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Hans Pels-Leusden : Erinnerung an einen Zauberer

Unvergessen wird er bleiben: Der Galerist, Sammler und Künstler Hans Pels-Leusden war einer der bedeutendsten Kunsthändler der Nachkriegszeit in Berlin, am 19. August wäre er hundert Jahre geworden.

          Ein Doppelleben als Maler und Kunsthändler zu führen war Hans Pels-Leusden erst vergönnt, als er im Jahr 1965, mit Ende fünfzig, eine weitläufige Etage am Kurfürstendamm zur Pflegestätte der Klassischen Moderne erhob und dort im Dachgeschoss Platz für sein eigenes Atelier fand. Mehr als zwanzig Jahre lang hatte der in Düsseldorf und Berlin zum Künstler ausgebildete Westfale zu diesem Zeitpunkt schon als Galerist aus dem Fundus des deutschen Expressionismus geschöpft, den er seinerzeit noch zu moderaten Preisen abgeben konnte. Der Spross einer wohlhabenden Anwaltsfamilie wurde von seinen Freunden nur kurz "Pels" gerufen, schmauchte unablässig Zigarren der Marke "Stahl und Eisen" und genoss allabendlich einen "guten Tropfen" des besten Weins.

          Camilla Blechen

          Redakteurin im Feuilleton.

          Mittelpunkt der Berliner Szene

          Von Haus aus mit Literatur vertraut gemacht, eröffnete der Lebenskünstler nach dem Krieg zunächst in Berlin ein Antiquariat, das er nach und nach in einen Kunsthandel umwandelte. Seine Galerie am Olivaer Platz wurde zum Wallfahrtsort der Berliner Szene; er zeigte dort Lovis Corinth, Max Slevogt, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Ludwig Meidner und öffnete sich zuweilen auch für Einladungen an zeitgenössische Künstler wie den Bildhauer Waldemar Grzimek oder den Graphiker Horst Janssen. Und natürlich nutzte der von den Farbmystikern Emil Nolde und Christian Rohlfs inspirierte Maler die eigenen Räume regelmäßig selbst für seine landschaftlichen und floralen Sujets. Neben Einzelausstellungen zeigte er gern thematische Übersichten, sie waren Themen gewidmet wie "Bilder der Nacht" oder "Magie, Dämonie und Groteske".

          Die Sammelschauen besaßen nicht nur Unterhaltungswert, sondern vereinten teure Spitzenwerke großer Namen mit bezahlbaren Artefakten unbekannter Künstler. Als Sammler, seine dritte Leidenschaft, jagte Pels-Leusden Arbeiten auf Papier von Käthe Kollwitz nach. Die einzigartige, hundert Druckgraphiken und siebzig Handzeichnungen umfassende Kollektion fand nach dem Tod von Hans Pels-Leusden am 26. April 1993 in einer spätklassizistischen Villa an der Fasanenstraße ihren Standort. Hier wird am 19. August, dem hundertsten Geburtstag des Stifters, an eine Persönlichkeit erinnert, der es mit Charme und klugen Worten gelang, zögerliche Kunden in entschlossene Käufer zu verwandeln.

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