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Kreuzfahrtbranche : Noch mehr Traumschiffe für die Urlauber

Schwimmende Hotels: Urlaub auf Clubschiffen erfreut sich in Deutschland weiterhin größter Beliebtheit Bild: dpa

Die Havarie der Costa Concordia versetzte der Kreuzfahrtbranche nur einen kurzen Dämpfer. Doch der Zuwachs an Buchungen ist komfortabel - und die Anbieter hoffen auf noch mehr Neukunden.

          Deutsche Urlauber lassen sich die Lust zum Reisen auf den Weltmeeren nicht vermiesen. Trotz des Unglücks des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio und des Brands auf der zur selben Reederei gehörenden Costa Allegra rechnet die Branche mit einem abermaligen Anstieg der Zahl deutscher Passagiere auf den schwimmenden Hotels und zeigt sich zuversichtlich, dass die Wachstumsrallye der Schiffsreisen längst nicht beendet ist.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Es ist davon auszugehen, dass wir in diesem Jahr ein solides Wachstum schaffen“, sagte Sebastian Ahrens, der den Ausschuss für Schiffsreisen im Branchenverband DRV leitet. Auf eine Rate, um die die Schiffsreiseanbieter 2012 zulegen werden, wollte er sich nicht festlegen. In der Branche dominiert die Zuversicht, dass die Buchungen mindestens um einen hohen einstelligen Prozentsatz steigen. Damit würde sich das Tempo verlangsamen, was allerdings auch auf die mittlerweile erreichte Größe des Reisesegments zurückgeführt wird.

          Mehr als 1,8 Millionen Bundesbürger an Bord

          2011 zählte der DRV mehr als 1,8 Millionen Bundesbürger, die an Bord eines Kreuzfahrtschiffs gingen - 12 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Hochseekreuzfahrten profitierten dabei stärker - die Zahl der Gäste stieg um fast 14 Prozent auf 1,4 Millionen. Sie gaben im Durchschnitt 1710 Euro für die Reise aus, was den Kreuzfahrtveranstaltern insgesamt Umsätze von 2,4 Milliarden Euro bescherte. Das kleinere Segment der Flussfahrten wuchs nur um 6,7 Prozent und kam auf 462.000 Passagiere. Insgesamt gehen 12,4 Prozent der Einnahmen der Reiseveranstalter hierzulande auf Kreuzfahrten zurück, vor zehn Jahren waren es erst 5 Prozent.

          Die Schreckensnachrichten von der Reederei Costa beunruhigten laut Ahrens deutsche Kunden nicht lange. Kurzfristig habe es einen negativen Effekt auf die Buchungseingänge gegeben, mittlerweile sei davon aber nur noch wenig zu spüren. Wie der Marktforscher der GfK am Donnerstag mitteilte, brachen die Buchungseingänge nach dem Concordia-Unglück zeitweise um 50 Prozent ein. Allerdings lag der Buchungsstand vor der Havarie um 45 Prozent über dem Vorjahresniveau, Ende Februar betrug der Zuwachs immerhin noch 33 Prozent.

          „Nicht repräsentativ für die Branche“

          Sorgen um die Sicherheit an Bord müssten sich Reisende nach dem Unglück vor Giglio nicht machen. „Es war ein schrecklicher Unfall, der nicht repräsentativ für die Branche ist“, sagte Ahrens. Unverändert zählten Schiffstouren zu den sichersten Reiseform überhaupt. Von 2005 bis 2010 seien auf den Traumschiffen der Welt insgesamt 16 Menschen ums Leben gekommen - von global rund 100 Millionen beförderten Passagieren.

          Die zusätzliche Nachfrage können die Reedereien gut gebrauchen. 2012 schicken sie sieben Neubauten auf große Fahrt. Auf den größten wie der Disney Fantasy finden rund 4000 Passagiere Platz. Außerdem holen Veranstalter mehrere umgebaute und renovierte Schiffe neu ins Geschäft - darunter der Vorgänger des aktuellen Traumschiffs aus der ZDF-Fernsehreihe, den der Veranstalter FTI von Mai an kreuzen lässt. Beliebteste Fahrtregion bleibt das westliche Mittelmeer vor Nordlandrouten nach Norwegen, Island, Spitzbergen und Grönland.

          Obwohl die Deutschen im europäischen Vergleich schon jetzt zu den großen Kreuzfahrtfreunden zählen - nur die Zahl britischer Passagiere war auf den Hochseeschiffen im vergangenen Jahr insgesamt höher -, gehen die großen Reedereien von Aida über Cunard, Royal Caribbean bis zu TUI Cruises, dass die Chancen hierzulande bei weitem nicht ausgereizt sind. Die größten Optimisten halten es sogar für möglich, das erreichte Passagierniveau in den nächsten Jahren noch zu verdoppeln. In einer Umfrage des DRV gaben 74 Prozent der Befragten an, bislang noch keine Kreuzfahrt gemacht zu haben, mehr als jeder dritte von ihnen zeigte sich aber interessiert, in den nächsten drei Jahren eine Schiffsreise zu buchen.

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