gerechtigkeit - ein ordnungspolitisches Ärgernis" (F.A.Z.-Wirtschaftsteil vom 28. Mai): Die eingehende theoretische Darlegung über das Thema im Band 2 "Die Illusion der ,sozialen Gerechtigkeit'" im Rahmen der Veröffentlichung über Recht, Gesetzgebung und Freiheit von F. A. von Hayek zeigt vielleicht am schärfsten, wie logisch unmöglich dieser Begriff ist und wie er zu schlimmen Dingen vor allem in der Politik missbraucht wird.

          Daher einige Zitate von Hayek: "Der klassische Liberalismus wurde durch Prinzipien des gerechten individuellen Verhaltens geleitet, während die neue Gesellschaft (Wohlfahrtsgesellschaft) die Forderung nach ,sozialer Gerechtigkeit' erfüllen soll und damit die Pflicht zur Gerechtigkeit immer mehr auf Autoritäten verlagert, die die Macht haben, den Menschen zu befehlen, was sie tun sollen." - "Der Begriff der ,sozialen Gerechtigkeit' führt geradewegs zu einem voll entwickelten Sozialismus." - "Der vorherrschende Glaube an ,soziale Gerechtigkeit' ist gegenwärtig wahrscheinlich die schwerste Bedrohung der meisten anderen Werte einer freien Zivilisation." - "Das Schlagwort ,soziale Gerechtigkeit' ist keineswegs, wie die meisten Leute wahrscheinlich empfinden, ein unschuldiger Ausdruck guten Willens gegenüber den weniger Glücklichen . . ., sondern ein Ausdruck, intellektuell anrüchig, ein Kennzeichen der Demagogie oder des billigen Journalismus." - "Die Verführung durch die ,soziale Gerechtigkeit' droht uns diesen größten Triumph persönlicher Freiheit wieder zu nehmen. Und es wird nicht lange dauern, bis diejenigen, die die Macht haben, ,soziale Gerechtigkeit' durchzusetzen, sich in ihre Stellungen eingraben werden, indem sie die Wohltaten der ,sozialen Gerechtigkeit' zur Belohnung für die Übertragung jener Macht austeilen und um sich selbst die Unterstützung einer Prätorianergarde zu sichern, die garantiert, dass ihre Ansicht von dem, was ,soziale Gerechtigkeit' ist, sich auch durchsetzt." - "In der Praxis entsteht ein Kampf um die Macht organisierter Interessen, in dem Argumente der Gerechtigkeit lediglich als Vorwand dienen."

          Wenn man die Mehrzahl der Parteien betrachtet, sieht man sie alle dem Sozialismus zustreben, und das in einem Land, das im östlichen Teil den vollen Segen des Sozialismus genossen hat, dessen Auswirkungen man teils vergessen hat oder bewusst verschleiert. Die DDR hatte am Ende eine Produktivität von einem Viertel bis einem Drittel der BRD, die Infrastruktur war weithin verrottet, es war ein Land, wo Bestechung allgegenwärtig war, und dessen Bewohner, wenn sie überhaupt ins Ausland kamen, wegen der maroden Währung Bürger zweiter Klasse waren.

          Mir tun die Menschen in Deutschland leid, die heute wieder auf diese Bauernfänger hereinfallen und mit bösartigen Schlagworten wie Neoliberalismus und "Kälte des Marktes" in eine Richtung gelockt werden, die für den fleißigen normalen Bürger Schlimmes verspricht.

          DR.-ING. ERNST-H. KOHLHAGE, BÜHL

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