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Krematorium : Zurück bleibt nur das Schluchzen

  • -Aktualisiert am

Rundgang durch ein Krematorium in Zürich. Von der Verbrennung bis zur Urne vergehen in der Regel drei Stunden.

          Auf Knopfdruck gleiten zwei Metallschienen aus dem Boden, heben den Holzsarg hoch und fahren ihn zu dem etwa 1,50 Meter großen, schwarzen Tor. Rasch gleitet das Tor nach oben und gibt kurz einen Einblick in das Innere des 700 Grad heißen Ofens. Die Metallschienen legen den Sarg in die Hitze und verschwinden wieder im Boden, während das Tor geräuschlos den Sarg im Ofen einschließt. Zurück bleibt nur das Schluchzen der Angehörigen. Sieben Öfen zählt das Krematorium Nordheim, Zürich.

          „Wir sind eines der größten Krematorien der Schweiz. Jährlich finden hier etwa 6000 Einäscherungen statt“, sagt Andreas Bichler. Das Krematorium Liebenfels, Baden, führt etwa 1600 Kremationen jährlich durch. Insgesamt werden in der Schweiz 90 Prozent aller Todesfälle kremiert, das sind 58 000 Kremationen jährlich.

          Frühestens 48 Stunden nach dem Todeszeitpunkt

          Das Krematorium Nordheim besitzt drei Kühlräume, die sich in der Temperatur unterscheiden. Je nach Verwesungsstatus wird der Körper in einem von ihnen untergebracht. Die Leichen dürfen gesetzlich erst 48 Stunden nach dem Todeszeitpunkt eingeäschert werden. In den kleinen Aufbahrungsräumen können sich die Trauernden verabschieden. Dafür versuchen die Bestatter, die Verstorbenen möglichst schön und naturgetreu darzustellen. Sie retuschieren Wunden und ziehen den Leichnamen die von der Familie gewünschte Kleidung an. „Persönlich finde ich diese Arbeit einer der schönsten Seiten meines Berufes. Ich kann den Verstorbenen die letzte Ehre erweisen und hoffentlich den Angehörigen ein letztes gutes Bild geben“, sagt Bichler. Die Abdankungshallen sind für diejenigen gedacht, die sich im großen Rahmen von jemandem verabschieden möchten. Vom Aufbau ähneln sie Kirchen, alle christlichen Gegenstände fallen jedoch weg. Nordheim besitzt zwei Abdankungshallen, die große bietet Platz für 450 Leute.

          Asche und Bruchstücke der Knochen

          Der Luftfilter ist eines der wichtigsten Objekte. Er ist direkt an den Ofen angeschlossen und filtert die Luft nach Schadstoffen wie etwa giftigem Quecksilber. Filter und Ofen kosten zusammen zwei Millionen Franken. Der aus mehreren Teilen bestehende Prozess, von der Verbrennung bis in die Urne, dauert rund drei Stunden. Zuerst wird der Körper in der Mitte des Ofens bei 1200 Grad verbrannt, bis nur noch Asche und Bruchstücke der Knochen übrigbleiben. „Durch die Wärmeabgabe des Körpers erhitzt sich der Ofen von den anfangs 700 Grad zu den schlussendlichen 1200 bis 1300 Grad, die Flammen entstehen durch den Holzsarg. Wegen dieser unglaublichen Hitze dauert die Hauptverbrennung nur rund eineinhalb Stunden“, erklärt Andreas Gerber.

          Jede Urne bekommt eine Metallplakette

          Danach schiebt man die Bruchstücke mit Hilfe eines speziellen Besens in den unteren Teil des elektrisch beheizten Ofens. Dort bleiben sie, während eine neue Einäscherung im oberen Teil des Ofens durchgeführt wird, um einen vollständigen Ausbrand der Asche zu garantieren. Am Ende dieser Zweitverbrennung schiebt man die Asche in einen Metallbehälter, wo sie abkühlt. Danach kippt man sie in eine Art Zerkleinerungsmaschine. Hier werden zuerst mit einem Magnet Nägel und Schmuckteile und danach von Hand Gelenkprothesen aussortiert. Wenn nur noch Körperüberreste übrig sind, werden sie durch die Maschine gelassen, die die Überreste zerkleinert und in eine Urne füllt. „Wir bieten Holz- und Tonurnen an, man kann aber auch selbst ein passendes Gefäß mitbringen. Jede Urne bekommt danach eine Metallplakette, die auf dem Urnendeckel befestigt wird, mit Name, Urnennummer, Kremationsnummer und Einäscherungsdatum eingestanzt“, erklärt Bichler.

          Mit der Asche darf man in der Schweiz anders als in Deutschland tun und lassen, was man will. Die einzige Voraussetzung ist, dass sich niemand dabei gestört fühlt. In vielen Fällen verstreuen die Angehörigen die Asche an dem Lieblingsplatz des Verstorbenen. In Deutschland dagegen muss die Urne auf einem Friedhof stehen oder einem speziell dafür gedachten Areal.

          In all den Jahren nur ein schlechtes Erlebnis

          Um Bestatter zu werden, braucht man eine abgeschlossene Berufsausbildung. Später kann man noch eine Prüfung ablegen, um eidgenössischer Bestatter mit Fachausweis zu werden. „Zum Beruf bin ich gekommen, als ich vor 21 Jahren auf Arbeitsuche war und mir ein Radiobeitrag über diese Arbeit wieder einfiel. Bis jetzt hatte ich in all diesen Jahren nur ein schlechtes Erlebnis. Uns ist einmal bei einer Erdbestattung ein Sarg auseinandergefallen. Die Person war ein wenig stämmig, der Sarg schlug an einer Kante an, was das Holz zum Splittern brachte“, sagt Gerber mit traurigem Schulterzucken.

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