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: Kupfer ist so teuer wie nie zuvor

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gap. FRANKFURT, 12. Oktober. Kupfer ist traditionell das Flaggschiff unter den Industriemetallen. Sein Preis hat seit Mitte September fast täglich neue Rekordhöhen erreicht, und dies vermittelt den Eindruck, als befänden sich alle Metalle dieser Gattung auf einem Höhenflug.

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          gap. FRANKFURT, 12. Oktober. Kupfer ist traditionell das Flaggschiff unter den Industriemetallen. Sein Preis hat seit Mitte September fast täglich neue Rekordhöhen erreicht, und dies vermittelt den Eindruck, als befänden sich alle Metalle dieser Gattung auf einem Höhenflug. Doch diese Vorstellung trügt. Nach anfänglich recht gleichförmigen Preissteigerungen an diesen Märkten bietet sich seit Monaten kein einheitliches Bild mehr. Dies liegt nach dem Urteil von Händlern an den von Metall zu Metall unterschiedlichen fundamentalen Bedingungen.

          Die laufende Aufwärtsbewegung bei Kupfer entstand im Mai und ist bis jetzt trotz starker spekulativer Beteiligung auffallend geordnet verlaufen. Dies spricht nach dem Urteil von Analysten für einen starken kontrollierenden Einfluß kommerzieller Kräfte, die nicht an zu schnellen und zu krassen Preissteigerungen interessiert seien. Doch die gegenwärtige Aufwärtsbewegung ist Bestandteil einer langjährigen Hausse, deren Dimensionen alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Sie begann vor vier Jahren zögerlich, bis sie vor 24 Monaten starke Dynamik entfaltete und den Kupferpreis in der Spitze um mehr als 100 Prozent steigen ließ.

          Die gesamte Hausse stand von Anfang an im Zeichen sprunghaft steigenden Bedarfs in China. Die Nachfrage von dort bewirkte entscheidend, daß die in den Jahren zuvor angehäuften Überschußvorräte beständig schrumpften und von 2003 an Produktionsdefiziten wichen. Seit einigen Monaten wird die Frage diskutiert, ob und, wenn ja, wann die Produktion den laufenden Bedarf deckt und wieder zu übersteigen beginnt. Manche sind der Ansicht, daß bereits ein Gleichgewicht zwischen Produktion und Verbrauch eingetreten ist. Andere bezweifeln dies und sagen voraus, bei ungebrochenem Wachstum der Weltwirtschaft und anhaltend hohem Bedarf besonders in China könne dieser Punkt erst im Laufe des nächsten Jahres erreicht werden. Das Preisgeschehen läßt auf den ersten Blick vermuten, daß letztere die besseren Argumente haben, doch wenden kritische Fachleute ein, daß die verfügbaren Statistiken zu den Metallen zu wenig aktuell und zudem notorisch mangelhaft seien, um zu jedem Zeitpunkt ein zuverlässiges Bild von der Marktlage vermitteln zu können.

          Geradezu vernichtend ist das Urteil der Experten über die Schätzungen der Kupferbestände. Ihr jahrelanger Schwund ist eines der am meisten verwendeten Argumente, um vor allem wenig informierte Anleger und Spekulanten von angeblicher oder tatsächlicher Knappheit zu überzeugen. Zuverlässig sind nur die täglich erscheinenden Angaben der beiden Kupferbörsen in London und in New York über die als "sichtbar" bezeichneten Bestände in den von ihnen lizenzierten Lagerhäusern. Doch die Zahlen sagen nichts darüber aus, ob ein Rückgang der Vorräte auf tatsächlichem Bedarf beruht oder aber nur eine Verlagerung von "sichtbaren" Lokalitäten in weniger sichtbare oder ganz unsichtbare, also statistisch nicht zu erfassende Lagerstätten ausdrückt. Solche Verlagerungen sind an der Tagesordnung und dienen unterschiedlichen Interessen, darunter auch dem Zweck, eine Knappheit vorzutäuschen, die in Wirklichkeit gar nicht besteht. Kaum ein bedeutender Rohstoffmarkt ist, historisch erwiesen, reicher an Manipulationen und Manipulationsversuchen als der für Kupfer.

          Die Weltproduktion von Kupfer steigt Merrill Lynch zufolge 2005 gegenüber dem vergangenen Jahr von 15,749 auf 16,682 Millionen Tonnen oder um 5,9 Prozent. Die Nachfrage soll von 16,345 auf 16,693 Millionen Tonnen oder um 2,1 Prozent zunehmen. Daran zeigt sich, daß die hohen Preise stark anregend auf die Bergwerksgewinnung und die Rückgewinnung aus Schrott sowie auf die Produktion von Raffinadekupfer wirken. 2004 ist nach Berechnungen von Merrill Lynch noch ein Produktionsdefizit von 596 000 Tonnen entstanden. In diesem Jahr soll es auf 11 000 Tonnen sinken, während für die beiden nächsten Jahr Überschüsse von 323 000 und 373 000 Tonnen vorausgesagt werden. Andere Quellen nennen zwar andere Zahlen, doch sind sie sich nahezu alle in dem Schluß einig, daß sich die Angebotslage bei Kupfer nachhaltig entspannen wird. Nur der Markt scheint dies aus seiner stark spekulativ getrübten Sicht noch nicht wahrnehmen zu wollen.

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