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Leserbrief : Die jungen Deutschen nicht ins Feuer schicken

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Zur "Fremden Feder" von Karl-Heinz Kamp ("Deutschlands Einfluss in der Nato schrumpft", F.A.Z. vom 14. Juni): Bei seinen Ausführungen versucht der Forschungsdirektor des Nato Defense College in Rom, Karl-Heinz Kamp, Deutschland dazu ...

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          Zur "Fremden Feder" von Karl-Heinz Kamp ("Deutschlands Einfluss in der Nato schrumpft", F.A.Z. vom 14. Juni): Bei seinen Ausführungen versucht der Forschungsdirektor des Nato Defense College in Rom, Karl-Heinz Kamp, Deutschland dazu zu bringen, mehr junge Menschen auf dem Altar von "Al Qaida und deren Filialen von Indonesien über Pakistan/Afghanistan, Ostafrika und den Irak bis in den Maghreb" (siehe F.A.Z. vom selben Tag) zu opfern. Kamp glaubt, uns auf Vordermann bringen zu müssen mit der Drohung: "Deutschlands Einfluss in der Nato schrumpft". Unter allen angeführten Negativa, und seine Liste ist sehr, sehr lang, findet sich auch die zutreffende Feststellung, dass man sich nicht traut, dem deutschen Volk zu sagen, dass die Bundeswehr in Kämpfe verwickelt ist. Warum wohl nicht? Weil wir die Nase voll haben von zwei Weltkriegen, an denen wir (gelinde gesagt) sehr maßgeblich beteiligt waren. Weil wir wissen, dass Krieg keine Lösung ist, sondern Chaos bedeutet, auch am Hindukusch. Er kann nicht gewonnen werden.

          Aber die Krönung der Vorwürfe liegt in der Behauptung: "Die Regierung versäumt es nämlich nach wie vor, den Bürgern plausibel zu erklären, warum es richtig und notwendig ist, in Afghanistan militärisch engagiert zu sein." Diese Behauptung hören wir ständig und von allen Seiten mit der Begründung, sie stelle unsere Sicherheit in Frage. Es gibt keine Beweise für die Richtigkeit dieser Behauptung. Vielmehr erhöht die Teilnahme an den Kriegseinsätzen die Risiken in der ganzen Welt, auch in Deutschland. Und auf Grund der falschen Prämisse wird unsere Freiheit im Innern ständig mehr eingeschränkt. Warum verhält sich Deutschland so, dass es den Unmut der Nato auf sich zieht? Vielleicht, weil eine Frau das Sagen hat, die klug genug ist zu erkennen, dass der Mensch nicht dazu geboren ist, getötet zu werden, schon gar nicht für Gründe, die auf tönernen Füßen stehen. Den Kampf gegen den Terrorismus haben wir uns unter Amerikas Anstiftung an den Hals geholt.

          Die Kanzlerin versucht vorsichtig, klug und geschickt Eindämmung. Das ist äußerst schwierig angesichts zahlreicher Kampfbefürworter, die, da sie zu alt und in Führungspositionen sind, ihr Leben nicht einzusetzen brauchen, sondern die einzelnen Staaten anfeuern, ihre Jugend ins Feuer zu schicken. Möge uns die Kanzlerin noch lange erhalten bleiben, denn von ihrer Bestimmung her setzt die Frau primär auf Leben, nicht auf Kampf und Tod. Hier ist Forschungsbedarf gerade auch für die Nato.

          ROSWITHA RIEPE, KLEVE

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