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Kriminalität : „Intensivtäter“ sind zumeist ausländische Männer

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Eine Studie hat untersucht, wer die Berliner Jugendlichen sind, die durch viele Straftaten auffällig werden, und woran es liegt, dass sogenannten Intensivtätern so ungenügend Einhalt geboten wird.

          Der Psychologe Lorenz Huck und der Kriminologe Claudius Ohder haben untersucht, wer die Berliner Jugendlichen sind, die durch viele Straftaten auffällig werden, und woran es liegt, dass sogenannten Intensivtätern so ungenügend Einhalt geboten wird: „Gemessen an der Vehemenz der Diskussion“, schreiben sie, „ist der Bestand aktueller empirischer Erkenntnisse mit lokalem Bezug gering.“ Von den 331 Intensivtätern in Berlin, die Mitte 2005 bei der Staatsanwaltschaft geführt wurden, haben beide Wissenschaftler die Akten von 264 Personen analysiert, sie haben Interviews mit inhaftierten Intensivtätern geführt und erste Ergebnisse in der Reihe der seit 1994 arbeitenden Berliner „Landeskommission gegen Gewalt“ veröffentlicht. Die Maßnahmen zur Prävention und zur effizienteren Strafverfolgung, so der zuständige Staatssekretär Thomas Härtel (SPD), seien inzwischen verbessert worden.

          Seit 2003 besteht bei der Staatsanwaltschaft eine Sonderabteilung für Intensivtäter. Die Mehrzahl der durch viele Straftaten auffällig gewordenen Verdächtigen ist jünger als 21 Jahre, zu 95 Prozent handelt es sich um Männer. Die Mehrheit aus der Stichprobengruppe - 74 Prozent - wurde in Deutschland geboren, nur 51 Prozent besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft. Von denen ohne deutschen Pass stammen vierzig Prozent aus der Türkei oder haben türkische Eltern, 21 Prozent stammen aus dem Libanon, und zwanzig Prozent aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien. 70 Prozent der „Vielfachtäter“ schreiben die Forscher einen Migrationshintergrund zu. Von ihren Eltern ist nur ein Fünftel vor 1975 eingewandert, jeweils 40 Prozent kamen zwischen 1975 und 1990 oder später. Die wenigsten stammen aus Familien von klassischen Arbeitsimmigranten; die meisten kamen als Flüchtlinge oder Asylsuchende.

          Geringes Bildungsniveau

          Wenig fanden die Wissenschaftler in den Akten über die Familien, so dass sie über deren Rolle nur Andeutungen machen. Die Intensivtäter stammen zumeist aus Familien mit mehreren Kindern, die Eltern üben eine geringe Kontrolle aus, sie verfügen über ein geringes Bildungsniveau, sind überdurchschnittlich arbeitslos und leben von einem geringen Familieneinkommen. Mögliche Hilfsangebote nehmen sie wenig in Anspruch. Während der sechsjährigen Grundschulzeit fallen die Intensivtäter nicht auf, doch danach fallen 30 Prozent durch aggressives Verhalten oder Schuleschwänzen negativ auf. Die Hälfte geht ohne Abschluss von der Hauptschule ab. Die Tatorte liegen zumeist (zu 54 Prozent) in unmittelbarer Nachbarschaft der Wohnorte; diese sind auf einige wenige Quartiere beschränkt.

          Vorherrschend sind Gewalttaten, Raub und Körperverletzungen: 38 Prozent der erfassten Straftaten sind Gewaltdelikte. Bei den Gewaltdelikten sind die „Vielfachtäter“ mit Migrationshintergrund überrepräsentiert. Die Taten würden zumeist in der Gruppe (zu 60 Prozent), aus materiellen Beweggründen (auch zu 60 Prozent) und spontan begangen, nur zu einem geringen Anteil liegen ihnen Planungen zugrunde. Der Stellenwert des Drogenkonsums bei den jugendlichen Delinquenten werde unterschätzt, vermuten die Wissenschaftler: Die Mehrzahl konsumiert Alkohol, Medikamente oder Drogen wie Haschisch.

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