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Aus dem ZADIK : Am Anfang war das Nichts

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Mit Hilfe von Jean-Pierre Wilhelm wurde 1956 die Ausstellung „Poème Objet“ umgesetzt. Aus Deutschland und Frankreich wurden Ausstellungsstücke von rund fünfzig Künstlern angefragt, wie eine umfangreiche Korrespondenz im Zentralarchiv belegt. Mit dieser Präsentation bei Parnass geschah der erste Brückenschlag von den der informellen Kunst zugrundeliegenden, abstrakten und surrealistischen Wurzeln - also von Künstlern wie Max Ernst und Hans Arp - hin zur zeitgenössischen Avantgarde wie Brüning, Fürst, Gaul, Götz und Hoehme.

Höhepunkt der deutsch-französischen Begegnungen bei Parnass war das Jahr 1958: Jährling lud französische Kritiker mit ihrer Künstlerauswahl ein. Im Januar brachte Michel Ragon „Vier Maler aus Paris“ mit: Martin Barré, Huguette A. Bertand, James Guitet und John Koenig. Im März stellte der Kritiker, Kurator und Sammler Michel Tapié die Künstlerin Ruth Francken erstmals in Deutschland vor: Tapié hatte den Begriff „Informel“ geprägt, den er 1950 auf Arbeiten von Wols und 1951 im Ausstellungstitel „Signifiants de L'Informel“ im Studio Facchetti in Paris anwandte. Am Tag nach der Ausstellungseröffnung paraphrasierte Tapié in einem dreistündigen Diavortrag seinen Essay „Un art d'autre“, der nach seiner Veröffentlichung 1952 zum retrospektiven Manifest des Informel werden sollte.

Zur Eröffnung spricht K. O. Götz

Eine besondere Freundschaft verband K.O. Götz mit Edouard Jaguer: Der international agierende Dichter, Maler und Kunstschriftsteller gab zahlreiche Publikationen heraus und war von 1949 bis 1951 französischer Redakteur der Zeitschrift „CoBrA“. Von 1950 an arbeitete er gemeinsam mit K.O. Götz an Ausstellungen im deutsch-französischen Austausch, wie Götz sich erinnert: „Mein Verlegen von META und meine Aufnahme in der CoBrA-Gruppe waren das Verbindungsglied zwischen Jaguer und mir. Wir bekamen schnell Kontakt zueinander und wurden gute Freunde, weil er keine Ressentiments gegen mich als Deutschen, als ehemaligen Feind im Zweiten Weltkrieg hatte. Ich besuchte ihn und seine Frau Simone bis Ende der sechziger Jahre regelmäßig zu Hause in Paris, was ja in Frankreich immer ein großer Vertrauensbeweis und eine Auszeichnung für einen Besucher war.

Außerdem begegneten wir uns manchmal bei den Treffen der Surrealisten, die André Breton, seit 1946 aus dem Exil wieder in Paris, im Café Les Deux Magots veranstaltete.“ Im Dezember 1958 sollte Jaguer in der Galerie Parnass die Ausstellung der Künstlergruppe „Phases“ eröffnen, für die er sich stark einsetzte. Da er aber verhindert war, bat er seinen Freund Götz, die Eröffnungsrede zu halten. Umgekehrt verschaffte Edouard Jaguer den deutschen informellen Künstlern Ausstellungen in den Pariser Galerien Raimond Creuze, Daniel Cordier, René Drouin und im Studio Paul Facchetti. K. O. Götz, später Lehrer von Künstlern wie Gerhard Richter und Sigmar Polke, hatte Jaguer viel zu verdanken, wie er 1959 anlässlich seiner Berufung zum Professor an die Düsseldorfer Kunstakademie ausführte: „Ich übertreibe nicht, wenn ich euch sage, dass ohne die Jahre von Jaguers Aktivität, einer Aktiviät, die auch meinen Namen einschließt, ich nicht da wäre, wo ich jetzt bin.“

Der beispielhafte Einsatz und die Initiative von Privatpersonen, Künstlern und Kritikern haben dafür gesorgt, dass sich in Deutschland nach 1945 ein Netzwerk von Kontakten und eine kulturelle Infrastruktur aufbauen konnten. Die Pionierarbeit der Galerien der ersten Stunde wie der Galerie Parnass und der Zimmergalerie Franck schuf die Voraussetzungen für die künstlerische Avantgarde: Sie ermöglichten den Künstlern den notwendigen ersten oder zweiten Schritt in die Öffentlichkeit und waren die Wegbereiter für viele, heute international erfolgreiche Künstler.

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